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Kind küsst Vater auf die Nase
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Papa ha­t's auch nicht im­mer leicht


Vä­ter, die Win­deln wech­seln, den Schop­pen ge­ben, ihr Baby in der Bauch­tra­ge bei sich ha­ben und ihr Bes­tes tun, um im Le­ben ih­rer Kin­der eine wich­ti­ge Rol­le zu spie­len - das al­les wird im­mer selbst­ver­ständ­li­cher. Und doch gibt es noch so man­chen Stol­per­stein, wenn Papa mit Kin­der­wa­gen und Wi­ckel­ta­sche die Welt er­obern will.

Wo wir schon von der Wi­ckel­ta­sche re­den, kön­nen wir ja auch gleich mit die­sem Miss­stand an­fan­gen: Die Si­tua­ti­on hat sich zwar ge­bes­sert, aber noch im­mer gibt es vie­le Orte, an de­nen die ein­zi­ge ver­füg­ba­re Wi­ckel­ge­le­gen­heit sich im Da­men­klo be­fin­det. Nun sind die mo­der­nen Vä­ter zwar meist selbst­be­wusst ge­nug, um sich das Recht her­aus­zu­neh­men, ihr Kind dort zu wi­ckeln, wo man eine Un­ter­la­ge zur Ver­fü­gung stellt. Ob aber die Da­men, die sich zu die­sem Zeit­punkt ge­ra­de dort auf­hal­ten, so to­le­rant sind, ei­nen Mann in den für sie re­ser­vier­ten Räum­lich­kei­ten zu dul­den, ist eine an­de­re Fra­ge. So man­cher Papa zieht sich des­halb um des lie­ben Frie­dens wil­len in ei­nen ent­le­ge­nen Win­kel zu­rück, wo er sei­nen Nach­wuchs un­ter miss­li­chen Um­stän­den und mit vie­len Ver­ren­kun­gen von der schmut­zi­gen Win­del be­freit. 

Män­ner­freie Zone


Als en­ga­gier­ter Papa soll­te man sich oh­ne­hin dar­an ge­wöh­nen, dass man von man­chen Frau­en als Ein­dring­ling in eine weib­lich do­mi­nier­te Sphä­re an­ge­se­hen wird. Es soll Müt­ter ge­ben, die den Spiel­platz un­ter der Wo­che noch im­mer als män­ner­freie Zone be­trach­ten, wes­halb Papa dann al­lei­ne auf dem Bänk­li sitzt, wäh­rend die Müt­ter sich mit­ein­an­der über die her­aus­ra­gen­den Ta­len­te von Lena-Luna und den Ma­gen­in­halt von Ma­xi­mi­li­an-Jas­per aus­tau­schen. 

Ein Le­ben am Ran­de der Spiel­platz­ge­sell­schaft ist na­tür­lich hart und dar­um ver­sucht der eine oder an­de­re jun­ge Va­ter, den Kon­takt zu an­de­ren El­tern zu in­ten­si­vie­ren und be­sucht zu die­sem Zweck den Muki-Treff, der als Zei­chen der Of­fen­heit ge­gen­über en­ga­gier­ten Vä­tern in Elki-Treff um­ge­tauft wor­den ist. Manch­mal geht das gut, man hört aber im­mer wie­der von Män­nern, die voll­kom­men ver­stört aus der Kaf­fee­run­de ge­flüch­tet sind, weil sie nicht mehr län­ger in der Lage wa­ren, so zu tun, als wür­den sie sich bren­nend für den neus­ten Bas­tel­trend in­ter­es­sie­ren. (Es soll üb­ri­gens auch Müt­ter ge­ben, die so­was kaum aus­hal­ten, aber bei de­nen fällt es halt we­ni­ger auf, wenn sie nächs­te Wo­che nicht mehr da­bei sind.)

Das Image ist im Kel­ler


Ein wei­te­res Pro­blem, mit dem sich der en­ga­gier­te Va­ter her­um­schla­gen muss, ist die Sa­che mit dem schlech­ten Image. Voll­zeit­haus­frau­en wer­fen ihm vor, er habe kei­ne Ah­nung, wie hart das Fa­mi­li­en­le­ben wirk­lich sei, denn der eine Papi-Tag pro Wo­che sei ja nichts wei­ter als eine Art Hob­by. Sei­ne Ar­beits­kol­le­gen ma­len sich aus, wie er an den Ta­gen, an de­nen er sich um die Fa­mi­lie küm­mert, mit ei­nem eis­ge­kühl­ten Drink in der Hand im Lie­ge­stuhl vor sich hin döst. Dar­um auch je­des Mal das viel­sa­gen­de "So gut wie du möch­te ich es auch ha­ben", wenn er sich am Don­ners­tag­abend ins Wo­chen­en­de ver­ab­schie­det. Er­scheint Papa am Mon­tag­mor­gen voll­kom­men ge­rä­dert wie­der an sei­nem Schreib­tisch, be­mer­ken die glei­chen Kol­le­gen: "War­um jam­merst du auch? Du hast doch Kin­der ge­wollt." Und dann ist da na­tür­lich noch der Chef, der sei­ne Zwei­fel hat, ob ein Mann wei­ter­hin sei­ne vol­le Leis­tung er­brin­gen kann, wenn er sich ge­le­gent­lich um Ba­by­kram küm­mert, aber dar­auf kom­men wir spä­ter noch ein­mal zu­rück.

Selbst ist der Mann - oder etwa nicht?


Im öf­fent­li­chen Raum sieht es nicht viel bes­ser aus. Kei­nem käme es in den Sinn, ei­nem Va­ter Hil­fe an­zu­bie­ten, wenn er ver­sucht, mit Dop­pel­kin­der­wa­gen, drei vol­len Ein­kaufs­ta­schen und den zwei Luft­bal­lons, wel­che die Kin­der in die Hand ge­drückt be­kom­men ha­ben, in den Bus ein­zu­stei­gen. "Selbst ist der Mann", heisst es doch so schön, also wird er das schon ir­gend­wie al­lei­ne hin­krie­gen. An Ta­ten mag es den Zu­schau­ern man­geln, an Wor­ten hin­ge­gen nicht. Läuft mal eine Si­tua­ti­on aus dem Ru­der, pras­seln die gut ge­mein­ten Rat­schlä­ge von al­len Sei­ten auf Papa ein. Die Zwei­fel, ob ein Mann wirk­lich in der Lage ist, sich um klei­ne Kin­der zu küm­mern, sind halt noch nicht ganz vom Tisch. 

Es bringt al­ler­dings auch Vor­tei­le mit sich, wenn das Um­feld sich nicht si­cher ist, ob ein Mann in der Lage ist, das Kind zu schau­keln. Man­che Vä­ter müs­sen sich nie um Mahl­zei­ten küm­mern, wenn die Mut­ter aus­ser Hau­se ist. Im gan­zen Land steht täg­lich ein gan­zes Heer von Müt­tern, Schwie­ger­müt­tern, Tan­ten und Nach­ba­rin­nen am Herd, um zu ver­hin­dern, dass die ar­men Vä­ter am Papi-Tag ver­hun­gern müs­sen. Das ist na­tür­lich aus­ge­spro­chen nett und ent­las­tend, es hat aber auch et­was Her­ab­las­sen­des an sich. Als ob man ei­nem Mann nicht zu­trau­en könn­te, eine an­stän­di­ge Mahl­zeit auf den Tisch zu brin­gen. Zu­dem soll es lei­der auch heut­zu­ta­ge noch ver­ein­zelt Män­ner ge­ben, für die Ra­vio­li frisch aus der Dose das Höchs­te der Ge­füh­le sind und wann, um Him­mels wil­len, sol­len die ar­men Ker­le das Zeug ih­rem Nach­wuchs ser­vie­ren, wenn nicht an dem Tag, an dem sie al­lei­ne für Kind und Haus­halt zu­stän­dig sind?

Der Kampf um den Papi-Tag


"Sol­che Sor­gen möch­te ich ha­ben", mag jetzt der eine oder an­de­re Va­ter mit ei­nem tie­fen Seuf­zer sa­gen, denn er hat ge­ra­de wie­der ei­nen ge­schei­ter­ten Ver­such hin­ter sich, end­lich doch noch so et­was wie ei­nen Papi-Tag zu be­kom­men. Lei­der ist sein Vor­ge­setz­ter schon in Ohn­macht ge­fal­len, als er nur schon vor­sich­tig an­ge­tönt hat, er könn­te viel­leicht ei­nen Nach­mit­tag pro Wo­che von zu Hau­se aus ar­bei­ten. Na ja, zu­min­dest weiss der ent­täusch­te Va­ter sich in gu­ter Ge­sell­schaft, denn in sei­nem er­wei­ter­ten Freun­des­kreis kann man die Män­ner, die ihr Pen­sum ohne nam­haf­ten Wi­der­stand aus der Chef­eta­ge re­du­zie­ren konn­ten, an ei­ner Hand ab­zäh­len. So­gar sein bes­ter Freund, ein Pri­mar­leh­rer, hat­te Dis­kus­sio­nen mit der Schul­lei­tung, als er sich ent­schied, sei­ne Stel­le mit ei­ner Kol­le­gin zu tei­len, die nach ih­rem Mut­ter­schafts­ur­laub nicht mehr Voll­zeit ar­bei­ten woll­te. 

Ar­mer, klei­ner Va­ter­schafts­ur­laub


Ja, und jetzt, wo das Wort Mut­ter­schafts­ur­laub ge­fal­len ist, kön­nen wir uns zum Schluss noch vor­sich­tig sei­nem Pen­dant, dem Va­ter­schafts­ur­laub, an­nä­hern. Aber wirk­lich nur ganz vor­sich­tig, denn der arme Winz­ling ist furcht­bar ein­ge­schüch­tert, weil er so ver­schwin­dend klein ist und sei­nem hoch­tra­ben­den Na­men in kei­ner Wei­se ge­recht wer­den kann. Die ers­ten zag­haf­ten Ver­su­che, ihm zu et­was mehr Grös­se zu ver­hel­fen, sind in ei­nem Chor von "Das hat­ten wir zu un­se­rer Zeit auch nicht und es ist trotz­dem gut ge­kom­men" un­ter­ge­gan­gen, aber da­durch soll­ten Vä­ter sich nicht ent­mu­ti­gen las­sen. Bei den Müt­tern klang es sei­ner­zeit auch nicht an­ders und ir­gend­wie hat man es in­zwi­schen doch hin­ge­kriegt. 

Letzte Aktualisierung: 25.11.2019, TV

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