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Schwangerschaftskolumne Woche 9 Arbeitstitel

Wer bist du?


Ku­gel­bauch-Ko­lum­ne Wo­che 9


„Wie wol­len wir es denn ei­gent­lich nen­nen?“, ruft er mir ei­nes Mor­gens aus dem Ba­de­zim­mer zu.

„Ganz be­stimmt nicht ES!“, rufe ich bei­na­he so tro­cken zu­rück. „Es sei denn, du sprichst vom Haus­tier, das wir uns wohl oder übel in ein paar Jah­ren an­schaf­fen wer­den.“

Mit ei­nem „Nein, wirk­lich!“ möch­te er den Spass ger­ne bei Sei­te le­gen, doch dazu bin ich nicht in Stim­mung. Wir wer­den wohl kaum zwi­schen mei­nem But­ter­brot und sei­nem Af­ter­shave ei­nen pas­sen­den Na­men für un­ser Kind fin­den. Denn we­der „Lät­ta“ noch „Joop“ passt.

Und zu­dem, zu wem pas­send? 

Wir ken­nen „es“ ja noch gar nicht. Wir wis­sen noch gar nichts über die­sen klei­nen Men­schen, der da in mir wächst.

Ei­nen Na­men für ei­nen ab­so­lut un­be­kann­ten Men­schen zu su­chen, fin­de ich ein­fach nur krass. Man stel­le sich vor, dass un­ser Kind die­sen Na­men wohl sein Le­ben lang mehr­fach am Tag zu hö­ren be­kom­men wird.

Ich bin noch nicht be­reit dazu, die Na­mens­su­che ernst­haft zu er­öff­nen. 

Aber das „es“, muss weg.

Ein working-tit­le muss her. So ein Name halt, wie man „es“ eben die Schwan­ger­schaft hin­durch nennt. 

Bit­te ein­fach nicht „es“.

Und auch nicht „Schlumpf“ oder „Würm­li“.

Und bit­te nie­mals „das Un­ge­bo­re­ne“. 

Wir las­sen das The­ma also ein­fach im Raum zwi­schen Kü­che und Ba­de­zim­mer ste­hen und ich ma­che mich auf den Weg zur Ar­beit.

Am Nach­mit­tag bin ich noch bei mei­ner lie­ben Freun­din zum Kaf­fee­trin­ken ein­ge­la­den. Ge­ra­de, als ich mich wie­der auf den Heim­weg ma­chen möch­te, kommt auch der Mann mei­ner Freun­din dazu. Na­tür­lich hat er be­reits er­fah­ren, dass ich schwan­ger bin und er gra­tu­liert mir herz­lich dazu.

In sei­nem brei­ten Bern­deutsch meint er, dass er sich sehr freue, dass ich ei­nen Bra­ten im Ofen habe.

Und ge­ra­de als ich mich da­für ein­setz­ten möch­te, dass man eine Ge­bär­mut­ter nicht als “Ofen”be­zeich­nen sol­le, fällt mir der per­fek­te working-tit­le für un­ser „es“ ein.

Nein, kei­ne Angst, nicht „Bra­ten“. Ko­chen liegt mir nicht son­der­lich. 

Aber ba­cken. Das kann ich. Und zwar am liebs­ten Muf­fins.

Ja­wohl, so kann „es“ doch heis­sen, bis un­ser „Muf­fin“ dann ei­nen an­stän­di­gen Na­men be­kommt. 

Die Ko­lum­nis­tin

Schwangerschaftskolumne_Portrait_Giulietta

Giulietta Martin ist Hebamme, Mama von drei kleinen Kindern und lebt im Berner Oberland. Unter mama.kritzelei veröffentlicht sie auf Instagram regelmässig humorvolle Szenen aus dem Familienalltag.

Letzte Aktualisierung: 11.06.2021, GM
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