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Schwangere mit Poolnudel im Wasser
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Ge­burts­vor­be­rei­tung im Was­ser

In­ter­view mit Maja Schild


Ge­burts­vor­be­rei­tung im Was­ser


swiss­mom: Ge­burts­vor­be­rei­tungs­kur­se gibt es vie­le, war­um emp­feh­len Sie eine Ge­burts­vor­be­rei­tung im Was­ser?

Maja Schild: Was­ser bringt schon ohne be­son­de­re Übun­gen vie­le Vor­tei­le. Da der „Land­gang“ mit fort­schrei­ten­der Schwan­ger­schaft ja nun wirk­lich nicht mehr leicht­füs­sig ab­sol­viert wer­den kann, ist es ein herr­li­ches Ge­fühl, plötz­lich mehr als die Hälf­te sei­nes Ge­wich­tes zu „ver­lie­ren“. Was­ser ist ge­ra­de­zu op­ti­mal, um spie­le­risch und fast „ne­ben­bei“ eine für die Ge­burt op­ti­ma­le Atem­tech­nik zu ver­mit­teln, wel­che die We­hen er­träg­li­cher ma­chen kann. Aus­ser­dem ist Be­we­gung im Was­ser ein idea­les Ganz­kör­per-Trai­ning, da­bei wer­den we­der Bän­der noch Ge­len­ke be­las­tet. Rü­cken­schmer­zen und Ver­span­nun­gen im Na­cken- und Schul­ter­be­reich las­sen deut­lich nach.

Zur Per­son

Maja Schild ist verheiratet und vierfache Mutter. Die Ausbildung als Geburtsvorbereiterin SBG hat sie an der Fachschule Frau und Gesundheit in Luzern absolviert. Seither gibt sie rund 4 bis 5 Kurse pro Jahr.

swiss­mom: In­ter­es­sant sind die As­pek­te ge­gen die Mus­kel­ver­span­nun­gen und Hil­fe ge­gen Rü­cken­schmer­zen un­ter de­nen vie­le Schwan­ge­re in der fort­ge­schrit­te­nen Schwan­ger­schaft häu­fig lei­den. Kann da die Ge­burts­vor­be­rei­tung im Was­ser auch hel­fen?

Maja Schild: Vie­le Kurs­teil­neh­me­rin­nen sind sehr er­staunt, dass sich die­se Be­schwer­den ver­bes­sern oder zum Teil so­gar ganz ver­schwin­den. Durch das war­me Was­ser wer­den Mus­ku­la­tur, Ge­len­ke und Band­schei­ben lo­cke­rer, da­durch wer­den Rü­cken­schmer­zen und Ver­span­nun­gen im Na­cken- und Schul­ter­be­reich deut­lich bes­ser. 

swiss­mom: Hel­fen Übun­gen im Was­ser auch ge­gen Was­ser­ein­la­ge­run­gen und schmer­zen­de Bei­ne?

Maja Schild: Ja, durch den Was­ser­druck wer­den Haut und Ge­fäs­se „mas­siert“, da­durch wer­den Was­ser­ein­la­ge­run­gen über die Harn­we­ge aus­ge­schie­den. Die Frau­en be­rich­ten dann, dass sie ver­mehrt Was­ser lö­sen muss­ten. Eben­falls wird durch die­se „Was­ser- Druck- Mas­sa­ge“ die Durch­blu­tung an­ge­regt, was wie­der­um bei mü­den, schwe­ren Bei­nen Er­leich­te­rung bringt. 

swiss­mom: Kann man im Was­ser auch Atem­tech­ni­ken ler­nen, die den We­hen­schmerz er­leich­tern und wie muss man sich die­se Übun­gen vor­stel­len?

Maja Schild: Ja, na­tür­lich „er­ler­nen“ wir die We­hen­at­mung. Aber noch lie­ber sage ich dazu „er­fah­ren“, denn es ist nichts an­de­res, als sich die „nor­ma­le“ At­mung be­wusst zu ma­chen. In mei­nen Kur­sen habe ich drei Pha­sen: In der ers­ten at­men wir ganz be­wusst durch die Nase ein und durch den Mund aus, ganz ent­spannt, je­des in sei­nem Tem­po. In ei­ner zwei­ten Pha­se at­men wir auch wie­der durch die Nase ein, aber bla­sen/ „blöt­ter­len“(Bla­sen bil­den un­ter Was­ser) den Aus-Atem ins Was­ser, der Kopf ist halb im Was­ser. In ei­ner drit­ten Pha­se „tau­chen“ wir zum Aus­at­men den Kopf ins Was­ser - für vie­le Frau­en doch ein Akt der Über­win­dung. Die­se Übun­gen sind dazu da, den ei­ge­nen Atem-Rhyth­mus ken­nen zu ler­nen, zu „ver­fes­ti­gen“, um dann dar­aus un­ter der Ge­burt Res­sour­cen schöp­fen zu kön­nen. Es ist er­staun­lich und fas­zi­nie­rend zu­gleich, die Fort­schrit­te der Frau­en da­bei zu be­ob­ach­ten. Tau­chen sie am An­fang noch et­was „ge­stresst“ auf, so wird das mit der Zeit ein sehr ent­spann­tes Ein- und Auf­tau­chen! Durch die­se Übun­gen ge­win­nen die Schwan­ge­ren Ver­trau­en zu sich und zu ih­rer At­mung. Sie ha­ben ge­lernt, mit ih­rer At­mung zu „haus­hal­ten“!

swiss­mom: Hilft die Ge­burts­vor­be­rei­tung im Was­ser auch dazu den Be­cken­bo­den für die Ge­burt vor­zu­be­rei­ten?

Maja Schild: Jein, der Be­cken­bo­den und der Damm wer­den im Was­ser un­be­strit­ten wei­cher, des­halb gibt es, wenn im Was­ser ent­bun­den wird, auch viel we­ni­ger Ris­se/ Schnit­te. Al­ler­dings wür­de ich die Ge­burts­vor­be­rei­tung im Was­ser nicht als Damm­vor­be­rei­tung „de­kla­rie­ren“, dazu braucht es im­mer noch Damm­mas­sa­ge, oder noch bes­ser den Epi-No! 

swiss­mom: Die Ge­burts­vor­be­rei­tung im Was­ser wirkt sich auf das Wohl­be­fin­den für Mut­ter und Kind of­fen­sicht­lich sehr po­si­tiv aus.

Maja Schild: Ja, das den­ke ich im­mer wie­der, wenn ich am Schluss von ei­ner Lek­ti­on auf die glück­li­chen, ent­spann­ten Ge­sich­ter sehe, oder sich bei ei­ner Ent­span­nungs­übung (lie­gend auf dem Rü­cken) ein „In­se­li“ aus dem Was­ser er­hebt und sich be­wegt! 

Adres­se:
Maja Schild
Zi­ind­li 84 d
CH-3858 Hof­stet­ten

Letzte Aktualisierung: 03.08.2016, AS

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