Weisse Schafe, schwarze Füsse

Um allfälliger Empörung vorzubeugen: Ich erziehe Goja nicht nach Blocher-Prinzipien, teile die Gesellschaft in der Regel auch nicht in schwarze und weisse Schafe ein. Dennoch ist es von Seiten Gojas kürzlich zu einer politisch unkorrekten, respektive zu einer stark rassistischen Aussage gekommen.

Aber der Reihe nach: Ich muss voraus schicken, dass ich wohl irgendwann was falsch gemacht habe als Mutter und mein Sohn sich gegenwärtig (die Gegenwart dauert schon Monate) nicht mehr gerne baden lässt. Es ist ein Geschrei, als würde ich ihn jeweils bei lebendigem Leib anbraten. Das einzige Nass, welches Goja zulässt, ist das Wasser aus dem Gartenschlauch, welches er sich regelmässig freiwillig anspritzt. Alle anderen Formen von Nass sind seiner Ansicht nach Folter. Das führt dazu, dass er – und insbesondere seine Füsse – langsam aber sicher dreckig werden. Und da sage ich halt hie und da: „Wäh, deine Füsse sind ja schon ganz schwarz!“

Neulich, da hat Goja ein ganz anderes Thema angeschnitten: Nachwuchs. Er wünschte sich zwei „Goja-Babys“ in meinem Bauch und als er gemerkt hat, dass da (auch nach einem dringenden Anruf bei Pepe) nichts zu machen ist, hat er sich selber kurzerhand schwanger erklärt: „Goja eis Bébé im Buuch“, verkündete er stolz. Ich war ziemlich überrascht und fragte nach: „Ach, und weisst du schon, wie dein Baby dann heissen soll?“

„Ja, Abuscha“, antwortete er stolz und ich brauchte eine Weile um herauszufinden, dass dieser Name eine Anlehnung an sein tamilisches Spielgruppen-Gspändli Abishan ist. Goja ist sich den Umgang mit andersfarbigen Menschen schon lange gewöhnt und hat bis jetzt auch nie speziell darauf reagiert.

Das war zu meiner Zeit anders. Als ich in der zweiten Klasse war, sah ich den ersten echten Schwarzen. Meine damalige Lehrerin hatte nämlich eine Kurzzeitaffäre mit einem Schwarzafrikaner namens Thomy Preston. Er war extrem lieb und die Attraktion in unserem Herbstzeitlosen-Dorf. Und das Einzige, was wir damals mit ihm assoziieren konnten war „Thomy-Mayonnaise und „Thomy-Senf“, mehr nicht. Er ist bis heute in meiner Erinnerung geblieben.

Aber zurück zu Gojas Baby namens Abuscha: Ich nickte auf seine Namensnennung also sehr verständnisvoll und sagte: „Ach, bekommst du vielleicht ein schwarzes Baby?“ Goja starrte mich an, überlegte zwei Sekunden und erklärte: „Mmh, nei, es subers Bébé!“

Letzte Aktualisierung : 08.2016, VZ