Glückliche neue Grosseltern

Die neuen Grosseltern

Grosseltern sind heute oft noch jung: Wenn auch nicht immer unbedingt an Jahren, so doch zumindest mental. Sie nehmen selbstverständlich aktiv am gesellschaftlichen Leben teil, sind vielleicht noch berufstätig, haben vielfältige eigene Interessen. Da ist es für viele ein merkwürdiges Gefühl, plötzlich mit der Rolle von „Grosi“ oder „Opa“ konfrontiert zu werden. Also: Auch Grosseltern müssen sich in die neue Familiensituation erst einfinden.

Vor allem ihr Verhältnis zu den Kindern, die nun selbst Eltern geworden sind, muss neu definiert werden. Vielleicht ist die Geburt des Enkelkindes ein guter Zeitpunkt, einmal die Beziehung zur Tochter, zum Sohn zu überdenken: Lässt man ihnen die notwendige Selbstständigkeit? Gewährt man ihnen genügend Freiraum von eigenen Vorstellungen und Werten, ohne ihnen Liebe und Vertrauen zu entziehen? Auf der einen Seite kann die ältere Generation den jungen Eltern sicherlich bei vielen Gelegenheiten wertvolle Hilfe leisten, die bis hin zur umfassenden Betreuung des Enkelkinds geht. Auf der anderen Seite ist damit auch schnell „zuviel des Guten“ getan: Jede junge Mutter, jeder junge Vater muss sich in die neue Lebenslage einfühlen, muss dabei eigene Erfahrungen sammeln und auch Fehler machen dürfen – nur daraus lernt man tatsächlich.

Die Zeiten haben sich geändert, auch der Umgang mit einem Baby. Grosseltern sollten Vertrauen in die Fähigkeiten der Tochter, des Sohnes haben. Sicher ist es manchmal nicht leicht, sich zurückzuhalten, wenn man glaubt, etwas besser zu wissen. Auch Zurückweisungen steckt man nicht so einfach weg, ganz gleich, wie “abgeklärt” man als Grosseltern eigentlich sein sollte. Gelingt dies jedoch, werden die Grosseltern mit Harmonie in der Familie und mit der Liebe ihrer Enkel belohnt.

Denn etwas ältere Kinder finden es toll, liebevolle Grosseltern zu haben. Gemäss der "Brücken-Hypothese" stellen Grosseltern für ihre Enkel eine Verbindung in eine noch unbekannte Welt dar: Sie sind vertraute Personen, verhalten sich aber anders als die Eltern. Zudem sind die Grosseltern oft die einzigen Vertreter der älteren Generation, zu denen Kinder eine engere persönliche Beziehung haben. Kein Wunder, schätzt eine Mehrheit von fast 90 Prozent der befragten Jugendlichen die Beziehung zu den Grosseltern als wichtig ein. Gemäss Prof. Höpflinger, Soziologisches Institut der Univ. Zürich, schätzen es die Jungen insbesondere, wenn die Grosseltern "ungefragt Zeit haben".

Für die Enkel sind Grosseltern wichtig, weil sie für den Erhalt von Ritualen und Familientradition stehen. Kinder sind sehr interessiert an Bräuchen und Familiengeschichten, das zeigt sich gerade im Zusammenhang mit Familienfesten. Die Grosseltern können wiederum durch ihre Enkel an die eigene Jugend anknüpfen. Sie können wieder Kinder betreuen - aber dieses Mal ohne die volle Verantwortung für den Nachwuchs zu haben. Ausserdem kommen Grosseltern mit Schulkindern und Jugendlichen auf den aktuellen Stand der Technik, zum Beispiel, wenn der Enkel seinem Opa das Internet erklärt.

Die Grosseltern sind vor allem Ansprechpersonen für Themen aus Schule, Freizeit und Familie. Gern werden sie auch über das Fehlverhalten der Eltern während ihrer Jugendzeit ausgefragt. Intime Themen, Liebesgeschichten oder Geheimnisse besprechen die Jugendlichen allerdings eher selten mit den Grosseltern und gehen damit erwartungsgemäss vor allem in den gleichaltrigen Freundeskreis.

Die Grosseltern werden dafür geschätzt, dass sie sich mehr Zeit nehmen, besser zuhören und sich weniger einmischen als Eltern und Lehrpersonen - und auch einmal ein Auge zudrücken. Zentral ist für die Enkelinnen und Enkel auch, dass sie beim Heranwachsen von den Grosseltern nicht mehr als "Kind" behandelt werden. Sind diese Erwartungen erfüllt, wird der Generationenkontakt durchaus geschätzt, auch wenn der Wunsch nach Gesprächen auf der Seite der Grosseltern immer etwas ausgeprägter ist als bei den Jugendlichen.

Und Achtung: Die bisherige Forschung hat gezeigt, dass Wertorientierungen der älteren Generation umso weniger übernommen werden, je mehr die Grosseltern gezielt ihre Enkel  beeinflussen wollen.


Linktipp:

www.grossmuetter.ch

Zum Weiterlesen:

Kinder von Alleinerziehenden profitieren von Grosseltern

Newsticker

Der Grosi-Effekt | 23.05.2017

Wer sich im Alter um andere kümmert, tut damit auch sich selbst etwas Gutes, denn soziale Kontakte und Kümmern wirkt sich positiv auf die eigene Lebenszeit aus. So leben Grosseltern, die ihre Enkelkinder betreuen (die Krippe Grosi), im Schnitt länger als Grosseltern, die das nicht tun. Dies konnte ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Universität Basel anhand von Überlebensanalysen von über 500 Menschen im Alter zwischen 70 und 103 Jahren zeigen. Die Hälfte der Grosseltern, die ihre Enkelkinder umsorgten oder ihre Kinder im Haushalt unterstützten, lebten noch etwa zehn Jahre nach dem ersten Interview 1990. Von denjenigen, die sich nicht engagierten, starb dagegen etwa die Hälfte innerhalb von fünf Jahren. Wichtig sei aber, so das Forscherteam, dass die Fürsorge nicht zur Last werde - dann ist sie nicht mehr Stimulanz, sondern Stress.

Letzte Aktualisierung: 08.2016, AG