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Frau während Kaiserschnitt wird betreut

Wunsch­kai­ser­schnitt


Über die "elek­ti­ve Sec­tio", den Kai­ser­schnitt auf Wunsch der Schwan­ge­ren, wird schon seit vie­len Jah­ren über­all dis­ku­tiert: So­wohl un­ter wer­den­den Müt­tern in Ge­burts­vor­be­rei­tungs­kur­sen als auch un­ter Ex­per­ten auf in­ter­na­tio­na­len Gy­nä­ko­lo­gen­kon­gres­sen.

Frei­wil­lig eine Ge­burt per Kai­ser­schnitt?


Min­des­tens ein Vier­tel al­ler Schwan­ge­ren wird heu­te aus me­di­zi­ni­schen Grün­den per Kai­ser­schnitt ent­bun­den. Für sie ist die­se Ope­ra­ti­on ein­deu­tig ein Se­gen, denn bei vor­her­seh­ba­ren wie auch bei plötz­lich auf­tre­ten­den Kom­pli­ka­tio­nen kön­nen so Mut­ter und Kind ge­ret­tet wer­den.

Doch im­mer mehr Frau­en (schät­zungs­wei­se etwa 6 Pro­zent al­ler Schwan­ge­ren) pla­nen, ihr Kind per Kai­ser­schnitt zu be­kom­men, ob­wohl kei­ne er­kenn­ba­re me­di­zi­ni­sche In­di­ka­ti­on vor­liegt. Man nennt die­se Ope­ra­ti­on des­halb auch „Sec­tio kraft Ver­ein­ba­rung“ oder „Ge­fäl­lig­keits­sec­tio“, im Volks­mund ein­fach "Wunsch-Sec­tio" oder "Wahl-Kai­ser­schnitt".

Ex­tra

Broschüre der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe:

"Wie bringen Sie Ihr Kind zur Welt?"

Vor- und Nach­tei­le ei­nes Wunsch­kai­ser­schnitts für die Mut­ter...


Weit vor­ne auf der Lis­te der Vor­tei­le steht die schmerz­freie und plan­ba­re Ge­burt. Be­grün­det wer­den die Vor­tei­le da­mit, dass der Ge­burts­ka­nal we­ni­ger be­an­sprucht und der Be­cken­bo­den we­ni­ger ge­schä­digt wer­den. Es gebe kei­ne Damm­ver­let­zun­gen oder spä­te­re se­xu­el­le Stö­run­gen.

Mög­li­che Lang­zeit­pro­ble­me von Schnitt­ent­bin­dun­gen wer­den nach Mei­nung der Kri­ti­ker aber zu­we­nig be­rück­sich­tigt. Dazu ge­hört nicht nur eine ge­stör­te Wund­hei­lung mit un­schö­ner Nar­ben­bil­dung und eine län­ge­re Pha­se der Er­ho­lung nach der Ge­burt. Erst deut­lich spä­ter, bei der nächs­ten oder über­nächs­ten Schwan­ger­schaft, fra­gen sich man­che Frau­en, ob eine va­gi­na­le Ge­burt nicht eine bes­se­re Ent­schei­dung ge­we­sen wäre. Nach ei­nem Kai­ser­schnitt sitzt der Mut­ter­ku­chen in der nächs­ten Schwan­ger­schaft et­was häu­fi­ger an ei­ner un­güns­ti­gen Stel­le (Pla­cen­ta pra­e­via) oder haf­tet be­son­ders fest (Pla­cen­ta ac­cre­ta), was zu ei­ner Ute­rus­rup­tur (Ein­reis­sen der Ge­bär­mut­ter) und ge­fähr­li­chen Blu­tun­gen nach der Ge­burt füh­ren kann. Wird nach dem ers­ten Kai­ser­schnitt eine va­gi­na­le Ent­bin­dung an­ge­strebt, sind Kom­pli­ka­tio­nen lei­der et­was häu­fi­ger, auch wenn es nach ei­ner Sec­tio durch­aus mög­lich ist, die nächs­te Ge­burt auf na­tür­li­chem Wege zu be­wäl­ti­gen.

Die Geg­ner der Wunsch-Ope­ra­ti­on be­to­nen zu­dem, dass Kai­ser­schnitt-be­ding­te Kom­pli­ka­tio­nen den Tod der Mut­ter im­mer noch häu­fi­ger nach sich zie­hen als die Kom­pli­ka­tio­nen bei ei­ner na­tür­li­chen Ge­burt. Nach ak­tu­el­len Zah­len, die bei den Pe­ri­na­tal-Er­he­bun­gen in Bay­ern (alle Ge­bur­ten der letz­ten Jah­re) ge­won­nen wur­den, ster­ben fast drei­mal so vie­le Frau­en bei ei­ner Sec­tio als bei ei­ner va­gi­na­len Ge­burt. Al­ler­dings be­ruht die­se Aus­sa­ge zu ei­nem gros­sen Teil auf not­fall­mäs­si­gen Kai­ser­schnit­ten un­ter schwie­ri­gen Be­din­gun­gen. Eine ge­plan­te Schnitt­ent­bin­dung, bei der kei­ne Kom­pli­ka­tio­nen vor­her­seh­bar sind, ist im Ver­gleich dazu ri­si­ko­är­mer. Des­halb kann der Sterb­lich­keits­ver­gleich nicht als Ar­gu­ment ge­gen ei­nen ge­plan­ten Kai­ser­schnitt ein­ge­setzt wer­den, denn er stellt nach Mei­nung vie­ler Ge­burts­hel­fer heu­te für die Mut­ter kein grös­se­res Ri­si­ko dar als die va­gi­na­le Ent­bin­dung.

Ein wei­te­res Ar­gu­ment der Kri­ti­ker der Wunschs­ec­tio ist, dass die Schwan­ge­ren durch den glat­ten Bauch­schnitt oft das Ge­fühl ha­ben, als Mut­ter be­reits das ers­te Mal ver­sagt zu ha­ben und manch­mal Jah­re brau­chen, bis sie die psy­cho­lo­gi­schen Pro­ble­me über­wun­den ha­ben.

...und für das Kind


Vie­le Stu­di­en deu­ten dar­auf hin, dass der mo­der­ne, scho­nen­de Kai­ser­schnitt, so­fern er nicht vor Ab­schluss der 39. Wo­che und bei ei­ner rei­fen, bis­her un­kom­pli­ziert ver­lau­fe­nen Ein­lings­schwan­ger­schaft durch­ge­führt wird, bes­ser - oder zu­min­dest nicht schlech­ter - für das Neu­ge­bo­re­ne ist.

Al­ler­dings wei­sen epi­de­mio­lo­gi­schen Stu­di­en aus den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren auch dar­auf, dass eine Ge­burt per Kai­ser­schnitt ei­nen be­deut­sa­men Ein­fluss auf das wei­te­re Le­ben des Kin­des hat. Kin­der, wel­che mit ei­nem Kai­ser­schnitt ge­bo­ren wur­den, schei­nen un­ter ane­rem si­gni­fi­kant häu­fi­ger an Asth­ma, All­er­gi­en, Dia­be­tes mel­li­tus und Zölia­kie (Über­emp­find­lich­keit auf Wei­zen­be­stand­tei­le in der Nah­rung) zu er­kran­ken. War­um das so ist, ist je­doch noch nicht aus­rei­chend auf­ge­klärt.

Was Sie bei ei­nem Wunsch­kai­ser­schnitt be­den­ken soll­ten


Un­be­strit­ten ist die na­tür­li­che Ge­burt ohne Damm­schnitt, ohne Zan­ge oder Saug­glo­cke und ohne Kom­pli­ka­tio­nen die bes­te und ri­si­ko­ärms­te Ge­burt. Dies gilt auf je­den Fall für die Mut­ter und - wenn man die Lang­zeit­aus­wir­kun­gen auf die kind­li­che Ge­sund­heit in Be­tracht zieht - auch für das Kind.

Frau­en möch­ten aber in zu­neh­men­dem Mas­se von ih­rem Selbst­be­stim­mungs­recht Ge­brauch ma­chen und das gilt auch für die Wahl der Ge­burts­me­tho­de. Ge­burts­hel­fer müs­sen die­sen Wunsch re­spek­tie­ren. Den Fall, dass ein Ge­burts­hel­fer den Wunsch sei­ner schwan­ge­ren Pa­ti­en­tin nach ei­nem Kai­ser­schnitt ab­lehnt, gibt es sel­ten. Aber: Je schwä­cher der me­di­zi­ni­sche Grund für eine Schnitt­ent­bin­dung, des­to grös­ser die Auf­klä­rungs­pflicht. Nur mit um­fas­sen­der Auf­klä­rung der Schwan­ge­ren ist eine ei­gen­ver­ant­wort­li­che Ab­wä­gung mög­lich. Und die­se wie­der­um ist die Vor­aus­set­zung für eine wirk­sa­me Ein­wil­li­gung.

Von den Kos­ten her gibt es ei­nen gros­sen Un­ter­schied zwi­schen ei­ner na­tür­li­chen Ge­burt und ei­nem Kai­ser­schnitt. Min­des­tens 20% mehr, mit­un­ter das Dop­pel­te kos­tet eine Schnitt­ent­bin­dung. Die Kran­ken­kas­sen be­zah­len bei­des und fra­gen bei ei­nem Kai­ser­schnitt so­wie­so nicht nach, ob er me­di­zi­nisch not­wen­dig war oder nicht. Ein rei­ner "Wahl-Kai­ser­schnitt" könn­te letzt­end­lich oh­ne­hin nicht be­wie­sen wer­den.

FAQHäu­fi­ge Fra­gen zum The­ma

Die­se Fra­ge lässt sich nicht all­ge­mein­gül­tig be­ant­wor­ten. Es hängt haupt­säch­lich da­von ab, wie es dem Kind geht. Vor der 32. Schwan­ger­schafts­wo­che wer­den Kin­der mit ei­nem Ge­wicht un­ter 1500 g in der Re­gel per Kai­ser­schnitt ge­holt, weil es in die­sem Fall die scho­nen­de­re Art der Ge­burt ist. Die …
Ja, das ist grund­sätz­lich mög­lich. Sie ha­ben das Recht auf eine ei­ge­ne Ent­schei­dung und auch auf ei­nen „Wunsch-Kai­ser­schnitt“ (Wunsch-Sec­tio). Al­ler­dings hat auch der Arzt das Recht, ei­nen Kai­ser­schnitt zu ver­wei­gern, wenn er kei­ne of­fen­sicht­li­che me­di­zi­ni­sche Be­rech­ti­gung da­für sieht, denn …

Wis­sen


Letzte Aktualisierung: 18.06.2020, BH
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