Frau liegt auf dem Sofa und putzt sich die Nase

Schweinegrippe und schwanger?

Für eine vorgeburtliche kindliche Schädigung durch den Grippevirus (egal ob saisonale Grippe oder Schweinegrippe) gibt es bisher keinen Anhalt - allerdings ist das eine vorsichtige Aussage, denn es gibt noch zuwenige erkrankte Schwangere, die danach entbunden haben, um statistische Aussagen zu machen. Fachleute schliessen eine mögliche Gefährdung des Ungeborenen nicht aus, wenn eine Frau im ersten Drittel der Schwangerschaft erkrankt. Allerdings ist diese dann höchstwahrscheinlich nicht durch die Übertragung des Virus (wie z.B. bei Röteln) bedingt, sondern durch das hohe Fieber, das zu den ersten und wichtigsten Symptomen jeder Grippe gehört.

Dennoch ist die Schweinegrippe für Schwangere besonders gefährlich: Sie erkranken schwerer und haben eine mehrfach erhöhte Komplikationsrate, was sich auch darin zeigt, dass unter den Todesopfern weltweit überproportional viele Schwangere waren.

Wenn eine schwangere Frau Grippe-Symptome (d.h. Fieber über 38 °C und Beschwerden einer Atemwegsinfektion, s.o.) aufweist, sollte sie schnellstmöglich einen Arzt oder eine Ärztin anrufen, die das weitere Vorgehen mit ihr besprechen. Sie sollte sich keinesfalls ohne Voranmeldung in die Praxis oder in die Notfallstation des Spitals begeben, da sonst die Gefahr besteht, dass sie im Wartezimmer andere Personen infiziert. Mit Hilfe eines Schnelltests (Rachenabstrich) kann innerhalb von 12 Stunden eine Diagnose gestellt werden.

Falls es sich um eine Grippe bzw. Schweinegrippe (= Influenza) und nicht nur um eine harmlose Erkältung handelt, sollte die Behandlung so früh wie möglich, innerhalb von 36 bis maximal 48 Stunden, begonnen werden. Antivirale Medikamente, v.a. Tamiflu® oder Relenza®, sind dabei eine wichtige Massnahme, die über vier bis fünf Tage durchgeführt wird. Die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen.

Zurzeit ist wenig bekannt, ob der Wirkstoff von Tamiflu® auf den Embryo oder den Fetus einen negativen Einfluss haben kann. In Anbetracht der möglichen schwerwiegenden Komplikationen einer solchen Infektion in der Schwangerschaft sind jedoch die potentiellen Risiken der Tamiflu®-Therapie im 2. und 3. Trimester als deutlich kleiner zu erachten als die Risiken einer Infektion durch diese Grippe. Aus diesem Grunde wird eine Therapie in den letzten sechs Monaten der Schwangerschaft klar empfohlen. Nicht ganz so eindeutig ist die Empfehlung für die ersten 12 Schwangerschaftswochen: Obwohl die wenigen vorhandenen publizierten Daten über Tamiflu® bei Schwangeren darauf hindeuten, dass im 1. Trimester kein Teratogenitätsrisiko (Gefahr einer Schädigung des ungeborenen Kindes) besteht, sollte es in der Frühschwangerschaft nur unter vorsichtiger Abwägung von Nutzen und Risiko verordnet werden.

Stand: 10/09, BH

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