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Kann ich we­gen mei­ner Früh­ge­burt den Mut­ter­schafts­ur­laub auf­schie­ben?

Nor­ma­ler­wei­se be­ginnt der An­spruch auf das Mut­ter­schafts­geld erst mit der Ge­burt des Kin­des. Wenn aber ein Neu­ge­bo­re­nes (z.B. ein Früh­ge­bo­re­nes) wäh­rend min­des­tens 3 Wo­chen im Spi­tal blei­ben muss, wür­de sich die Zeit, wäh­rend der sich die Mut­ter zu Hau­se um das Kind küm­mern könn­te, ver­kür­zen. Dies wäre na­tür­lich nicht im Sin­ne des Mut­ter­schafts­ur­lau­bes. Des­halb kann in die­sem Fall die Mut­ter ei­nen Auf­schub der Ent­schä­di­gung be­an­tra­gen (Art. 16c Abs. 2 EOG, Art. 24 EOV), muss aber in Kauf neh­men, dass ihr wäh­rend die­ser Zeit der Ver­dienst­aus­fall (Ein­kom­mens­lü­cke) in den meis­ten Fäl­len nicht er­setzt wird.

Ge­setz­lich ist es nicht ein­deu­tig ge­re­gelt, ob eine Frau nach ei­ner Früh­ge­burt und wäh­rend der Zeit des Spi­tal­auf­ent­hal­tes des Kin­des An­spruch auf Lohn hat. Der Lohn­aus­fall ist auf eine Ge­set­zes­lü­cke zu­rück­zu­füh­ren. Grund­sätz­lich löst die Ge­burt den Ar­beit­ge­ber von sei­ne Leis­tungs­pflicht ab und die Mut­ter­schafts­ver­si­che­rung trägt den Lohn­er­satz. Wird nun der Mut­ter­schafts­ur­laub auf­ge­scho­ben und so­mit auch die Mut­ter­schafts­ent­schä­di­gung, fällt die Ar­beit­neh­me­rin in eine Ein­kom­mens­lü­cke.

Nun hat aber ein wei­te­res Ur­teil (nach dem ers­ten Ur­teil in Kan­ton Genf) dies­mal in der Re­gi­on Bern-Mit­tel­land neue Hoff­nun­gen ge­weckt, dass die Lohn­fort­zah­lung bei Früh­ge­burt und dem da­mit ver­bun­de­nen Auf­schub des Mut­ter­schafts­ur­lau­bes ge­re­gelt wird. Das Ge­richt ar­gu­men­tiert, dass die Früh­ge­burt eine un­ver­schul­de­te Ar­beits­ver­hin­de­rung der Mut­ter nach Art. 324 a des Ob­li­ga­tio­nen­rechts be­deu­te und die Lohn­fort­zah­lungs­pflicht der Ar­beit­ge­be­rin "zu be­ja­hen" sei. Al­ler­dings gilt die­ses Ur­teil nicht für die gan­ze Schweiz.

Aber ge­mäss Aus­sa­ge des Ar­beits­rechts-Ex­per­te Ro­ger Ru­dolph sei der Ge­richts­ent­scheid  durch­aus weg­wei­send: "Der An­spruch auf Lohn für Müt­ter in die­ser Si­tua­ti­on ist mit die­sem Ur­teil klar un­ter­legt. Das Ur­teil ist sehr sorg­fäl­tig be­grün­det." Müt­ter von Früh­ge­bur­ten, wel­che in eine sol­che Lohn­lü­cke ge­ra­ten, sol­len ih­ren An­spruch beim Ar­beit­ge­ber mel­den. "Mit dem Ur­teil ha­ben Be­trof­fe­ne nun sehr viel bes­se­re Ar­gu­men­te, um zu ih­rem Recht zu kom­men", so Ru­dolph.

Das Bun­des­ge­richt hat 2016 über­dies ent­schie­den, dass eine Frau, wel­ches ein Früh­ge­bo­re­nes ge­bar und wel­ches mehr als 3 Wo­chen im Spi­tal war und sie we­gen Ar­beits­un­fä­hig­keit krank­ge­schrie­ben wur­de, Kran­ken­tag­gel­der er­hält. Der Ar­beit­ge­ber woll­te, dass sie un­be­zahlt Ur­laub nimmt. Das Bun­des­ge­richt hat ent­schie­den, dass die Frau vol­len Lohn­er­satz hat zwi­schen dem Auf­schub und dem Be­zug des Mut­ter­schafts­ur­lau­bes.

Der Bun­des­rat hat im Früh­jahr 2018 be­schlos­sen, eine Än­de­rung des Ge­set­zes über die Er­werbs­er­satz­ord­nung in die Ver­nehm­las­sung zu schi­cken. Da­mit soll ei­nem Par­la­ments­auf­trag ent­spre­chend eine Mut­ter län­ger An­spruch auf Mut­ter­schafts­ent­schä­di­gung ha­ben, wenn ihr Neu­ge­bo­re­nes mehr als drei Wo­chen nach der Ge­burt im Spi­tal blei­ben muss. 

Den Auf­schub muss die Mut­ter zu­sam­men mit der An­mel­dung für das Mut­ter­schafts­geld be­an­tra­gen und zu­sätz­lich ein ärzt­li­ches Zeug­nis bei­le­gen, in dem die Dau­er des Spi­tal­auf­ent­hal­tes des Kin­des be­stä­tigt wird. Wird der Mut­ter der Auf­schub be­wil­ligt, be­ginnt der be­zahl­te 14-wö­chi­ge Mut­ter­schafts­ur­laub dann erst an dem­je­ni­gen Tag, an wel­chem das Kind nach Hau­se kommt. Bei ei­ner Mehr­lings­ge­burt könn­te der Auf­schub auch ver­langt wer­den, wenn nur ei­nes der Kin­der im Spi­tal blei­ben muss.

Nicht er­laubt ist, die ent­stan­de­ne Ein­kom­mens­lü­cke durch Er­werbs­ar­beit zu über­brü­cken, denn in den ers­ten 8 Wo­chen nach der Nie­der­kunft gilt von Ge­set­zes we­gen ein Ar­beits­ver­bot. Hat die Mut­ter aber vor der Nie­der­kunft ein Tag­geld nach dem UVG, KVG oder IVG be­zo­gen, so wird die­ses Tag­geld bei ei­nem Auf­schub der Mut­ter­schafts­ent­schä­di­gung wei­ter aus­ge­rich­tet.

Letzte Aktualisierung: 13.11.2018, CF / NK

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