Windpocken

Wie behandelt man ein Kind mit Windpocken?

Ein Arztbesuch ist bei Windpockenverdacht eigentlich nicht nötig. Sollten Sie aber aus irgendwelchen Gründen trotzdem ärztliche Hilfe brauchen, ist es wichtig, die Praxis bereits vorab über den Windpockenverdacht zu informieren. Das Kind wird dann in einem abgesonderten Bereich warten, damit es keine anderen kleinen Patienten ansteckt.

Ausser zur Fiebersenkung sind Medikamente zur Behandlung von Windpocken (wilde Blattern) selten notwendig. Nur wenn das Kind sehr unter Juckreiz leidet und bei sehr schwerem Verlauf mit Bläschen auch auf der Schleimhaut von Mund und Rachen und im Schambereich ist eine Gabe von juckreizstillendem Puder, Creme oder einer Lotion sinnvoll, die auf den Ausschlag aufgetragen werden. Die Verwendung von Salben (v.a. Zinksalben, evtl. mit Calendula-Zusatz) kann helfen, birgt jedoch auch das Risiko, da sie die erkrankte Haut relativ luftdicht abdecken und Folgeinfektionen durch Bakterien begünstigen. Auf Kampfer- und Mentholhaltige Stoffe sollte bei Säuglingen und Kleinindern verzichtet werden.

Noch besser wirkt eine spezielle Tinktur (z.B. Tanno Hermal® Schüttelmixtur) aus der Apotheke - lassen Sie sich von Ihrem Apotheker, Ihrer Apothekerin beraten. Auch ein Versuch mit Homöopathie kann helfen: Rhus doxicodendron D30 wird bei Juckreiz empfohlen. 

Tropfen, die den Juckreiz stillen, können vom Arzt verschrieben werden. Solch ein orales Antihistaminikum (Dimetindenmaleat z.B. Feniallerg® Tropfen) verhindert das Aufkratzen der Bläschen (Gefahr einer bakteriellen Infektion) und macht zudem etwas müde, sodass die Kinder besser schlafen. Bei sehr kleinen Kindern ist allerdings Vorsicht angebracht.

Auch Hausmittel lindern den Juckreiz für einige Stunden. Man kann die Bläschen mit normalem Haushaltsessig betupfen. Oder sie bereiten einen Holunderblüten-Aufguss zu: Übergiessen Sie 4 EL Holunderblüten mit 1 l kochendem Wasser. Lassen Sie den Aufguss kurz ziehen, seihen Sie ihn dann ab und lassen Sie ihn abkühlen. Mit einem sauberen Tuch oder Schwamm tupfen Sie vorsichtig die betroffenen Hautstellen mit dem Aufguss ab. Malventee (4 EL Blüten auf 1 l kochendes Wasser), Calendulatinktur (1 TL Tinktur auf 2,5 dl kaltes Wasser) oder Zitronenwasser (1 Spritzer auf 2 dl Wasser) können Sie ebenso äusserlich gegen den Juckreiz anwenden.

Kürzen Sie die Fingernägel Ihres Kindes und feilen Sie sie mit einer Nagelfeile schön rund, damit es die Bläschen nicht so leicht aufkratzen kann.  Bei kleineren Kindern kann man das Aufkratzen z. B. durch Baumwollhandschuhe verhindern.

Kommt es zu einer bakteriellen Infektion der aufgekratzten Bläschen, kann der Kinderarzt, die Kinderärztin auch ein Antibiotikum verschreiben. Die virenhemmenden Medikamente Aciclovir und Valaciclovir (z.B. Zovirax, Valtrex, Aviral, Acyclovir, Virucalm), die gerne bei Herpes eingesetzt werden, wirken auch gegen die Windpockenviren. Sie müssen so früh wie möglich beim Ausbruch der Erkrankung verabreicht werden, ansonsten sind sie wirkungslos. Sie können dann die Dauer und die Stärke der Beschwerden reduzieren. Weil der Windpockenverlauf jedoch meist harmlos ist, werden diese Virustatika meist nur bei Erwachsenen oder immungeschwächten Kindern verwendet.

Durch Wadenwickel oder Medikamente mit dem Wirkstoff Paracetamol können Sie das Fieber senken. Acetylsalicylsäure (Aspirin) und Ibuprofen sollten vermieden werden, da bei Kindern mit Varizellen das Risiko der Auslösung eines Reye-Syndroms besteht.

Windpocken-Kinder sollten weiche, leichte Kleidung tragen, die nicht zu eng am Körper anliegt, damit der Juckreiz nicht noch stärker wird. Die Wohnung sollte kühl sein. Im Sommer gehören die kleinen Patienten in den Schatten. An den Stellen des Hautausschlags können sonst bleibende Flecken entstehen. Es sollte ausserdem auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden.

Baden Sie Ihr Kind erst, wenn sich überall feste Krusten gebildet haben, sonst können sich die Bläschen leicht entzünden. Lieber nur mit dem Handschuh waschen oder kurz duschen. Das warme Wasser in der Badewanne verstärkt den Juckreiz und trocknet die strapazierte Haut noch zusätzlich aus. Allerdings kann ein kurzes Sitzbad im kühlen Wasser angenehm sein, wenn beim Baby der Windelbereich betroffen ist. Durch Zusatz von Gerbsäure (z.B. eine Tasse starker Schwarztee) oder Eichenrinde (2 EL in reichlich Wasser aufkochen und den abgesiebten Sud zum Badewasser geben) werden die Pusteln oft effektiv reduziert. Lindernd wirkt auch ein Vollbad mit Molke, Weizenkleie oder Kamille (Zutaten aus der Apotheke).


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Häufige Fragen

Unsere einjährige Tochter hat seit vier Tagen Windpocken, aber es geht ihr schon recht gut. Wann darf ich sie wieder in die Krippe geben?

Wann kann ein Windpockenkind wieder in den Kindergarten gehen?

Letzte Aktualisierung : 02.2018, BH

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