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Kind mit Hörgeräten und Cochleaimplantaten
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Hör­stö­run­gen bei Kin­dern


Wer se­hen will, braucht Licht. Wer hö­ren will, braucht Ge­räu­sche. Ganz gleich, ob die zar­te Stim­me der Mut­ter oder die schril­le Si­re­ne des vor­bei­ra­sen­den Feu­er­wehr­au­tos – alle Stim­men, Töne und Klän­ge aus sei­ner Um­ge­bung tra­gen zur ge­sun­den Hör­ent­wick­lung ei­nes Ba­bys bei. Schon in den ers­ten Le­bens­mo­na­ten muss das Ge­hirn durch Ge­räu­sche sti­mu­liert wer­den, um die Hör­bah­nen rei­fen zu las­sen – eine un­ent­behr­li­che Vor­aus­set­zung auch für die Ent­wick­lung des Spre­chens.

Un­ter 1000 Neu­ge­bo­re­nen gibt es ein bis zwei Ba­bys, bei de­nen eine be­hand­lungs­be­dürf­ti­ge, beid­sei­ti­ge Hör­stö­rung be­steht. Wer­den ge­ring­gra­di­ge und ein­sei­ti­ge Hör­stö­run­gen mit ein­be­zo­gen, liegt das Ri­si­ko mit etwa 2,7 pro 1000 Neu­ge­bo­re­nen deut­lich hö­her.

Wenn Kin­der nicht rich­tig hö­ren kön­nen, ler­nen sie auch nicht rich­tig spre­chen. Er­hält das Ge­hör we­gen ei­nes an­ge­bo­re­nen oder durch Krank­heit ent­stan­de­nen Hör­feh­lers kei­ne An­re­gung in den ers­ten Le­bens­mo­na­ten, fehlt ihm die Er­fah­rung, mit Ge­räu­schen rich­tig um­zu­ge­hen. Je län­ger die Stö­rung un­ent­deckt bleibt, umso schwie­ri­ger wird es für das Kind, den Rück­stand in der Sprach­ent­wick­lung auf­zu­ho­len. Die schwer­wie­gen­den Fol­gen für das Sprach­ver­ständ­nis sind dann nur noch teil­wei­se gut zu ma­chen und blei­ben ein Le­ben lang be­stehen.

Das Neu­ge­bo­re­nen-Hör­s­cree­ning soll dazu bei­tra­gen, die Fol­ge­be­hin­de­run­gen ei­ner kind­li­chen Hör­stö­rung mög­lichst ge­ring zu hal­ten. Da­bei wird di­rekt in der Ge­burts­kli­nik, beim Kin­der- und Ju­gend­arzt oder bei ei­nem HNO-Arzt eine Schall­mes­sung im Ge­hör­gang durch­ge­führt. Die Un­ter­su­chung ist für das Kind völ­lig schmerz­frei. Sie kann so­gar er­fol­gen, wäh­rend das Baby schläft. Eine Um­fra­ge bei al­len 118 Kli­ni­ken, in de­nen lan­des­weit Kin­der ge­bo­ren wer­den, er­gab, dass im Jah­re 2008 bei mehr als 80 % der Neu­ge­bo­re­nen in der Schweiz ein Hör­s­cree­ning durch­ge­führt wur­de. Eine Vor­aus­set­zung für die flä­chen­de­cken­de Durch­füh­rung des Hör­s­cree­nings in der Schweiz ist lei­der noch die Über­nah­me der Un­ter­su­chungs­kos­ten (etwa 30 CHF) als Pflicht­leis­tung der Kran­ken­kas­sen (Grund­ver­si­che­rung).

Ein un­auf­fäl­li­ger Be­fund bei der Neu­ge­bo­re­nen-Hör­s­cree­ning ist aber noch kei­ne Ga­ran­tie für ein in­tak­tes Ge­hör. Das Kind kann auch spä­ter noch eine Hör­stö­rung ent­wi­ckeln. El­tern soll­ten des­halb wach­sam blei­ben, vor al­lem, wenn bei ih­rem Kind ein er­höh­tes Ri­si­ko für eine Hör­stö­rung vor­liegt. Das ist zum Bei­spiel bei Früh­ge­bo­re­nen der Fall und auch dann, wenn bei den El­tern oder na­hen Ver­wand­ten eine Schwer­hö­rig­keit vor­liegt, die seit der Kind­heit be­steht und nicht die Fol­ge von Mit­tel­ohr­ent­zün­dun­gen ist. Eine Rei­he von Me­di­ka­men­ten kann eben­falls das Ge­hör schä­di­gen, zum Bei­spiel ei­ni­ge An­ti­bio­ti­ka und Krebs­me­di­ka­men­te. Als „oto­to­xisch“ gel­ten auch Blei, Ta­bak­rauch und Lärm.

Auch an­ste­cken­de Kin­der­krank­hei­ten wie Ma­sern, Mumps oder Rö­teln kön­nen das Hör­ver­mö­gen vor­über­ge­hend oder nach­hal­tig be­ein­träch­ti­gen. Auch aus die­sem Grund sind die Imp­fun­gen ge­gen die­se Krank­hei­ten so wich­tig.

Ob beim Ge­hör ih­res Ba­bys al­les in Ord­nung ist, kön­nen El­tern auch selbst prü­fen, al­ler­dings bei wei­tem nicht so si­cher wie bei ei­ner ärzt­li­chen Un­ter­su­chung. Wich­tig sind da­bei auch be­son­de­re Vor­sichts­mass­nah­men: Die Test-Ge­räu­sche dür­fen nicht mit Be­rüh­run­gen und Er­schüt­te­run­gen des Kin­des ver­bun­den sein. Ge­ra­de hör­ge­stör­te Kin­der ver­su­chen oft, ihr Man­ko schon früh­zei­tig durch die Stei­ge­rung ih­rer Seh-Auf­merk­sam­keit aus­zu­glei­chen.

Wich­ti­ge Hin­wei­se lie­fert auch die Ent­wick­lung des Lal­lens: Hör­ge­stör­te Ba­bys fan­gen in der Zeit zwi­schen sechs­ter Wo­che und sechs­tem Mo­nat zwar nor­mal an zu Lal­len, da­nach je­doch, wenn das Lal­len bei den ge­sun­den Kin­dern ins Brab­beln über­geht, ver­schwin­det es bei den hör­ge­stör­ten Kin­dern all­mäh­lich – sie ver­stum­men.

Soll­ten El­tern den Ver­dacht ha­ben, dass ihr Kind nicht rich­tig hört oder dass sich sei­ne Spra­che nicht al­ters­ge­mäss ent­wi­ckelt, soll­ten sie dar­über mit ih­rem Kin­der- und Ju­gend­arzt spre­chen und um eine gründ­li­che Un­ter­su­chung bit­ten. Die Spe­zia­lis­ten für das kind­li­che Ge­hör sind Fach­ärz­te auf dem Ge­biet der Pho­nia­trie und Pädau­dio­lo­gie.

Wird eine Hör­stö­rung be­kannt, soll­te sie so früh wie mög­lich be­han­delt wer­den. Auch schwer­hö­ri­ge Kin­der kön­nen heu­te hö­ren und spre­chen ler­nen, wenn sie früh­zei­tig mit Hör­ge­rä­ten ver­sorgt wer­den. Weil Kin­de­roh­ren noch wach­sen und der Ge­hör­gang so eng ist, kom­men die un­auf­fäl­li­gen Im-Ohr-Ge­rä­te nicht in Fra­ge. Des­halb wer­den Kin­dern Hör­sys­te­me ver­ord­net, die hin­ter dem Ohr zu tra­gen sind. Zu den Be­hand­lungs­mög­lich­kei­ten ge­hö­ren ne­ben den Hör­ge­rä­ten eine lo­go­pä­di­sche Be­hand­lung und ge­ziel­te Schu­lun­gen. In be­stimm­ten Fäl­len wird auch eine elek­tro­ni­sche Hör­pro­the­se (ein Co­ch­lea-Im­plan­tat) durch eine klei­ne Ope­ra­ti­on ein­ge­setzt. Alle die­ser Be­hand­lun­gen sind umso wirk­sa­mer, je frü­her sie er­fol­gen. Wer­den Hör­stö­run­gen von Neu­ge­bo­re­nen früh­zei­tig ent­deckt, kön­nen sie heu­te in den meis­ten Fäl­len so wirk­sam be­han­delt wer­den, dass eine weit­ge­hend nor­ma­le Ent­wick­lung des Kin­des zu er­war­ten ist.

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