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Schwangerschaftskolumne Woche 21  Liebesbrief

Ein Mann der klei­nen Wor­te


Ku­gel­bauch-Ko­lum­ne Wo­che 21


Der wer­den­de Papa war nie ein Mann der gros­sen Wor­te. Sei­ne Lie­be bringt er durch gross­her­zi­ge Ta­ten zum Aus­druck, eher sel­ten in Lie­bes­er­klä­run­gen der ver­ba­len Art. Nach­dem er sich ges­tern für drei Tage auf Ge­schäfts­rei­se ver­ab­schie­det hat, fand ich abends ein klei­nes Fress­zet­tel­chen auf mei­nem Kopf­kis­sen. Bei­na­he hät­te ich es ohne Be­ach­tung vom Bett ge­pus­tet, als ich die schwar­ze Schrift durch das Pa­pier schim­mern sah.

„Dan­ke, dass du un­ser 'Muf­fin' in dir auf­ge­hen lässt. Du machst das gross­ar­tig. Und es duf­tet schon jetzt süs­ser als al­les, was ich je kos­ten durf­te.“ 

Und dann war das klei­ne Fress­zet­tel­chen hilf­los ei­ner Trä­nen­flut aus­ge­setzt. Es mag sein, dass mei­ne Hor­mo­ne mich ein we­nig rühr­se­li­ger re­agie­ren lies­sen, als dies zu er­war­ten wäre. Doch of­fen­sicht­lich scheint auch der wer­den­de Papa ganz schön im „Sof­tie-Mo­dus“ zu sein.

Die­se klei­nen Wor­te vol­ler Wert­schät­zung zwi­schen den Zei­len. Die An­er­ken­nung die­ser Meis­ter­leis­tung mei­nes Kör­pers. Sie hät­ten für mich nicht lie­be­vol­ler for­mu­liert sein kön­nen. Die­se klei­nen, gros­sen Wor­te des Pa­pas freu­en mich so sehr, dass ich sie lie­bend ger­ne wei­ter­lei­te.

Dem „Dan­ke­schön“ an mei­nen Kör­per schlies­se ich mich ger­ne an. Da wer­den ein­ein­halb Li­ter zu­sätz­li­ches Blut als Re­ser­ve pro­du­ziert, weil mein Kör­per sich bes­tens auf den Blut­ver­lust nach der Ge­burt vor­be­rei­ten will. Da wächst ein kom­plett neu­es zu­sätz­li­ches Or­gan na­mens Pla­zen­ta in mir. Es trans­por­tiert Nähr­stof­fe aus mei­nem in das Blut des Ba­bys, ohne dass sich un­se­re Blut­kreis­läu­fe be­rüh­ren. Es wächst ein kom­plett neu­er Mensch in mir. Mit al­lem Drum und Dran. Alle mei­ne Bauch­or­ga­ne quet­schen sich zu­sam­men, um der Ge­bär­mut­ter ei­nen Lo­gen­platz zu ge­wäh­ren. Die Kör­per­wär­me im Zen­trum er­höht, die Be­we­gungs­freu­de von Ge­bär­mut­ter und Darm ge­senkt. Hor­mo­ne per­fekt ab­ge­stimmt, selbst für den Papa blei­ben wel­che üb­rig. Jede Zel­le in mir gibt ihr Bes­tes da­für, dass es dem „Muf­fin“ gut geht. Da schlies­se ich mich dem Mann der klei­nen Wor­te ger­ne an und dan­ke mei­nem Kör­per für die­se Meis­ter­leis­tung.

Und dem Papa dan­ke ich für das lie­be Brief­lein. Nichts ist lie­ber ge­sche­hen.

Die Ko­lum­nis­tin

Schwangerschaftskolumne_Portrait_Giulietta

Giulietta Martin ist Hebamme, Mama von drei kleinen Kindern und lebt im Berner Oberland. Unter mama.kritzelei veröffentlicht sie auf Instagram regelmässig humorvolle Szenen aus dem Familienalltag.

Letzte Aktualisierung: 11.06.2021, swissmom-Redaktion
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