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Schwangerschaftskolumne Woche 33 Kugelbauch

Bauch­be­mer­kun­gen


Ku­gel­bauch-Ko­lum­ne Wo­che 33


Ku­gel­bäu­che sind et­was Wun­der­schö­nes. Ja, ge­ra­de in den zehn letz­ten Schwan­ger­schafts­wo­chen ist ein Bauch doch wie aus dem Bil­der­buch. Nicht zu gross, nicht zu klein, schön rund, vom Brust- bis zum Scham­bein.

Nur schei­nen eben ge­nau die­se Ku­gel­bäu­che eine selt­sa­me Wir­kung auf die Men­schen in ih­rer Um­ge­bung zu ha­ben. Ein Ku­gel­bauch scheint in man­chen Köp­fen ei­nen Schal­ter um­zu­le­gen, so dass die be­trof­fe­nen Per­so­nen dir plötz­lich über den Bauch strei­cheln. Völ­lig un­ge­fragt!

Ja na­tür­lich, der Bauch ist ja auch gar kein emp­find­li­cher, in­ti­mer Be­reich. Nein nein! Ich stre­cke den ja auch ex­tra weit her­aus, da­mit auch die frem­den Leu­te gut ran­kom­men.

Ein eben­so er­staun­li­ches Phä­no­men ist, dass Ku­gel­bäu­che nie­mals kom­men­tar­los be­trach­tet wer­den kön­nen. Egal wo, egal von wem - mein Ku­gel­bauch muss sich stän­dig Be­mer­kun­gen über sein Aus­se­hen an­hö­ren.

Die ei­nen fin­den ihn noch sehr klein. Die an­de­ren fin­den ihn ja rie­sig. Man­che se­hen mei­nem Bauch das Ge­schlecht un­se­res „Muf­fins“ aus ki­lo­me­ter­wei­ter Ent­fer­nung an und wie­der an­de­re mei­nen, den Ge­burts­ter­min an­hand der Höhe mei­nes Bau­ches er­ra­ten zu kön­nen.

Das ist al­les halb so schlimm und ich gebe auch of­fen zu, dass auch ich im­mer ger­ne mit schwan­ge­ren Frau­en über ih­ren Ku­gel­bauch quat­sche. Nur über­le­gen wir uns wohl sel­ten, dass solch harm­lo­se Bauch­be­mer­kun­gen auch Un­si­cher­heit oder gar Ängs­te aus­lö­sen kön­nen. Wir ken­nen die Ge­schich­te und die mo­men­ta­ne Ver­fas­sung die­ser Schwan­ge­ren vor uns oft nicht. Wir wis­sen nicht, wie sie sich in ih­rem Kör­per ge­ra­de fühlt und wir ken­nen ihre Sor­gen und Ängs­te nicht.

Un­ser „Muf­fin“ macht bis­her den An­schein, er wol­le ger­ne mit dem Hin­tern vor­aus auf die­se Welt kom­men. Sei­ne Mama wünscht sich sehn­lichst eine na­tür­li­che Ge­burt und weiss aber ge­nau, dass die Chan­cen da­für bei ei­nem leich­te­ren Baby durch­aus grös­ser sind, als bei ei­nem schwe­ren Baby. Die harm­lo­ses­te Be­mer­kung von we­gen: „Wow, dein Bauch ist ja rie­sig“ lässt in mir je­des Mal die Angst vor ei­nem Kai­ser­schnitt hoch­stei­gen. Man mag das dem über­emp­find­sa­men We­sen ei­ner Schwan­ge­ren zu­schrei­ben, trotz­dem ist es mei­ne Rea­li­tät.

„Oh ist der Bach schon tief un­ten, das kommt si­cher bald!“, be­schert ei­ner Schwan­ge­ren, wel­che be­reits eine Früh­ge­burt hat­te, viel­leicht schlaf­lo­se Näch­te.

Die Schwan­ge­re, wel­che in den letz­ten Jah­ren hart für ihre Traum­fi­gur ge­kämpft hat, hört in ei­nem: „Ah, so ein brei­ter, ku­gel­run­der Bauch, das gibt be­stimmt ein Mäd­chen“ nur „breit und rund“.

Kurz, wir schwan­ge­ren Frau­en ste­hen alle vor ei­nem le­bens­ver­än­dern­den Aben­teu­er und ha­ben da­bei kei­ne Ah­nung, was - ge­schwei­ge denn wer - uns da er­war­ten wird. Da ist es doch völ­lig nor­mal, dass wir Un­si­cher­heit und auch Angst ver­spü­ren. Da ist es doch auch völ­lig nor­mal, dass wir emp­find­sam sind.

Also ist viel­leicht ge­nau hier mit harm­lo­sen Bauch­be­mer­kun­gen Vor­sicht ge­bo­ten. Zu­min­dest ich möch­te mir in Zu­kunft un­be­dach­te Bauch­be­mer­kun­gen ver­knei­fen.

Ein „Al­les Gute für euch!“ reicht wohl auch.

Die Ko­lum­nis­tin

Schwangerschaftskolumne_Portrait_Giulietta

Giulietta Martin ist Hebamme, Mama von drei kleinen Kindern und lebt im Berner Oberland. Unter mama.kritzelei veröffentlicht sie auf Instagram regelmässig humorvolle Szenen aus dem Familienalltag.

Letzte Aktualisierung: 30.01.2020, GM
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