Junge wird in der Schule gemobbt
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Was tun bei Mobbing? - 5 Tipps für Eltern

Gastbeitrag von Christelle Schläpfer

Die neue PISA Studie von 2018 zeigt deutlich: Mobbing hat seit der letzten Erhebung von 2015 zugenommen. Dabei stehen die Schweiz und Italien europaweit am Schlechtesten da. Etwas mehr als jeder 6. Schüler erlebt Mobbing. Viele betroffene Kinder und Jugendliche holen aber keine Hilfe - meistens aus Angst, dass die Situation noch viel schlimmer wird. 

Diese Befürchtung ist nicht ganz unberechtigt, denn es gibt tatsächlich Massnahmen, die Mobbing deutlich verschlimmern können.

Diese 5 Dinge sollten Eltern bei Mobbing dringend vermeiden:

1. Das «Täter-Kind» konfrontieren


Wenn die Eltern erfahren, dass ihr Kind gequält wird, haben viele Eltern den ersten Impuls, den Täter aufzusuchen und ihm die Meinung zu sagen. Doch genau dieses Vorgehen, kann die Situation massiv verschlimmern. Meistens wird das Opfer dann von der Klasse als Petze hingestellt und noch mehr schikaniert. – Wenn man als Eltern das «Täter-Kind» aufsucht, gibt man ihm damit auch die globale Schuld für die Mobbingsituation. Tatsache ist, dass Mobbing in den meisten Fällen ein Gruppenphänomen ist und somit auch von der Schule in der Gruppe gelöst werden muss. Das heisst, Mitläufer und Zuschauer, die das Mobbing durch ihr Beitragen oder Nichtstun aktivieren, müssen ebenfalls in die Mobbing-Auflösung involviert werden.

2. Die «Täter-Eltern» konfrontieren

Nicht anders ist es, wenn Eltern das Mobbing-Problem mit den «Täter-Eltern» lösen wollen. Auch hier, wird nur der Täter/die Täterin verantwortlich gemacht. Kommt hinzu, dass bei dieser Vorgehensweise die «Täter-Eltern» sehr unterschiedlich reagieren können. Die einen werden das Ganze bagatellisieren oder ihr Kind in Schutz nehmen, andere wiederum werden ihr Kind bestrafen. Das kann jedoch zur Folge haben, dass sich das «Täter-Kind» am Opfer rächt. Strafen machen die Kinder nicht sozialkompetenter.

3. «Wehr Dich doch!»


Da bei Mobbing – anders als bei normalen Konflikten – ein Machtungleichgewicht besteht, stachelt es die Mobber erst recht an, wenn ein Opfer sich wehrt. Das Zurück-Schlagen oder Zurück-Beleidigen provoziert nicht nur die Angreifer, sondern ist auch das letzte, was die Kindergärtnerin oder die Lehrperson sehen. Das «aktive Opfer» wird dann oft nicht als solches erkannt, sondern als problematisches Kind gesehen. Das freut die Mobber umso mehr. Sie sind dann fein raus. Das Opfer wird zum «doppelten Opfer». Seinem Kind zu sagen «Wehr Dich doch!» ist bei Mobbing nicht dienlich. Vielmehr sollte ich mein Kind generell ermutigen, Hilfe bei Erwachsenen zu holen.

4. Die Schule ohne Einverständnis des Kindes kontaktieren


Wenn Eltern erfahren, dass ihr Kind gemobbt wird, wollen sie das schnellstmöglich angehen und mit der Schule diskutieren. Es ist allerdings wichtig, nichts ohne das Einverständnis des Kindes zu unternehmen, sonst vertrauen die Kinder den Eltern in Zukunft nichts mehr an. Das wäre fatal, denn bei Mobbing sollte ein Kind nicht allein mit seinem Problem bleiben, da dies besonders belastend ist.

5. Der Schule emotional begegnen


Eltern leiden richtig mit, wenn ihr Kind gemobbt wird. Wut und Trauer steigen auf. In der Emotion will man sofort reagieren und die Schule kontaktieren. In der Emotion ist man aber selten sachlich und lösungsorientiert, sondern sucht tendenziell einen Schuldigen und will die Situation sofort gelöst haben. Der Schule emotional und beschuldigend zu begegnen kann zur Folge haben, dass diese in die Defensive geht oder sich schützen will. Dann bleibt die Lösung in weiter Ferne. Eltern sollten daher ein konstruktives Gespräch mit der Schule vorbereiten. Die Auflösung der Mobbingsituation liegt anschliessend in der Verantwortung der Schule, denn nur sie kann dies mit der ganzen Gruppe der involvierten Kinder angehen.

Zur Person

Zur Person

Christelle Schläpfer, ehemalige Gymnasiallehrerin, ist Gründerin und Inhaberin von edufamily®. Sie ist schweizweit als Trainerin in den Bereichen Elternbildung und Lehrerfortbildung unterwegs, arbeitet als Beraterin und Coach und referiert zum Thema (Cyber)Mobbing auch international. www.edufamily.ch/mobbing

Letzte Aktualisierung : 28-02-20, Christelle Schläpfer, JL

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