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Schwangerschaftskolumne Woche 15 Hebamme

Mar­mor, Stein und Ei­sen bricht!


Ku­gel­bauch-Ko­lum­ne Wo­che 15


Wür­de ich Lie­der schrei­ben kön­nen, gäbe es von mir wohl den ein oder an­de­ren Pro­test­song ge­gen un­ser Ge­sund­heits­sys­tem. Doch ich habe auch gute Grün­de für das ein oder an­de­re Lob­lied. So sind wir in der Schweiz me­di­zi­nisch doch ei­gent­lich ganz gut ver­sorgt.

Ja, viel­leicht wür­de mir so­gar ein Love­song über die Lip­pen rut­schen. Ein Love­song, der frei­en Wahl des Ge­burts­or­tes ge­wid­met. Denn wer nicht den Stem­pel „Ri­si­ko­schwan­ger­schaft“ auf­ge­drückt be­kommt, darf hier­zu­lan­de ganz frei wäh­len, wo sein Kind zur Welt kom­men soll.

Ich darf den Love­song bis an­hin also ganz un­be­schwert träl­lern. So im Sin­ne von:

„Mar­mor, Stein und Ei­sen bricht,

freie Wahl des Ge­burts­or­tes, ich lie­be dich.

Mag es noch so schwie­rig sein,

die­se Wahl bleibt mein!“

Doch wie so oft folgt dem ro­sa­ro­ten Re­frain in der ers­ten Stro­phe dann die Pro­ble­ma­tik die­ser Lie­be. So gross­ar­tig die freie Wahl des Ge­burts­or­tes ist, so schwer tue ich mich zur­zeit da­mit. Wie soll ich wis­sen, wo ich am bes­ten Surf­ur­laub pla­ne, wenn ich nie­mals auf ei­nem Surf­brett ge­stan­den habe? Kei­ne Angst, ganz so uto­pisch bin ich nicht, als dass ich eine Ge­burt mit ei­nem Surf­ur­laub ver­glei­chen wür­de. Aber die Pro­ble­ma­tik liegt auf der Hand, oder?

Ich habe schlicht kei­ne Ah­nung, was für uns ein gu­ter Ge­burts­ort sein wird. Ich ken­ne mich als Ge­bä­ren­de ja noch nicht. Ich wage mal zu be­haup­ten, dass es mir un­ter der Ge­burt wich­tig sein wird, dass ich mich si­cher füh­le. Dass ich mich ge­hen las­sen kann. Um ab­schal­ten zu kön­nen, ist mir die rich­ti­ge Ge­sell­schaft viel wich­ti­ger als der Ort.

Ich wäh­le also bes­ser nicht den Ge­burts­ort, son­dern viel mehr die Leu­te, die uns un­ter der Ge­burt be­glei­ten wer­den. Ge­bä­re ich un­ser „Muf­fin“ in ei­nem Spi­tal, ver­schen­ke ich die­se Wahl. Da wird uns be­glei­ten, wer ge­ra­de Dienst hat. Sprich, das Spi­tal ist kei­ne Op­ti­on für mich.

Im Ge­burts­haus wür­den uns die Heb­am­men, die wir un­ter der Ge­burt an­tref­fen könn­ten, be­reits durch die Schwan­ger­schaft be­glei­ten. Das fän­de ich gross­ar­tig. Nur ist da die trau­ri­ge Tat­sa­che: kein Ge­burts­haus in un­se­rer Re­gi­on.

Eine Haus­ge­burt ist für den Papa kei­ne Op­ti­on. Da ich ihn aber an mei­ner Sei­te brau­chen wer­de, und zwar mit Leib und See­le, ist eine Haus­ge­burt auch für mich aus­ge­schlos­sen.

Wie in je­dem Love­song, könn­te nun das kom­pli­zier­te Ende die­ser Lie­be be­sun­gen wer­den. Aber nein! Mei­ne Lie­be zur frei­en Wahl des Ge­burts­or­tes ist un­er­schüt­ter­lich. Denn ich habe re­cher­chiert und in ei­nem der drei um­lie­gen­den Spi­tä­ler ar­bei­ten Be­leg­heb­am­men. Wenn al­les gut geht, dür­fen der wer­den­de Papa und ich uns da eine Heb­am­me aus­su­chen, die uns durch die ge­sam­te Schwan­ger­schaft hin­durch, un­ter der Ge­burt im Spi­tal und auch noch die ers­te Zeit zu Hau­se mit Baby be­glei­ten wird.

Ich weiss, da bringt man den Kinn­la­den nicht so schnell wie­der hoch. Ich fin­de die­ses An­ge­bot echt un­schlag­bar. Mein Love­song hat also ein Hap­py­end:

„Ich wei­ne nicht, weil die Wahl schwer­fällt, dam­dam, dam­dam.

Ich su­ch' ne Heb­am­me, die zu mir hält, dam­dam, dam­dam.

Mar­mor, Stein und Ei­sen bricht,

auf die Be­leg­heb­am­me ver­lass ich mich.

Und geht die Ge­burt nicht schnell vor­bei,

sie bleibt uns treu.“

Die Ko­lum­nis­tin

Schwangerschaftskolumne_Portrait_Giulietta

Giulietta Martin ist Hebamme, Mama von drei kleinen Kindern und lebt im Berner Oberland. Unter mama.kritzelei veröffentlicht sie auf Instagram regelmässig humorvolle Szenen aus dem Familienalltag.

Letzte Aktualisierung: 11.06.2021, GM
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