Anzeige
Strahlende Mutter mit Kind auf dem Arm
©
iStock

Cy­to­me­ga­lie - Ge­fahr für Schwan­ge­re


Eine Cy­to­me­ga­lie (auch Zy­to­me­ga­lie oder CMV-In­fek­ti­on) im Er­wach­se­nen­al­ter ist re­la­tiv häu­fig und ver­läuft meist un­auf­fäl­lig. Er­re­ger aus der Fa­mi­lie der Her­pes­vi­ren wer­den über Schmier-, Spei­chel- und Tröpf­chen­in­fek­ti­on, also über Urin, Trä­nen, Spei­chel, Blut, Mut­ter­milch, Sa­men- und Va­gi­nal­flüs­sig­keit über­tra­gen. Die In­ku­ba­ti­ons­zeit be­trägt 4 bis 12 Wo­chen.

Die Vi­ren über­dau­ern da­nach le­bens­lang im Kör­per. Man ist je­doch nicht le­bens­lang für an­de­re an­ste­ckend, son­dern nur in der Pha­se der aku­ten In­fek­ti­on bzw. wäh­rend ei­ner Re­ak­ti­vie­rung. Des­halb sind Kin­der in den ers­ten drei Le­bens­jah­ren die häu­figs­te An­ste­ckungs­quel­le.

Die Sym­pto­me ei­ner In­fek­ti­on


Die meis­ten Men­schen, die die Vi­ren in sich tra­gen, be­mer­ken nichts da­von. Die ein­zi­gen Sym­pto­me sind eine leicht er­höh­te Tem­pe­ra­tur und - sel­te­ner - ge­schwol­le­ne Lymph­kno­ten. Bei im­mun­ge­schwäch­ten Per­so­nen kann es je­doch sehr schwe­re Ver­läu­fe ge­ben.

Pro­ble­ma­tisch wird CMV, wenn sich Frau­en erst­mals kurz vor oder in der Schwan­ger­schaft in­fi­zie­ren. Die Zy­to­me­ga­lie ist die am häu­figs­ten über­tra­ge­ne vor­ge­burt­li­che Er­kran­kung - häu­fi­ger als Rö­teln oder To­xo­plas­mo­se! Oft be­mer­ken die wer­den­den Müt­ter nicht, dass sie sich an­ge­steckt ha­ben. Sie füh­len sich viel­leicht ein we­nig matt und er­schöpft – in der Schwan­ger­schaft nichts Un­ge­wöhn­li­ches. Bei über 80 Pro­zent der Schwan­ge­ren bleibt die In­fek­ti­on des­halb un­be­merkt. Für ihr Kind sind die Vi­ren, die über die Pla­zen­ta über­tra­gen wer­den, je­doch eine erns­te Be­dro­hung. Vie­le Frau­en er­lei­den eine Fehl­ge­burt. Geht die Schwan­ger­schaft wei­ter, kann eine schwe­re Em­bryo­pa­thie/Fe­topa­thie ent­ste­hen, die häu­fig töd­lich ver­läuft. Bei den le­bend ge­bo­re­nen Kin­dern kommt es oft zu dau­er­haf­ten Or­gan­schä­den.

Wo­her weiss ich, ob ich schon ein­mal eine In­fek­ti­on hat­te?


Fach­leu­te fin­den es sinn­voll, schon vor oder zu Be­ginn der Schwan­ger­schaft zu kon­trol­lie­ren, ob CMV-spe­zi­fi­sche IgG-An­ti­kör­per vor­lie­gen, d.h. eine Er­kran­kung schon statt­ge­fun­den hat. Dann ist man in der Schwan­ger­schaft vor ei­ner Pri­mär­in­fek­ti­on re­la­tiv si­cher. Für eine Re­infek­ti­on mit ei­nem an­de­ren Vi­russtamm oder eine Re­ak­ti­vie­rung (s.u.) bleibt al­ler­dings ein Rest­ri­si­ko. Falls die An­ti­kör­per-Un­ter­su­chung er­gibt, dass die Schwan­ge­re (oder die Frau mit Kin­der­wunsch) noch nie eine CMV-Er­kran­kung durch­ge­macht hat, wird si­cher­heits­hal­ber eine Kon­troll­un­ter­su­chung spä­ter in der Schwan­ger­schaft (20.-24. Wo­che) durch­ge­führt. Op­ti­mal wäre eine wie­der­hol­te Tes­tung alle sechs bis acht Wo­chen.

Erst­in­fek­ti­on - Zweit­in­fek­ti­on?


Un­ge­fähr die Hälf­te al­ler Schwan­ge­ren hat - meist ohne es zu mer­ken - schon ein­mal eine Zy­to­me­ga­lie durch­ge­macht und hat CMV-An­ti­kör­per. Dar­aus re­sul­tiert je­doch nur eine Im­mu­ni­tät ge­gen den­sel­ben Vi­russtamm. Das Vi­rus bleibt nach der Erst­in­fek­ti­on le­bens­lang in den Kör­per­zel­len und wird noch län­ge­re Zeit mit al­len Kör­per­se­kre­ten aus­ge­schie­den. Es kann sel­ten re­ak­ti­viert wer­den. Der wich­tigs­te Ri­si­ko­fak­tor ist da­bei ein en­ger Kon­takt zu Klein­kin­dern un­ter drei Jah­ren. So ha­ben Müt­ter von Klein­kin­dern in Krip­pen­be­treu­ung ein ca. 10-fach hö­he­res Ri­si­ko und Klein­kin­der­zie­he­rin­nen (Kin­der­krip­pen) ein ca. 4-fach er­höh­tes Ri­si­ko für eine Re­ak­ti­vie­rung.

Auch kann es zu ei­ner er­neu­ten In­fek­ti­on mit ei­nem an­de­ren, ge­no­ty­pisch un­ter­schied­li­chen CMV kom­men. Hier­bei wird aber das Ri­si­ko für eine In­fek­ti­on des wer­den­den Kin­des und vor al­lem für eine Schä­di­gung als sehr ge­ring an­ge­nom­men. Denn in nur 1% al­ler Fäl­le über­trägt sich der Er­re­ger bei ei­ner Zweit­in­fek­ti­on auf das noch un­ge­bo­re­ne Kind und nimmt in ei­nem win­zi­gen Bruch­teil ne­ga­ti­ven Ein­fluss auf sei­ne geis­ti­ge und kör­per­li­che Ent­wick­lung. Im Fall die­ser Re-In­fek­ti­on lässt sich bei der An­ti­kör­per-Un­ter­su­chung eine "Se­ro­kon­ver­si­on" fest­stel­len, d.h. es wird eine aku­te In­fek­ti­on (IgM-An­ti­kör­per) und nicht die län­ger zu­rück­lie­gen­de In­fek­ti­on (IgG-An­ti­kör­per) an­ge­zeigt.

Bit­te be­ach­ten Sie!

Die beste Prävention sind gute Hygienemassnahmen, insbesondere eine konsequente Händedesinfektion.

>> Mehr Tipps zur Vorbeugung

Wel­che Fol­gen hat die CMV-In­fek­ti­on für das un­ge­bo­re­ne Kind?


Grund­sätz­lich muss ge­sagt wer­den, dass bei ei­ner An­ste­ckung mit dem CM-Vi­rus nur ein ge­rin­ges Ri­si­ko für das Kind be­steht. Etwa 1% al­ler Neu­ge­bo­re­nen sind da­mit in­fi­ziert, da­von zei­gen die weit­aus meis­ten aber kei­ne Krank­heits­sym­pto­me. Nur eins von 4.000 Ba­bys (das sind in der Schweiz ca. 20 pro Jahr) kommt mit ei­ner schwe­ren Zy­to­me­ga­lie-In­fek­ti­on zur Welt.

Zu den Sym­pto­men ge­hö­ren ver­rin­ger­tes Ge­burts­ge­wicht, Trink­schwä­che, Ver­grös­se­rung von Le­ber und Milz, Gelb­sucht, An­ämie (Blut­ar­mut), Blind­heit, Taub­heit, ver­min­der­ten Kopf­um­fang (Mi­kro­ze­pha­lie), Ver­kal­kun­gen im Ge­hirn, Krampf­an­fäl­len und nach­fol­gen­der Ent­wick­lungs­ver­zö­ge­rung. Erns­te Fol­gen sind bei ei­ner An­ste­ckung des Un­ge­bo­re­nen im ers­ten Schwan­ger­schafts­drit­tel wahr­schein­li­cher als am Ende der Schwan­ger­schaft. Und: So schwer er­krankt ein Un­ge­bo­re­nes nur dann, wenn sei­ne Mut­ter in der Schwan­ger­schaft zum ers­ten Mal eine CMV-In­fek­ti­on durch­macht. Zweit­in­fek­tio­nen (s.o.), die auch sel­ten ein­mal vor­kom­men kön­nen, schei­nen dem Kind nicht zu scha­den.

Das Tü­cki­sche an der CMV-In­fek­ti­on ist, dass Kin­der, die sich im Mut­ter­leib an­ge­steckt ha­ben und zu­nächst ge­sund zur Welt kom­men, im Lau­fe der ers­ten Le­bens­jah­re Krank­heits­zei­chen wie zum Bei­spiel eine Hör­min­de­rung ent­wi­ckeln kön­nen. Eine gute Nach­sor­ge bei die­sen Kin­dern ist un­er­läss­lich, um mög­li­che Fol­gen der In­fek­ti­on früh­zei­tig fest­zu­stel­len und zu be­han­deln.

Die Über­tra­gung er­folgt nor­ma­ler­wei­se über die Pla­zen­ta, aber auch noch nach der Ge­burt über Mut­ter­milch und Spei­chel. Dann sind be­son­ders sehr klei­ne Früh­ge­bo­re­ne mit ei­nem Ge­burts­ge­wicht un­ter 1000 g ge­fähr­det.

Ist eine vor­ge­burt­li­che Dia­gno­se mög­lich?


Eine CMV-In­fek­ti­on kann in man­chen Fäl­len be­reits vor der Ge­burt durch Auf­fäl­lig­kei­ten im Ul­tra­schall­bild er­kenn­bar wer­den, zum Bei­spiel wenn das Baby zu klein ist, es Was­ser­an­samm­lun­gen im Kör­per hat oder ei­nen zu klei­nen Kopf mit evtl. Ver­kal­kun­gen im Ge­hirn. Auch zu­viel Frucht­was­ser (Po­ly­hy­dram­nie) kann ein Hin­weis­zei­chen sein. Wenn der Ver­dacht be­steht, dass Ihr Kind sich an­ge­steckt ha­ben könn­te, wer­den als zu­ver­läs­sigs­ter Hin­weis die CMV-An­ti­kör­per im müt­ter­li­chen und dann so­gar ggf. im fe­ta­len Blut nach­ge­wie­sen. Oder der Arzt weist die Vi­rus-DNA (d.h. das Erb­gut des Vi­rus) im Frucht­was­ser, in den Cho­ri­on­zot­ten oder im Na­bel­schnur­blut nach.

Wie wird die In­fek­ti­on be­han­delt?


Da es nicht mög­lich ist, Schwan­ge­re mit den her­kömm­li­chen Me­di­ka­men­ten, so­ge­nann­ten Vi­ro­sta­ti­ka, zu be­han­deln, wird wer­den­den Müt­tern mit Erst­in­fek­ti­on eine pas­si­ve Im­mu­ni­sie­rung mit Im­mun­glo­bu­li­nen (Hy­perim­mun­glo­bu­lin) emp­foh­len. Die Hy­perim­mun­glo­bu­li­ne wer­den aus dem Plas­ma von Blut­spen­dern ge­won­nen, das we­gen der wei­ten Ver­brei­tung der Vi­ren häu­fig An­ti­kör­per ge­gen CMV ent­hält. Da­bei fan­gen An­ti­kör­per die Cy­to­me­ga­lie-Vi­ren ab und ma­chen sie un­schäd­lich. Da Im­mun­glo­bu­li­ne durch die Pla­zen­ta wan­dern, kann gleich­zei­tig auch das un­ge­bo­re­ne Kind the­ra­piert wer­den. Eine neue Stu­die aus den USA (https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NE­J­Mo­a1913569) zieht den Nut­zen der teu­ren Prä­pa­ra­te je­doch in Zwei­fel.

kurz&bündigkurz&bündig
7/27/2016
Schwangere fasst sich an den Unterbauch und Hals

Zy­to­me­ga­lie­vi­rus-In­fek­ti­on

Wich­tigs­ter Ri­si­ko­fak­tor für das  müt­ter­li­che Ent­wi­ckeln spe­zi­fi­scher An­ti­kör­pern ist der enge Kon­takt mit …
Letzte Aktualisierung: 12.08.2020, BH
Anzeige
Anzeige