Wehen

Wie lange dauert eine Geburt?

Die Antwort auf diese wichtige Frage ist leider nicht das, was Schwangere gerne hören wollen: Die Geburtsdauer ist nämlich von Frau zu Frau und sogar bei derselben Frau von Geburt zu Geburt verschieden! Im Extremfall erstreckt sich die Wehentätigkeit über 24 Stunden oder sogar noch länger, wohingegen manche Mütter ihr Kind schon nach zwei Stunden zur Welt bringen. Beides entspricht jedoch nicht der Norm.

Die Geburtslänge hängt von mehreren Faktoren ab. Der Wichtigste ist, ob es Ihr erstes Kind ist oder Sie schon vorher Kinder zur Welt gebracht haben. Bei einer Erstgebärenden kann man sagen, dass sich die Geburt durchschnittlich über 12 bis 14 Stunden hinzieht, während die nächsten Geburten mit durchschnittlich ca. 7 Stunden bedeutend kürzer sind. Wenn Ihre erste Geburt rasch abgelaufen ist, haben Sie gute Chancen, dass es auch beim zweiten Kind schnell gehen wird.

Hebammen und Geburtshelfer sind gewohnt, den Geburtsverlauf nach einem standardisierten Schema zu dokumentieren (Partogramm). So lässt sich recht gut erfassen, ob die Geburt zügig voranschreitet oder ob es zu einer Verlangsamung aufgrund von Wehenschwäche oder sogar zu einem Geburtsstillstand kommt und weitere Massnahmen sinnvoll sind. Bei einer normalen Geburt und guter Wehentätigkeit öffnet sich der Muttermund durchschnittlich um einen Zentimeter pro Stunde. Das heisst, vom Beginn der Eröffnung des Muttermundes bis zur vollständigen Aufweitung auf zehn Zentimeter sowie das Tiefertreten des kindlichen Köpfchens (bzw. des Steisses bei einer Beckenendlage) dauert es etwa zehn Stunden. Theoretisch... In der Praxis verläuft kaum eine Geburt stetig im selben Tempo mit kontinuierlicher Muttermundsöffnung, trotzdem in der Regel aber komplikationsfrei. 

Was kann den Geburtsverlauf verlangsamen? Grundsätzlich alles, was die Schwangere sich nicht sicher und geborgen fühlen lässt, bremst die Ausschüttung des Wehenhormons Oxytocin; das können Hektik zu Hause, eine anstrengende Autofahrt ins Spital, eine unfreundliche Aufnahme und sogar unbekannte Gesichter sein. Nicht selten hören seit Stunden effektive und kräftige Wehen im Spital plötzlich auf. Der Geburtsfortschritt ist also recht störanfällig und braucht vor allem eines: Geduld! Eine normale Geburt darf auch, vor allem in der frühen Eröffnungsphase, Pausen mit Stillstand haben, damit die Schwangere kurz Kraft tanken kann, ohne die eine lange Wehenfolge nicht auszuhalten ist.

Das würde man deshalb auch noch nicht als "verzögerten" (protrahierten) Geburtsverlauf oder sogar Geburtsstillstand bezeichnen. Ein Wehentropf oder eine operative Geburtsbeendigung (durch Saugglocke, Zange oder Kaiserschnitt) wird die Hebamme bzw. der Geburtshelfer erst dann in Erwägung ziehen, wenn die Schwangere sehr erschöpft oder das Kind in Gefahr ist.

Lassen Sie sich auch von Erzählungen anderer Frauen nicht erschrecken: Zeitangaben sagen nichts darüber aus, wie leicht oder schwer eine Geburt war. So können Entbindungen, die nur zwei oder drei Stunden dauern und die Gebärende regelrecht überrollen, viel unangenehmer sein als solche, die zwar länger dauern, aber dafür genügend Erholungspausen zwischen den Wehen bieten.

Manche Frauen haben Stunden, oder sogar Tage vor der eigentlichen Geburt bereits gut spürbare Vorwehen, die sie oft auch nicht mehr richtig schlafen lassen. Bei den Erzählungen von extrem langen Geburten wird möglicherweise auch diese Zeit der Vorwehen, die sogenannte Latenzphase, zur Geburt gezählt. Eine lange Latenzphase, in der trotz spürbarer Wehen die Geburt nicht richtig beginnt und sich der Muttermund nicht öffnet, kann sehr ermüdend und auch frustrierend sein. Wenn Sie zu den Frauen gehören, die einen solchen Auftakt zur Geburt erleben, lassen Sie sich von Ihrer Hebamme und Ihrer Ärztin/ Ihrem Arzt beraten. Je nach Situation werden diese Ihnen Tipps und Hilfsmittel geben, wie Sie sich trotzdem noch erholen oder den Geburtsbeginn beschleunigen können.

Die Pressphase ist eine Phase, die viele Frauen trotz der stärkeren Schmerzen als Erleichterung empfinden, denn jetzt kann aktiv mitgearbeitet werden und es kann zügig vorangehen.

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Letzte Aktualisierung: 01.2018, BH / swissmom-Hebammenteam