Absolut kein Alkohol!

Auch wenig Alkohol in der Schwangerschaft kann später zu Verhaltensauffälligkeiten bei den Kindern führen. Selbst auf ein Glas Bier oder Wein pro Woche sollten sie in den ersten Schwangerschaftswochen verzichten. Vor allem Mädchen sind offenbar gefährdet. Dieses Fazit ziehen Wissenschaftler um Dr. Kapil Sayal von der Universität Bristol aus einer Langzeitstudie mit über 9.000 jungen Müttern und ihren Kindern.

In ihrer Studie hatten die Forscher gezielt den Effekt von geringen Alkoholmengen untersucht. Sie fragten fast alle schwangeren Frauen in der Region Avon im Südwesten Englands in den Jahren 1991 und 1992 nach ihrem Alkoholkonsum im ersten Trimenon. Dazu beantworteten die Frauen in der 18. Schwangerschaftswoche einen Fragebogen. 44 % gaben an, in der Schwangerschaft gar keinen Alkohol zu trinken, 40 % tranken weniger als ein Glas (definiert als 8 g Alkohol) und 16 % mehr als ein Glas pro Woche. Ihre Kinder wurden vier, sieben und neun Jahre nach der Geburt mit einem speziellen Fragebogen auf Verhaltensauffälligkeiten geprüft.

Die Wissenschaftler sind selbst von dem Ergebnis überrascht: Sie hatten nicht damit gerechnet, dass auch geringste Alkoholmengen den werdenden Kindern schaden könnten. Im Alter von vier Jahren hatten nämlich 3,9 % der Mädchen von komplett abstinenten Frauen emotionale Störungen, Hyperaktivität oder andere Verhaltensprobleme. 5,3 % der Mädchen waren es von Frauen mit weniger als einem und knapp 5 % von Frauen mit über einem Glas Alkohol pro Woche. Daraus berechneten die Forscher, dass von Frauen mit weniger als einem Glas Alkohol pro Woche ein Drittel mehr Mädchen verhaltensauffällig sind als von komplett abstinenten Frauen.

Bei Knaben fällt der Effekt von geringen Alkoholmengen offenbar nicht so stark ins Gewicht. Sie sind generell verhaltensauffälliger als Mädchen. Die Rate bei abstinenten Müttern lag mit 7,8 % ähnlich hoch wie bei Müttern mit weniger als einem Glas Alkohol pro Woche (7,6 %) und war erst bei Müttern mit über einem Glas pro Woche deutlich erhöht (10,3 %).

Neun Jahre nach der Geburt liess sich bei Knaben zudem kein Einfluss des Alkohols mehr nachweisen: Verhaltensauffälligkeiten waren mit 11 bis 12 % in allen Gruppen recht häufig. Bei Mädchen von abstinenten Müttern war die Rate dagegen noch immer deutlich niedriger (2,1 %) als bei Müttern mit weniger als einem Glas pro Woche (3,3 %).

Quelle: Sayal, K. et al.: Br J Hosp Med, 2007, 68, S. 352-5

Stand: 09/07, BH