Kalendereintrag geplanter Kaiserschnitt

Wunschkaiserschnitt

Freiwillig eine Geburt per Kaiserschnitt? Diese Frage wird schon seit vielen Jahren überall diskutiert: Sowohl unter den Schwangeren in Geburtsvorbereitungskursen als auch unter den Experten auf internationalen Gynäkologenkongressen.

Mindestens ein Viertel aller Schwangeren wird heute aus medizinischen Gründen per Kaiserschnitt entbunden. Für sie ist diese Operation eindeutig ein Segen, denn bei vorhersehbaren (geplanter Kaiserschnitt) wie auch bei plötzlich auftretenden Komplikationen (Notfall-Kaiserschnitt) können so Mutter und Kind gerettet werden.

Doch immer mehr Frauen (z.Zt. schätzungsweise etwa 6 Prozent aller Schwangeren) planen, ihr Kind per Kaiserschnitt zu bekommen - obwohl keine erkennbare medizinische Indikation vorliegt. Man nennt diese Operation deshalb auch „Sectio kraft Vereinbarung“ oder „Gefälligkeitssectio“, im Volksmund einfach "Wunsch-Sectio" oder "Wahl-Kaiserschnitt". Da ist von den Vorteilen der Schnittentbindung, einer schmerzfreien und planbaren Geburt die Rede. Der Geburtskanal werde weniger beansprucht, der Beckenboden weniger geschädigt, es gebe keine Dammverletzungen oder spätere sexuelle Störungen. Viele Studien deuten darauf hin, dass der moderne, schonende Kaiserschnitt, sofern er nicht vor Abschluss der 39. Woche und bei einer reifen, bisher unkompliziert verlaufenen Einlingsschwangerschaft durchgeführt wird, besser - oder zumindest nicht schlechter - für das Neugeborene ist. Allerdings weisen epidemiologischen Studien aus den vergangenen fünf Jahren auch darauf, dass eine Geburt per Kaiserschnitt einen bedeutsamen Einfluss auf das weitere Leben hat. Die Kinder scheinen u.a. signifikant häufiger an Asthma, Allergien, Diabetes mellitus und Zöliakie (Überempfindlichkeit auf Weizenbestandteile in der Nahrung) zu erkranken. Warum das so ist, ist jedoch noch nicht ausreichend aufgeklärt.

Extra

Broschüre der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe:

"Wie bringen Sie Ihr Kind zur Welt?"

Generell wollen Frauen in zunehmendem Masse von ihrem Selbstbestimmungsrecht Gebrauch machen, und das gilt auch für die Wahl der Geburtsmethode. Die Geburtshelfer müssen diesen Wunsch respektieren, und es gibt selten den Fall, dass ein Geburtshelfer den Wunsch seiner schwangeren Patientin nach einem Kaiserschnitt ablehnt. Aber: Je schwächer der medizinische Grund für eine Schnittentbindung, desto grösser die Aufklärungspflicht. Nur mit umfassender Aufklärung der Schwangeren ist eine eigenverantwortliche Abwägung möglich. Und diese wiederum ist die Voraussetzung für eine wirksame Einwilligung.

Zwar gilt immer noch die natürliche Geburt ohne Dammschnitt, ohne Zange bzw. Saugglocke und ohne Komplikationen als die beste und risikoärmste Geburt, auf jeden Fall für die Mutter und - wenn man die Langzeitauswirkungen auf die kindliche Gesundheit in Betracht zieht - auch für das Kind. Die Gegner der Wunsch-Operation betonen, dass Kaiserschnitt-bedingte Komplikationen den Tod der Mutter immer noch häufiger nach sich ziehen als die Komplikationen bei einer natürlichen Geburt. Nach aktuellen Zahlen, die bei den Perinatal-Erhebungen in Bayern (alle Geburten der letzten Jahre) gewonnen wurden, sterben fast dreimal so viele Frauen bei einer Sectio als bei einer vaginalen Geburt. Allerdings beruht diese Aussage zu einem grossen Teil auf notfallmässigen Kaiserschnitten unter schwierigen Bedingungen. Eine geplante Schnittentbindung, bei der keine Komplikationen vorhersehbar sind, ist im Vergleich dazu risikoärmer. Deshalb kann der Sterblichkeitsvergleich nicht als Argument gegen einen geplanten Kaiserschnitt eingesetzt werden, denn er stellt nach Meinung vieler Geburtshelfer heute für die Mutter kein grösseres Risiko dar als die vaginale Entbindung.

Allerdings werden mögliche Langzeitprobleme von Schnittentbindungen nach Meinung der Kritiker zuwenig berücksichtigt. Dazu gehört nicht nur eine gestörte Wundheilung mit unschöner Narbenbildung und eine längere Phase der Erholung nach der Geburt. Erst deutlich später, bei der nächsten oder übernächsten Schwangerschaft, fragen sich manche Frauen, ob eine vaginale Geburt nicht eine bessere Entscheidung gewesen wäre. Nach einem Kaiserschnitt sitzt der Mutterkuchen in der nächsten Schwangerschaft etwas häufiger an einer ungünstigen Stelle (Placenta praevia) oder haftet besonders fest (Placenta accreta), was zu einer Uterusruptur (Einreissen der Gebärmutter) und gefährlichen Blutungen nach der Geburt führen kann. Wird nach dem ersten Kaiserschnitt eine vaginale Entbindung angestrebt, sind Komplikationen leider etwas häufiger, auch wenn es nach einer Sectio durchaus möglich ist, die nächste Geburt auf natürlichem Wege zu bewältigen.

Kritiker der Wunschsectio bemängeln zudem, dass die Schwangeren durch den glatten Bauchschnitt oft das Gefühl haben, als Mutter bereits das erste Mal versagt zu haben, und oft Jahre brauchen, bis sie die psychologischen Probleme überwunden haben.

Von den Kosten her gibt es einen grossen Unterschied zwischen einer natürlichen Geburt und einem Kaiserschnitt. Mindestens 20% mehr, mitunter das Doppelte kostet eine Schnittentbindung. Die Krankenkassen bezahlen beides und fragen bei einem Kaiserschnitt sowieso nicht nach, ob er medizinisch notwendig war oder nicht - ein reiner "Wahl-Kaiserschnitt" könnte letztendlich ohnehin nicht bewiesen werden.


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Letzte Aktualisierung : 01.2018, BH

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