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Kin­der von Müt­tern mit schlecht ein­ge­stell­tem Dia­be­tes

War­um eine ex­ak­te Blut­zu­cker­kon­trol­le in der Schwan­ger­schaft so wich­tig für die Ge­sund­heit Ih­res Ba­bys ist!

Untersuchung eines Neugeborenen
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iStock

Wenn eine Frau be­reits vor der Schwan­ger­schaft an ei­ner Stö­rung des Koh­len­hy­drat­stoff­wech­sels, also an ei­nem Dia­be­tes mel­li­tus, lei­det und ihr Blut­zu­cker­wert im ers­ten Drit­tel der Schwan­ger­schaft nicht op­ti­mal ein­ge­stellt ist, be­steht ein drei- bis vier­mal hö­he­res Ri­si­ko, dass das Kind nicht ge­sund zur Welt kommt.

An­ge­bo­re­ne Fehl­bil­dun­gen


Die Ge­fahr ei­ner fe­ta­len Schä­di­gung ist da­bei ganz ein­deu­tig von ei­ner op­ti­ma­len Ein­stel­lung des Blut­zu­cker­spie­gels der wer­den­den Mut­ter ab­hän­gig - je schlech­ter die Ein­stel­lung, umso ge­fähr­de­ter ist das Baby. Bei Ent­glei­sun­gen des Zu­cker­spie­gels tre­ten häu­fi­ger Neural­rohr­de­fek­te, zum Bei­spiel Spi­na bi­fi­da (of­fe­ner Rü­cken), Herz­feh­ler und an­de­re an­ge­bo­re­ne Ano­ma­li­en auf. Aus­ser­dem ha­ben schwan­ge­re Dia­be­ti­ke­rin­nen et­was häu­fi­ger frü­he Fehl­ge­bur­ten.

In­su­lin regt das Wachs­tum des Kin­des an


Ein zu ho­her In­su­lin­spie­gel der Mut­ter regt beim un­ge­bo­re­nen Kind die Aus­schüt­tung von Wachs­tums­hor­mo­nen an. Bei schlech­ter Stoff­wech­sel­ein­stel­lung ent­wi­ckelt sich häu­fig ein über­mäs­sig gros­ses und schwe­res Kind (Ma­kro­so­mie). Da alle Nähr­stof­fe, auch Koh­len­hy­dra­te über den Mut­ter­ku­chen und die Na­bel­schnur zum Un­ge­bo­re­nen ge­lan­gen, re­agiert es auf über­höh­te Blut­zu­cker­wer­te mit ei­ner Ak­ti­vie­rung der In­su­lin­pro­duk­ti­on und baut den Zu­cker als Vor­rat in Form von Fett in den klei­nen Kör­per ein.

Das Kind pro­du­ziert auch mehr Urin, das ver­grös­sert die Frucht­was­ser­men­ge und das Ri­si­ko für vor­zei­ti­ge We­hen und eine Früh­ge­burt nimmt zu.

Ins­ge­samt kann das zu Kom­pli­ka­tio­nen wie We­hen­schwä­che oder Ge­burts­ver­let­zun­gen bei ei­ner nor­ma­len va­gi­na­len Ge­burt füh­ren. Ein Damm­schnitt ist meist nicht zu ver­mei­den. Fach­leu­te emp­feh­len da­her bei ei­nem ge­schätz­ten Ge­wicht über 4500 g (bei zier­li­chen Müt­tern auch schon ab 4200 g), die­se Kin­der per Kai­ser­schnitt bzw. mit Hil­fe von Saug­glo­cke oder Zan­ge zu ho­len. So kann das Ri­si­ko ei­nes Sauer­stoff­man­gels un­ter der Ge­burt ver­rin­gert wer­den.

Gross - aber noch sehr un­reif


Hin­zu kommt, dass das Neu­ge­bo­re­ne trotz sei­ner er­staun­li­chen Grös­se in sei­nen Kör­per­funk­tio­nen noch sehr un­reif ist. So kann der Blut­zu­cker­spie­gel des Kin­des bei der Ge­burt plötz­lich ab­fal­len (Hy­po­gly­kä­mie oder Un­ter­zu­cke­rung) und Krampf­an­fäl­le aus­lö­sen. Soll­te es dazu kom­men, ist Stil­len des Kin­des gleich nach der Ge­burt sehr hilf­reich, weil dies den Blut­zu­cker­spie­gel sta­bi­li­siert. Das Herz des Neu­ge­bo­re­nen ist gross, aber zu we­nig leis­tungs­fä­hig. War die Durch­blu­tung im Mut­ter­ku­chen ge­stört, konn­te die Sauer­stoff­ver­sor­gung des Kin­des nur durch er­höh­te Men­gen an Blut­farb­stoff ge­währ­leis­tet wer­den. Die Bi­li­ru­bin-Wer­te sind dann bei der Ge­burt er­höht und füh­ren zu ei­ner be­son­ders mas­si­ven Form der Neu­ge­bo­re­nen-Gelb­sucht (Ik­te­rus). Die Kin­der von Dia­be­ti­ke­rin­nen kom­men auch häu­fi­ger als Früh­ge­burt auf die Welt, und dann be­steht mehr noch als bei an­de­ren Früh­ge­bo­re­nen die Ge­fahr, dass die Lun­gen bei der Ge­burt noch nicht rich­tig aus­ge­reift sind. Das Kind ei­ner Dia­be­ti­ke­rin soll­te des­halb un­be­dingt in ei­nem Spi­tal zur Welt kom­men, dem eine Neu­ge­bo­re­nen-In­ten­siv­sta­ti­on an­ge­schlos­sen ist.

Eng­ma­schi­ge Kon­troll­un­ter­su­chun­gen


Bei re­gel­mäs­si­gen Schwan­ger­schafts­vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen und ei­ner gu­ten Stoff­wech­sel­ein­stel­lung sind die­se Kom­pli­ka­tio­nen al­ler­dings eher un­wahr­schein­lich. Für zu­cker­kran­ke Frau­en mit Kin­der­wunsch ist es des­halb un­er­läss­lich, die be­vor­ste­hen­de Schwan­ger­schaft de­tail­liert mit ih­rem be­han­deln­den Frau­en­arzt, ih­rer be­han­deln­den Frau­en­ärz­tin zu be­spre­chen. Es soll­te si­cher­ge­stellt wer­den, dass wäh­rend und un­mit­tel­bar nach der Emp­fäng­nis (und na­tür­lich wäh­rend der ge­sam­ten Schwan­ger­schaft) eine op­ti­ma­le In­su­lin­ver­sor­gung ge­währ­leis­tet ist.

Wird Dia­be­tes mel­li­tus ver­erbt?


Die Wahr­schein­lich­keit, dass Ihr Kind eben­falls an ei­nem Dia­be­tes mel­li­tus lei­den wird, liegt bei etwa 1 %. Es steigt auf etwa 5 %, wenn bei­de El­tern­tei­le zu­cker­krank sind. Al­ler­dings lässt sich das Ri­si­ko ei­ner Dia­be­teser­kran­kung nicht mit ab­so­lu­ter Si­cher­heit ab­schät­zen, da dies ne­ben der ge­ne­ti­schen Ver­an­la­gung auch noch von ei­ner Viel­zahl an­de­rer Fak­to­ren ab­hängt.

Letzte Aktualisierung: 23.11.2022, BH

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