Schwangerschaftskolumne Woche 19 Launisch
Kolumne | Schwangerschaft

Lächeln und nicken

Kugelbauch-Kolumne Woche 19

Das Hormon Progesteron trägt zur Erhaltung der Schwangerschaft bei. Es macht mich und meine Gebärmutter ruhig und entspannt, sodass unser „Muffin“ in aller Ruhe gedeihen kann. Es soll Haare, Haut und Nägel stärken. Ein herzliches Dankeschön also meinerseits. 

Liebes Progesteron, auf meine Stimmung dürftest du die Tage allerdings noch etwas einflussreicher sein. Ich bin nämlich gerade „Bitzeli schnäll bitzeli hässig“. Situationen, in denen ich unschwanger einfach gelächelt und die Fliege gemacht hätte, platzt mir im Moment fast der Kragen. Es sind all diese furchtbaren Prophezeiungen über den Weiterverlauf meiner Schwangerschaft, die Geburt und die Zeit mit Neugeborenem, die mich auf die Palme bringen. Das Mitleids-Lächeln all dieser Prophetinnen macht das Ganze nicht besser. 

„Früher oder später reisst es bei allen.“

„Oh, dein Bauch ist ja schon riesig. Freu dich auf die letzten Wochen.“

„Alle, die ich kenne, hatten einen Dammriss. Das geht wohl nicht ohne.“

Dann noch eine Portion Wochenbett-Angstmachereich obendrauf:

„Wenn du nach der Geburt meinst, du hättest das Schlimmste hinter dir, warte nur, bis du stillen musst. Das tut noch mehr weh.“

Oder auch: „Kaum sind sie draussen, wünschst du dir, sie wären wieder im Bauch. Da bekommen sie ohne zu schreien, was sie brauchen.“

Erstens: Es mag sein, dass ich Schwangerschaftsstreifen bekomme, es mag sein, dass die letzten Wochen meiner Schwangerschaft anstrengend werden und ja, bestimmt wird auch mich meine neue Rolle als Mama manchmal überfordern. Ich verstehe nur nicht, wie frau auf die Idee kommt, einer glücklichen schwangeren Frau solche Szenarien ins Gesicht zu schmettern.

Also wirklich!

Sagt man jemandem, der über beide Ohren frisch verliebt ist, dass die Hälfte aller Ehen geschieden werden? Oder jemandem, der sich auf seine Auszeit in den Ferien freut, dass er spätestens einen Monat danach wieder im selben Alltagstrott gefangen sein wird, in dem er es bisher war? Noch wenn all die schlechten Vorhersagen eintreffen würden, so lasst mir doch meine jetzige Freude über meine Schwangerschaft. Lasst mich doch einfach davon träumen, dass die Geburt unseres „Muffins“ ein unfassbar tolles Abenteuer wird. Und lasst mir doch bitte meinen Glauben an den Zauber der Wochenbettzeit. 

Und zweitens: Bullshit!

Ich kenne ganz viele Mamas, deren Bindegewebe wie auch deren Damm intakt geblieben sind. Ich kenne Frauen, die ihre Schwangerschaft bis zum letzten Tag geniessen konnten. Und solche, die stillen nicht als schmerzhaft und das Weinen ihre Babys nicht als fordernd empfunden haben.

Also spart euch diese generalisierten Aussagen doch bitte für jemanden auf, der danach gefragt hat. 

So, und beim nächsten Mal lächle und nicke ich wieder, versprochen. 

Die Kolumnistin

Die Kolumnistin

Giulietta Martin ist Hebamme, Mama von drei kleinen Kindern und lebt im Berner Oberland. Unter mama.kritzelei veröffentlicht sie auf Instagram regelmässig humorvolle Szenen aus dem Familienalltag.

Letzte Aktualisierung : 29-01-20, GM

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