Alleine einschlafen
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Wie schafft man es, dass ein Kind alleine einschläft?

Nach dem ersten Lebensjahr ist meist nicht das Durchschlafen ein Problem, sondern das alleine Einschlafen. Nach dem Abendritual und ein wenig Kuscheln zum Entspannen wird das Kind ins Bett gelegt. Doch sobald sich Mutter oder Vater entfernen, kommt lauter Protest. Denn Ihr Kind weiss genau, dass Sie hinausgehen, wenn es eingeschlafen ist. Und weil es möchte, dass Sie bei ihm bleiben, wehrt es sich mit aller Kraft gegen das Einschlafen.

Nach einer Weile resignieren die meisten Eltern, lassen ihr Baby oder Kleinkind auf dem Arm einschlafen und legen es dann schlafend ins Kinderbett, in der Hoffnung, dass es beim Umbetten nicht aufwacht. Oder - bei älteren Kleinkindern - sie bleiben neben dem Bett sitzen und halten Körperkontakt. Im Extremfall (und wenn das Kinderbett gross genug ist) legen sich die Eltern zum Kind ins Bett oder nehmen es gleich ganz mit ins Elternbett (Familienbett).

Solange alle damit glücklich sind, kann man das so machen. Aber grundsätzlich sollte ein Kind schon irgendwann lernen, wie es alleine einschlafen kann - nach Expertenmeinung ist das frühestens ab dem fünften Lebensmonat möglich. Es sollte sich sicher genug in seiner Umgebung fühlen, auch wenn kein Körperkontakt zu einer vertrauten Person besteht. Und spätestens wenn die Eltern darunter leiden, dass die Einschlafprozedur so lange dauert und ein entspannter Abend zu zweit gar nicht mehr denkbar ist, sollten Sie versuchen, die Situation zu ändern.

Denn Kleinkinder, die in einem eigenen Raum ohne ihre Eltern einschlafen, schlafen mehr, wachen in der Nacht seltener auf, brauchen nicht lange, um in den Schlaf zu finden, und leiden insgesamt weniger unter Schlafproblemen. Das behaupteten zumindest Schlafforscher. "Vieles weist darauf hin, dass die Schlafprobleme dadurch entstehen, dass das Kind sich daran gewöhnt, nur in Anwesenheit eines Elternteils einschlafen zu können. Kinder, die nachts alleine in einem Zimmer sind, lernen besser, sich selbst zu beruhigen und einzuschlafen. Befinden sich Eltern mit im Raum, verlassen sich kleine Kinder meist darauf, dass Vater oder Mutter sie in den ‚Schlaf wiegen’ – sei es durch beruhigende Worte, Lieder, Gute-Nacht-Geschichten, Schaukeln oder andere Massnahmen", erklärt Dr. Monika Niehaus, Kinder- und Jugendärztin sowie Pressesprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Thüringen.

Ist das Kind am Abend nicht müde genug?

Während der Schlafbedarf bei einem Baby noch bis zu 16 Stunden pro Tag beträgt, braucht ein Kleinkind, z.B. ein Dreijähriges nur noch 10-12 Stunden. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind abends müde genug zum Einschlafen ist. Die beste Methode ist die Verkürzung oder das Auslassen des Mittagsschlafs. Alternativ kann man ein Kind auch morgens früher wecken oder die Einschlafzeit etwas in den Abend verschieben.

Ganz wichtig ist auch zu erkennen, wann ein Kind müde ist. Es wird dann unruhig, quengelig­, gähnt. Säuglinge kratzen sich häufig am Ohr oder reiben sich die Augen. Verpasst man den richtigen Zeitpunkt, kann es bis zu 1,5 Stunden dauern, bis wieder ein optimaler Einschlafzeitpunkt erreicht wird.

Sicherheit geben - auch wenn die Eltern nicht im Raum sind

Das Kind wird nach dem Abendritual wach ins Bett gelegt - und nicht auf dem Arm eingeschlafen. Andernfalls wacht es nach der ersten Schlafphase wieder auf und fordert den direkten Körperkontakt wieder ein.

Im Bett liegend wird dem Kind mit leisem Summen oder Singen und lockerem Körperkontakt (streicheln, Händchen halten) vermittelt, dass Mama oder Papa noch da sind. Das Kind bekommt die Sicherheit, die es braucht, um ruhig einschlafen zu können. Auch wiederholte Streichelbewegungen machen Babys schläfrig: Der Einschlaftrick mit dem Taschentuch.

Nach und nach wird der Sicherheitsradius erweitert, bis gar kein Körperkontakt mehr besteht. Der Elternteil sitzt ruhig neben dem Bett auf einem Stuhl. Jeden Abend wird der Stuhl ein Stückchen weiter in Richtung Tür geschoben.

Verzichten Sie dabei auf Tablets, Smartphones o.ä.. Diese Geräte senden blaues Licht aus, und das verzögert die Ausschüttung des müde machenden Melatonins.

Ein Kuscheltier gibt Trost

Mit einem Nuscheli (Schmusetuch) oder Kuscheltier kann ein Kind die Trennung von Mama und Papa besser ertragen. Es gibt Trost und auch eine Art Körperkontakt. Im Handel gibt es auch spezielle Einschlaftiere für die ersten Monate. Sie spielen den Herzschlag und die Geräusche aus dem Mutterleib naturgetreu vor oder aber ein beruhigendes Schlaflied. Besonders praktisch: Die Einschlaftiere sind mit einem Geräuschsensor ausgestattet und schalten sich automatisch für etwa fünf Minuten ein, wenn Ihr Baby unruhig wird und weint. 

Wenn Ihr Kind mit einem Nuggi schläft, legen Sie mehrere ins Bettchen, damit immer einer zur Stelle ist, wenn es ihn sucht.

Letzte Aktualisierung : 29-07-18, BH

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