So schützen Sie Ihr Baby vor Unfällen

Babys vor Unfällen schützen

Treppenschutzgitter, Kindersicherungen an den Fenstern, rutschfeste Teppiche - daran denkt man gewöhnlich, wenn es darum geht, die Wohnung kindersicher einzurichten. Doch schon bevor die Allerkleinsten mobil sind, lauern in den eigenen vier Wänden Unfallgefahren.

Gut zu wissen

Interview mit Dr. med. Jean-Pierre Kapp zum Thema Unfallgefahren für Babys


Gefahren im Babybett

Immer wieder kommt es vor, dass Babys unter schweren Decken oder Kopfkissen ersticken, weil sie sich nicht befreien können, wenn sie darunter gerutscht sind. Knapp ein Drittel aller tödlichen Erstickungsunfälle passiert in den ersten zwölf Monaten. Ihr Baby schläft sicherer in einem Schlafsack ohne zusätzliche Decke. Ein Kopfkissen braucht es noch nicht. Lose Schnüre, Bänder oder Schlaufen in oder am Bett des Kindes bergen die Gefahr, dass sich das Baby in ihnen verwickelt und sich im schlimmsten Falle damit stranguliert. Babys, die auf dem Rücken liegen, bewegen sich mehr während des Schlafs und geben über Kopf und Arme auch mehr überschüssige Wärme ab. Ist das Baby wach, darf es gern auf dem Bauch liegen. Als Schlafposition jedoch sollte die Bauchlage unbedingt so lange wie irgend möglich vermieden werden. Lesen Sie dazu auch: Der plötzliche Kindstod - Vorsichtsmassnahmen.

Sturzgefahr

Die meisten Eltern sind erstaunt darüber, wie früh sich kleine Babys durch Robben, Zappeln und bald auch Drehen von der Stelle bewegen können. Ein Sturz vom Wickeltisch, vom Elternbett, vom Sofa oder aus dem Kinderwagen ist schnell passiert. Lassen Sie Ihr Baby deshalb nie unbeaufsichtigt und nehmen Sie es auf dem Arm mit sich, wenn Sie z. B. ans Telefon oder an die Haustür müssen. Ist es trotz aller Vorsicht zu einem Sturz gekommen und Ihr Baby zeigt weder Verletzungen noch Auffälligkeiten, müssen Sie es in den kommenden Stunden sehr genau überwachen, denn die Symptome einer Gehirnerschütterung zeigen sich insbesondere bei Babys und Kleinkindern erst zeitverzögert. Bei Erbrechen, Benommenheit und Verwirrtheit muss der (Not-)Arzt aufgesucht werden.

Beim Baden

Vorsicht vor Gefässen mit heissen Flüssigkeiten! Wenn jemand sie versehentlich umstösst oder, wenn man das Baby auf dem Arm hat, es plötzlich zappelt und in Eimer, Topf oder Wanne hineinrutscht, kann es zu lebensgefährlichen Verbrühungen kommen. Grössere Babys verstellen manchmal die Mischbatterie und verbrühen sich mit dem heissen Wasser. Wichtig zu wissen: Nach Verbrennungs- und Verbrühungsunfällen sollte man sofort kaltes Leitungswasser mindestens 15 Minuten lang über die betroffenen Hautstellen laufen lassen. Im Artikel "Das Babybad - So geht's" können Sie nachlesen, wie Sie Ihr Baby sicher baden.

Kleine Gegenstände

Eine häufige Erstickungsursache sind kleine Gegenstände, wie Erdnüsse, Bonbons, harte Kekse, Münzen, Knöpfe oder auch Plastikteile, die sich vom Spielzeug gelöst haben. Beim Husten, Lachen oder Weinen können solche kleinen, harten Teile in die Atemwege gelangen und zur akuten Erstickungsgefahr führen. In einem solchen Fall ist beherztes Eingreifen nötig: Das Baby wird an den Beinen hochgehoben, so dass der Kopf nach unten hängt. Man schlägt dabei mit einer Hand auf den Rücken des Kindes. Oder man legt das Baby mit dem Gesicht nach unten über die Knie oder den Unterarm und klopft ihm dabei auf den Rücken.

Kleine Kinder stecken sich auch gerne Perlen, Kichererbsen und andere kleine Gegenstände ins Nasenloch oder ins Ohr. Nur wenn der Gegenstand so aus dem Nasenloch herausragt, dass Sie ihn problemlos fassen können, sollten Sie ihn selber entfernen, ansonsten ist ein Besuch beim (Not-) Arzt angezeigt.

Beim Essen

Vorsicht beim Erwärmen von Milch in der Mikrowelle: Die Temperatur des durch die Mikrowelle erwärmten Fläschchens kann gefährlich täuschen: Während sich die Flasche noch lauwarm anfühlt, kann die Milch im Inneren bereits eine Temperatur von 62 Grad erreicht haben. Die mögliche Folge ist eine schwere Verbrennungswunde am Gaumen. Die unter der Mikrowelle erwärmten Fläschchen sollten deshalb gut durchgemischt und auf ihre Temperatur geprüft werden, bevor das Baby sie bekommt.

Die gleiche Vorsicht wie bei kleinen Gegenständen ist auch am Esstisch geboten, denn kleine Apfel- und Karottenstücke, trockene Kekse und Brotrinde können in die Atemwege geraten. Eine weitere Gefahr ist der Sturz aus dem Hochstuhl. Auch hier gilt also, das Baby nicht unbeaufsichtigt zu lassen.

Laufen lernen

Sobald das Baby seine ersten Gehversuche unternimmt, wächst die Gefahr von Stürzen. Es kommt zu schmerzhaften Kopfverletzungen durch Stürze gegen Heizkörper, Türen oder Mauern. Es empfiehlt sich deshalb, die Heizkörper in Zimmern, in denen sich Kinder aufhalten, zu verkleiden. In Kinderhaushalten sollte man wenn möglich auf Glastüren verzichten oder diese absichern. Gefährliche Treppenstürze lassen sich mit Hilfe von verstellbaren Holz- oder Kunststoffgittern vermeiden. Besonders gefährlich sind Lauflerngeräte auf Rädern. Allein in Deutschland ereignen sich rund 6.000 Unfälle mit derartigen Apparaturen. Diese Geräte sind in Skandinavien und Kanada verboten, hierzulande aber leider weiterhin mit Prüfsiegeln ausgestattet im Handel erhältlich.

Welche weiteren Gefahren Sie im Auge behalten sollten, Lesen Sie im Artikel "Unscheinbar aber gefährlich - weitere Gefahren im Haushalt".

Quelle: Stiftung Kindergesundheit, www.kindergesundheit.de


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