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Weinendes Kind mit Schwester
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Mob­bing un­ter Ge­schwis­tern


Dass Brü­der und Schwes­tern sich strei­ten, ist ganz nor­mal. El­tern tun in der Re­gel gut dar­an, sich in den Ge­schwis­ter­streit nicht ein­zu­mi­schen. Doch wenn Ge­schwis­ter sich ge­zielt und wie­der­holt schi­ka­nie­ren, kann das ge­fähr­lich wer­den. Eine Stu­die, die in der US-ame­ri­ka­ni­schen Fach­zeit­schrift Pe­diatrics ver­öf­fent­licht wur­de, zeigt: Kin­der und Ju­gend­li­che im Al­ter bis zu 17 Jah­ren, die im ver­gan­ge­nen Jahr in ir­gend­ei­ner Form Ge­walt durch ihre Ge­schwis­ter er­fah­ren ha­ben, lei­den sehr.

Etwa 3500 Kin­der nah­men an der Stu­die teil. Ge­fragt wur­den sie - oder ihre Er­zie­hungs­be­rech­tig­ten - ob sie im ver­gan­ge­nen Jahr in min­des­tens ei­nem Fall kör­per­lich oder ver­bal von ih­ren Ge­schwis­tern an­ge­grif­fen wor­den sei­en, ob die­se ihr Ei­gen­tum be­schä­digt oder ih­nen schwe­re­re Ver­let­zun­gen zu­ge­fügt hat­ten. An­schlies­send soll­ten sie Aus­sa­gen zu Ge­füh­len wie De­pres­sio­nen, Angst oder Wut ma­chen.

"Die mög­li­che Aus­wir­kung von Über­grif­fen un­ter Ge­schwis­tern auf die psy­chi­sche Ge­sund­heit der Kin­der und Ju­gend­li­chen soll­te nicht un­ter­schätzt wer­den", so das Fa­zit der Stu­die. Gleich­zei­tig stellt die Stu­die ei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen An­grif­fen un­ter Ge­schwis­tern und Mob­bing un­ter Gleich­alt­ri­gen her, die bei­de zu ei­ner ähn­li­chen see­li­schen Be­las­tung füh­ren. Doch wäh­rend Mob­bing an Schu­len als Pro­blem an­er­kannt und be­kämpft wird, ha­ben Kin­der, die von ih­ren Ge­schwis­tern drang­sa­liert wer­den, kei­ne Lob­by. "Mob­bing un­ter Ge­schwis­tern wird als et­was Nor­ma­les und Un­schäd­li­ches ak­zep­tiert. Oft wird es von den Er­wach­se­nen ein­fach ab­ge­tan", sag­te Co­rin­na Jenkins Tu­cker, Au­torin der Stu­die. Die An­stren­gun­gen, Mob­bing un­ter Gleich­alt­ri­gen vor­zu­beu­gen und zu ver­hin­dern, so die For­de­rung der Stu­di­en­grup­pe, soll­ten aus dem schu­li­schen Be­reich auf das Fa­mi­li­en­le­ben aus­ge­wei­tet wer­den.

Dass Mob­bing in der Schu­le oft mit Mob­bing zu Hau­se ein­her­geht, zeig­te schon eine Un­ter­su­chung, die 2009 im Bri­tish Jour­nal of De­ve­lop­men­tal Psy­cho­lo­gy ver­öf­fent­licht wur­de und an der 195 Kin­der teil­nah­men. Das Er­geb­nis: Kin­der, die ihre Ge­schwis­ter schi­ka­nier­ten, mobb­ten mit grös­se­rer Wahr­schein­lich­keit auch Gleich­alt­ri­ge aus­ser­halb der Fa­mi­lie. Und wird ein Kind oft Op­fer von At­ta­cken, ge­schieht dies meist so­wohl im Klas­sen­zim­mer als auch in den ei­ge­nen vier Wän­den.

Aber wo liegt der Un­ter­schied zwi­schen harm­lo­ser Zan­ke­rei un­ter Ge­schwis­tern und Mob­bing? Nor­mal sei es nach Mei­nung der Fach­leu­te, wenn Ge­schwis­ter über das Fern­seh­pro­gramm strei­ten. Auf­hor­chen soll­ten El­tern aber, wenn das Ver­hal­ten ei­nes Kin­des ein­zig dar­auf ab­zielt, das an­de­re phy­sisch oder psy­chisch zu ver­let­zen - und wenn das wie­der­holt vor­kommt.

C.J. Tu­cker et al.: Pe­diatrics, pu­blished on­line June 17, 2013 (doi: 10.1542/peds.2012-3801

Letzte Aktualisierung: 18.02.2021, BH
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