Schwangerschaftskolumne Woche 17 Papa

Der arme Mann

Kugelbauch-Kolumne Woche 17

Zwar noch etwas frühschwanger aber halt eben mit einer Extraportion Enthusiasmus, gehen der Papa und ich nun also zum Informationsabend der Geburtenstation. Sechs Beleghebammen stellen sich und ihr Angebot vor. Sechs bewundernswerte Frauen, welche uns anbieten, die nächsten Monate rund um die Uhr für uns da zu sein. In der Schwangerschaft, während der Geburt hier im Spital und auch in den ersten Wochen als junge Familie. 

Und wir sitzen vor diesen sechs Hebammen auf unseren Stühlen und dürfen uns eine von ihnen aussuchen.

Ich fühle mich wieder wie das kleine Mädchen in der Badi, welches sich von der bunten Glacekarte eines aussuchen darf. Nein, ich halte mir diesmal nicht vor lauter Überforderung die Augen zu und lasse den Finger durch die Luft kreisen. Diesmal weiss ich schon nach wenigen Minuten, wie meine Wahl ausfallen wird.

Doch dann gehts auf zur Besichtigung der Gebärzimmer. Für mich nichts Neues. In meiner Ausbildung zur Hebamme habe ich in verschiedenen Gebärsälen gearbeitet. Der werdende Papa hingegen findet die Besichtigung äusserst aufregend.

Als der Informationsanlass vorbei ist und wir beide wieder im Auto sitzen, nimmt der Papa ganz rührselig meine Hand und meint: „Ich bin so erleichtert.“

Glücklich schaue ich ihn an. „Ich auch. Sie ist so sympathisch und passt einfach perfekt zu uns, gell?“.

Seine Augenbrauen schnellen himmelwärts: „Ach so, ja die Hebamme ist ganz nett. Ich bin aber nicht deswegen erleichtert. Ich bin so froh, dass der Gebärsaal so schön eingerichtet ist.“

Jetzt bin ich verwirrt. Mein lieber Mann hat sich noch kaum einmal für die Einrichtung eines Raumes interessiert. Nicht einmal für die unseres Wohnzimmers.

„Weisst du, nach all deinen Erzählungen über Geburten stellte ich mir eine Art Operationssaal vor. Ganz kalt und steril und voller medizinischer Maschinen mit Skalpellen und so. Ein wenig wie in einem gruseligen Film. Aber dieses Gebärzimmer sieht ja ganz gemütlich aus. So hell und freundlich. Mit dieser Badewanne und dem Sofa. Fast schon einladend.“

In diesem Moment wird es mir bewusst: Der werdende Papa hat eine ganz furchtbare Vorstellung von einer Geburt. Und das, obwohl ich ihm doch immer von diesem Wunder vorschwärme.

Oder? Etwa nicht? Falsch gedacht. Oder einfach gar nicht gedacht.

Nach meinen Arbeitstagen im Gebärsaal hatte ich meinem armen Mann natürlich immer ausführlich erzählt, wenn eine Geburt nicht ganz so planmässig verlaufen war. Nach all den vielen gesunden, schönen Geburten hatte ich es hingegen bei einem „War alles tiptop“ belassen.

Und was habe ich nun davon? Jetzt werden wir wohl doch einen Geburtsvorbereitungskurs für Paare besuchen müssen. Denn jemand von uns braucht offenbar noch etwas Vertrauen in die Kraft des weiblichen Körpers zu fassen.

Die Kolumnistin

Die Kolumnistin

Giulietta Martin ist Hebamme, Mama von drei kleinen Kindern und lebt im Berner Oberland. Unter mama.kritzelei veröffentlicht sie auf Instagram regelmässig humorvolle Szenen aus dem Familienalltag.

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