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Kind klammert sich ans Hosenbein
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Kin­de­rängs­te: Was Kin­dern Angst macht - und wie El­tern hel­fen kön­nen


Ein lau­ter Schrei er­tönt aus dem Kin­der­zim­mer. Als Sie an­ge­rannt kom­men, steht Ihr Kind starr vor Schreck und mit weit auf­ge­ris­se­nen Au­gen auf dem Bas­tel­tisch. Auf Ihre Fra­ge, was denn pas­siert sei, zeigt es stumm auf die win­zi­ge Spin­ne, die über den Fuss­bo­den krab­belt. Erst nach­dem Sie das Tier­chen in den Gar­ten be­för­dert ha­ben, steigt es mit zitt­ri­gen Kni­en vom Tisch her­un­ter und be­ru­higt sich all­mäh­lich wie­der. Die Angst ist fürs Ers­te über­stan­den - bis zur nächs­ten Be­geg­nung mit ei­nem krab­beln­den Acht­bei­ner.

War­um ha­ben Kin­der Angst?


Im Lau­fe ih­rer Ent­wick­lung ler­nen Kin­der Tag für Tag viel Neu­es. Das ist ei­ner­seits span­nend, an­de­rer­seits aber auch ver­un­si­chernd. Wer weiss denn, wo über­all un­be­kann­te Ge­fah­ren lau­ern? Dass sich da im­mer mal wie­der Ängs­te be­merk­bar ma­chen, ist voll­kom­men nor­mal - und auch wich­tig. Die Angst schützt Kin­der näm­lich da­vor, sich in ih­rem Ent­de­cker­drang Hals über Kopf in ge­fähr­li­che Si­tua­tio­nen zu be­ge­ben. Sie mahnt dazu, erst ein­mal vor­sich­tig das Ter­rain ab­zu­tas­ten und sich ge­wis­se Fer­tig­kei­ten an­zu­eig­nen, ehe man sich ins Aben­teu­er stürzt.

Zu ei­ner nor­ma­len kind­li­chen Ent­wick­lung ge­hö­ren da­her auch al­ters­ty­pi­sche Ängs­te. Sie tre­ten oft zeit­gleich mit wich­ti­gen Ent­wick­lungs­schrit­ten auf. Die­se so­ge­nann­ten Ent­wick­lungs­ängs­te sind eher mild und ver­schwin­den mit der Zeit von selbst wie­der. Oft tre­ten gleich­zei­tig meh­re­re Ängs­te auf. Ei­ni­ge Bei­spie­le für al­ters­ty­pi­sche Ängs­te:

  • Im Al­ter von sechs bis acht Mo­na­ten be­gin­nen vie­le Kin­der zu frem­deln. Auch un­be­kann­te lau­te Ge­räu­sche und schnel­le Be­we­gun­gen kön­nen Ängs­te aus­lö­sen.

  • Klein­kin­der im Al­ter von ein bis zwei Jah­ren fürch­ten sich oft da­vor, von Mama und Papa ge­trennt zu sein, was sich bei­spiels­wei­se beim Ab­schied in der Kita be­merk­bar macht. Die Be­geg­nung mit dem Sa­mich­laus und an­de­ren ver­klei­de­ten Per­so­nen emp­fin­den vie­le Klein­kin­der eben­falls als furcht­ein­flös­send.

  • Ab dem Al­ter von zwei bis vier Jah­ren ängs­ti­gen sich vie­le Kin­der vor Ge­wit­tern, Feu­er und der Dun­kel­heit. Die­se Ängs­te dau­ern oft bis ins Kin­der­gar­ten­al­ter an. Auch das Al­lein­sein wird als be­ängs­ti­gend emp­fun­den.

  • Vier- bis Sechs­jäh­ri­ge fürch­ten sich häu­fig vor Fan­ta­sie­ge­stal­ten wie He­xen und Mons­tern. Auch die Angst vor Ein­bre­chern tritt oft auf. Als un­heim­lich emp­fun­de­ne Ge­räu­sche, Schat­ten an der Wand und Alb­träume er­schwe­ren so man­chem Kind das Ein- und Durch­schla­fen.

  • Vie­le Kin­der­gar­ten- und Pri­mar­schul­kin­der ha­ben Angst vor be­stimm­ten Tie­ren, bei­spiels­wei­se vor Spin­nen oder Hun­den. Furcht vor Na­tur­ka­ta­stro­phen und an­de­ren schlim­men Er­eig­nis­sen ist eben­falls häu­fig.

  • Ab dem Al­ter von sie­ben Jah­ren ma­chen sich ver­mehrt so­zia­le Ängs­te be­merk­bar, also z. B. die Angst vor Ab­leh­nung und Zu­rück­wei­sung. Der Schul­be­such ist eben­falls viel­fach mit Ängs­ten ver­bun­den, bei­spiels­wei­se mit Prü­fungs­angst oder der Furcht, sich im Un­ter­richt zu Wort zu mel­den. Schul­kin­der und Ju­gend­li­che sor­gen sich zu­wei­len, ein ge­lieb­ter Mensch könn­te schwer er­kran­ken oder ster­ben.

Das Emp­fin­den von Angst ist sehr un­ter­schied­lich. Wäh­rend man­che Kin­der na­he­zu furcht­los durchs Le­ben ge­hen, wa­gen sich an­de­re nur äus­serst zö­ger­lich an neue Si­tua­tio­nen her­an. Grund­sätz­lich aber gilt: Angst ist nichts Schlech­tes, sie muss nicht be­kämpft wer­den. Wich­tig ist je­doch, dass das Kind lernt, mit ihr um­zu­ge­hen und sie zu über­win­den.

Was pas­siert bei Angst im Kör­per?

Wenn wir Angst empfinden, verarbeitet das Gehirn blitzschnell Sinneseindrücke, gleicht sie mit bisherigen Erfahrungen ab und setzt entsprechende körperliche Reaktionen in Gang. Der Körper wird in Alarmbereitschaft versetzt, damit wir entweder kämpfen oder flüchten können: Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, die Bronchien erweitern sich, sodass die Atmung schneller und flacher wird, die Muskeln werden stärker durchblutet und spannen sich an, die Pupillen weiten sich, die Tätigkeiten von Magen, Darm und Blase werden gehemmt und wir fangen an zu schwitzen.

Je nach Situation kann es aber auch sein, dass wir bei Angst erstarren. Der Herzschlag verlangsamt sich, der Blutdruck sinkt, die Atmung wird langsamer, das Blut schiesst in die Wangen und wir erröten, vielleicht werden die Knie weich oder es treten Schwindelgefühle auf.

Bei sehr grosser Gefahr reagieren wir schon, ehe wir uns der bedrohlichen Situation bewusst geworden sind. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn wir ein Kind vom Fussgängerstreifen zurückziehen, bevor wir das Auto überhaupt wahrgenommen haben, das mit grosser Geschwindigkeit herannaht. Doch nicht immer, wenn wir Angst empfinden, besteht eine reale Gefahr. Dies liegt daran, dass das Gehirn Erfahrungen, die mit negativen Emotionen verbunden sind, als gefährlich einstuft und daher die gleiche Reaktion auslöst wie bei einer tatsächlichen Bedrohung.

Ei­nen gu­ten Um­gang mit der Angst fin­den


Sie müs­sen und kön­nen nicht ver­hin­dern, dass Ihr Kind in man­chen Si­tua­tio­nen Angst emp­fin­det - Sie kön­nen aber viel dazu bei­tra­gen, dass es lernt, da­mit um­zu­ge­hen.

1. Neh­men Sie Ihr Kind ernst: Sie wis­sen na­tür­lich, dass sich hin­ter dem Vor­hang im Kin­der­zim­mer kei­ne Hexe ver­steckt. Ih­nen ist auch klar, dass Sie im Haus bes­tens ge­schützt sind vor dem Ge­wit­ter. Ihr Kind fürch­tet sich je­doch trotz­dem, denn sein Ge­hirn mel­det: "Ach­tung, Ge­fahr!" Sa­gen Sie ihm nun, es brau­che kei­ne Angst zu ha­ben, hilft ihm das nicht wei­ter. Im Ge­gen­teil, es lernt da­durch, dass sei­ne Emp­fin­dun­gen nicht wich­tig sind und dass es sie bes­ser für sich be­hält. 

2. Ver­set­zen Sie sich in die Lage Ih­res Kin­des: Wie füh­len Sie sich, wenn Ih­nen ein un­an­ge­neh­mes Ge­spräch be­vor­steht? Was geht Ih­nen durch den Kopf, wenn Sie auf das Re­sul­tat ei­ner ärzt­li­chen Un­ter­su­chung war­ten? Wie kä­men Sie da­mit klar, wenn auf dem Wan­der­weg auf ein­mal eine Kreuz­ot­ter auf­tauch­te? So­fern Ih­nen das Ge­fühl der Angst nicht gänz­lich fremd ist, kön­nen Sie da­von aus­ge­hen: Ihr Kind fühlt sich ge­ra­de ganz ähn­lich. Dies hilft Ih­nen, ein­fühl­sa­mer zu re­agie­ren und auf sei­ne Not ein­zu­ge­hen.

3. Ver­mit­teln Sie Ih­rem Kind Si­cher­heit: Wenn die Angst grad rich­tig zu­schlägt, ist nicht der Zeit­punkt für lan­ge Re­den. Al­les, was Ihr Kind jetzt braucht, ist Ge­bor­gen­heit und die Ge­wiss­heit, dass Sie an sei­ner Sei­te sind, bis die Sa­che durch­ge­stan­den ist.

4. Ma­chen Sie die Angst zum The­ma: Er­zäh­len Sie Ih­rem Kind, wie Sie in Ih­rer Kind­heit Angst er­lebt ha­ben und was Ih­nen ge­hol­fen hat. Sa­gen Sie ihm, in wel­chen Mo­men­ten Sie auch heu­te Furcht und Un­si­cher­heit emp­fin­den und wie Sie da­mit um­ge­hen. Le­sen Sie ihm Ge­schich­ten zum The­ma vor und un­ter­hal­ten Sie sich dar­über, ob es sich gleich ver­hal­ten hät­te wie die Fi­gu­ren im Buch oder ob es an­ders ge­han­delt hät­te, um die Angst zu über­win­den.

5. Ach­ten Sie auf Ihre Wort­wahl: "Sei vor­sich­tig!" - "Pass auf!" - "Mach dir nicht weh!"  Das al­les ist gut ge­meint und leicht da­hin­ge­sagt, kann beim Kind je­doch Angst aus­lö­sen oder eine be­stehen­de Angst ver­stär­ken. Dies gilt erst recht, wenn Ihr Kind sich ge­ra­de in ei­ner ge­fähr­li­chen Si­tua­ti­on be­fin­det. Es braucht jetzt kei­ne Er­ma­hun­gen, son­dern Un­ter­stüt­zung und Er­mu­ti­gung, da­mit es bald wie­der si­che­ren Bo­den un­ter den Füs­sen hat.

6. Ver­zich­ten Sie auf Zu­schrei­bun­gen: Traut sich das Kind nicht ins Was­ser, ist das Ur­teil schnell ein­mal ge­fällt - es ist halt ein­fach "was­ser­scheu". Oft reicht es für ein Kind, eine sol­che Aus­sa­ge ein-, zwei­mal zu hö­ren, bis es der fes­ten Über­zeu­gung ist, dass es sich gar nicht lohnt, et­was ge­gen die Furcht zu un­ter­neh­men. Noch ein­schnei­den­der sind die Fol­gen, wenn je­mand zum Kind sagt, es sei ein Angst­ha­se oder ein Feig­ling. Jetzt fühlt es sich nicht nur der Angst aus­ge­lie­fert, es lernt auch, dass es be­schä­mend ist, sich zu fürch­ten.

7. Spie­len Sie Ge­fah­ren nicht her­un­ter: Vie­le Din­ge, vor de­nen Kin­der sich ängs­ti­gen, sind ja auch tat­säch­lich ge­fähr­lich. Mit Feu­er, bei­spiels­wei­se, ist nun mal nicht zu spas­sen, ob­schon es na­tür­lich ei­nen Un­ter­schied macht, ob im Che­mi­née ein Feu­er knis­tert oder ob die Flam­men im Dach­stock ei­nes Hau­ses lo­dern. Ihr Kind weiss ganz ge­nau, dass es nicht stimmt, wenn Sie sa­gen: "Feu­er ist doch nicht ge­fähr­lich, du brauchst kei­ne Angst zu ha­ben." Ver­mit­teln Sie ihm statt­des­sen: Ja, Feu­er kann wun­der­schön, aber auch ge­fähr­lich sein. Es gibt Mög­lich­kei­ten, die Ge­fahr zu ban­nen und wir tref­fen alle not­wen­di­gen Si­cher­heits­vor­keh­run­gen.

8. Wer­den Sie ver­traut mit Ih­ren ei­ge­nen Ängs­ten: Sind El­tern ängst­lich, hat dies meist Aus­wir­kun­gen auf den Nach­wuchs. Sie müs­sen (und kön­nen) nicht voll­kom­men angst­frei durchs Le­ben ge­hen, um Ih­rem Kind ein gu­tes Vor­bild zu sein. Es ist je­doch wich­tig, dass Sie Ihre ei­ge­nen Ängs­te ken­nen und ler­nen, mit ih­nen um­zu­ge­hen. So ver­mit­teln Sie Ih­rem Kind: Es ist nor­mal, Angst zu ha­ben - man braucht sich da­durch je­doch nicht klein­krie­gen zu las­sen.

Das hilft Ih­rem Kind, die Angst zu über­win­den


Mel­det sich die Angst, ist der ers­te Im­puls oft: "Bloss weg hier! - Und in Zu­kunft mei­den wir die­se Si­tua­ti­on lie­ber." Hier­durch ist aber ein­zig und al­lei­ne der Angst ge­dient, denn sie be­kommt so die Er­laub­nis, das Le­ben zu be­stim­men und neue Er­fah­run­gen zu ver­hin­dern. Da­mit dies nicht ge­schieht, müs­sen Kin­der ler­nen, sich der angst­aus­lö­sen­den Si­tua­ti­on zu stel­len und sie mit der Zeit auch zu meis­tern. Dazu brau­chen sie lie­be­vol­le und ge­dul­di­ge Un­ter­stüt­zung.

  • Ri­tua­le ge­ben Si­cher­heit: Le­gen Sie mit Ih­rem Kind fest, mit wel­chen stets gleich­blei­ben­den Hand­lun­gen Sie der Angst be­geg­nen wol­len. Das kann ein Lied sein, das Sie im­mer ge­mein­sam sin­gen, wenn draus­sen ein Ge­wit­ter tobt. Ein ab­schliess­ba­rer Schrank, wo Sie abends die Mons­ter "ein­sper­ren", be­vor das Kind sich ins Bett legt. Ein fes­ter Ab­lauf, den Sie bei je­dem Ab­schied in der Kita zu­sam­men durch­spie­len.

  • Et­was zum Fest­hal­ten: Ein klei­nes "Trös­ter­li" kann Wun­der be­wir­ken. Beim Ein­schla­fen ist das viel­leicht der Lieb­lingsted­dy, der Wa­che hält, so­lan­ge Mama und Papa im Ne­ben­zim­mer schla­fen. Bei der Ta­ges­fa­mi­lie ist es das "Nu­sche­li", das nach zu Hau­se riecht. Und auf dem Weg in den Kin­der­gar­ten, den das Kind jetzt al­lei­ne be­wäl­tigt, ist es ein bunt be­mal­ter Stein in der Ho­sen­ta­sche, den es fest­hal­ten kann, wenn sich die Angst mel­den will.

  • Die Angst wahr­neh­men und be­nen­nen: Zu er­ken­nen, dass man Angst hat, ist nicht im­mer ein­fach. Als ers­tes spü­ren wir ja meist die kör­per­li­chen An­zei­chen wie Zit­tern, ein flau­es Ge­fühl im Ma­gen oder das Herz, das auf­ge­regt klopft. Er­klä­ren Sie Ih­rem Kind, wie Angst ent­steht und wie Sie sich äus­sert. Und er­mu­ti­gen Sie es, die Sa­che beim Na­men zu nen­nen. Sa­gen zu kön­nen "Ich habe Angst" ist ein wich­ti­ger Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Ers­tens ge­lingt es dem Kind so, die ei­ge­nen Emp­fin­dun­gen ein­zu­ord­nen, was ih­nen schon viel von ih­rem Schre­cken nimmt. Und zwei­tens wis­sen die Men­schen im Um­feld gleich, was los ist und kön­nen da­durch bes­ser hel­fen.

  • Erst mal be­ob­ach­ten ... Ängs­te ma­chen sich oft be­merk­bar, wenn ein Kind noch nicht so recht weiss, was es er­war­tet und ob es ei­ner Sa­che trau­en kann. Ge­ben Sie ihm die Mög­lich­keit, die Din­ge erst ein­mal von ei­ner si­che­ren War­te aus zu be­ob­ach­ten, be­vor es sel­ber mit­ma­chen muss. Fürch­tet es sich vor be­stimm­ten Tie­ren, ist es zu­nächst viel­leicht über­for­dert da­mit, sie in echt an­zu­schau­en. Mög­li­cher­wei­se er­trägt es zu­erst mal nur die Fo­tos in ei­nem Sach­buch oder ei­nen Aus­schnitt aus ei­nem Do­ku­men­tar­film. Für die Be­geg­nung mit Gross­va­ters Kat­ze oder den Be­such im Zoo ist es jetzt noch nicht be­reit.

  • ... und dann in klei­nen Schrit­ten an­nä­hern: Le­gen Sie mit Ih­rem Kind klei­ne Zie­le fest, die es er­rei­chen kann. Also nicht: "Ab heu­te bleibst du ohne mich in der Spiel­grup­pe", son­dern "Heu­te Mor­gen blei­be ich nur bis zum ers­ten Kreis­spiel und da­nach be­glei­tet dich der Ted­dy". Hat dies mehr­mals ge­klappt, er­folgt der nächs­te klei­ne Schritt, bis das gros­se Ziel - ohne El­tern in der Spiel­grup­pe blei­ben - er­reicht ist.

  • Den Blick aufs be­reits Er­reich­te rich­ten: Hat sich Ihr Kind zum Ziel ge­setzt, sei­ne Angst zu über­win­den, wird es da­bei auch Rück­schlä­ge er­le­ben. Dies ist na­tür­lich ent­mu­ti­gend. Hel­fen Sie ihm, zu er­ken­nen, was es bis­her er­reicht hat. Es hat zwar noch nicht den Mut auf­ge­bracht, al­lei­ne in die Bä­cke­rei zu ge­hen, um Bröt­chen zu kau­fen, aber im­mer­hin ist es be­reits selb­stän­dig den gan­zen Weg dort­hin ge­gan­gen. Letz­tes Mal hat es schon nach we­ni­gen Schrit­ten kehrt­ge­macht - es ist sei­nem Ziel also schon ein gros­ses Stück nä­her ge­kom­men.

  • Was tue ich, wenn ...? Über­le­gen Sie mit Ih­rem Kind, was es tun kann, wenn sich die Angst be­merk­bar macht. Sich eine Hand­lungs­mög­lich­keit aus­zu­den­ken, nimmt ihm das Ge­fühl der Macht­lo­sig­keit. Las­sen Sie es da­bei zu­erst selbst über­le­gen, was ihm hel­fen wür­de und ge­ben Sie ihm erst In­puts, wenn ihm nichts ein­fällt.

Wann liegt eine Angst­stö­rung vor?


Ängs­te sind zwar grund­sätz­lich nor­mal und Teil ei­ner ge­sun­den kind­li­chen Ent­wick­lung - sie kön­nen aber auch ein un­ge­sun­des Mass an­neh­men. Von ei­ner Angst­stö­rung spricht man, wenn die Ängs­te stark aus­ge­prägt sind, über meh­re­re Wo­chen oder Mo­na­te an­dau­ern und das Kind in sei­nem All­tags­le­ben und sei­ner Ent­wick­lung be­ein­träch­ti­gen. Zu­nächst wird nur die angst­aus­lö­sen­de Si­tua­ti­on ge­mie­den, mit der Zeit wei­tet sich das Ver­mei­dungs­ver­hal­ten je­doch aus und be­trifft im­mer wei­te­re Le­bens­be­rei­che. Auch Din­ge, die dem Kind stets Freu­de be­rei­tet hat­ten, will es nicht mehr tun, um der Angst aus dem Weg zu ge­hen.

So nimmt bei­spiels­wei­se ein Kind erst ein­mal ei­nen deut­lich län­ge­ren Kin­der­gar­ten­weg in Kauf, weil es sich vor dem Hund fürch­tet, der laut bel­lend am Zaun hoch­springt, wenn je­mand vor­bei­geht. Lernt es nicht, sei­ne Angst zu be­wäl­ti­gen, möch­te es schon bald nicht mehr mit zur Gross­mutter kom­men, die ei­nen ganz lie­ben, folg­sa­men Fa­mi­li­en­hund hat. Bei der bes­ten Freun­din möch­te es plötz­lich nicht mehr über­nach­ten, weil die­se viel­leicht wie­der auf die Idee kommt, man könn­te vor dem Schla­fen­ge­hen mit dem Hünd­chen der Nach­barn Gas­si ge­hen. So­gar die Bil­der­bü­cher mit Hun­den ver­bannt es ir­gend­wann aus dem Bü­cher­re­gal, weil ihm al­lei­ne schon beim An­blick der Bil­der angst und ban­ge wird.

Oft ist es schwie­rig zu er­ken­nen, dass sich hin­ter den ver­än­der­ten Ver­hal­tens­wei­sen Angst ver­birgt. Jün­ge­re Kin­der sind meist auch noch gar nicht in der Lage, die Angst als sol­che zu er­ken­nen und zu be­nen­nen. Sie neh­men die­se dif­fus wahr und kla­gen vor­wie­gend über die kör­per­li­chen Sym­pto­me wie Bauch­weh oder Übel­keit. Auch ver­mehr­te Reiz­bar­keit und ag­gres­si­ves Ver­hal­ten kön­nen An­zei­chen sein. So­zia­le Ängs­te äus­sern sich viel­fach dar­in, dass das Kind al­les un­ter­nimmt, um nicht auf­zu­fal­len. Din­ge, die un­an­ge­neh­me Re­ak­tio­nen von Mit­men­schen aus­lö­sen könn­ten, wer­den so gut als mög­lich ver­steckt. So kann es un­ter Um­stän­den recht lang dau­ern, bis El­tern und Leh­per­so­nen mer­ken, dass das Kind Hil­fe braucht.

Was ist eine Pho­bie?


Eine Pho­bie ist eine dau­er­haf­te aus­ge­präg­te Angst vor be­stimm­ten Ob­jek­ten, Tie­ren oder Si­tua­tio­nen, die ei­gent­lich un­ge­fähr­lich sind. Es han­delt sich da­bei um eine Angst­stö­rung. Al­lei­ne schon der Ge­dan­ke an die Sa­che oder Si­tua­ti­on kann star­ke Angst­ge­füh­le aus­lö­sen. Die be­trof­fe­ne Per­son mei­det die­se Angst­aus­lö­ser im All­tag oder ver­sucht, vor ih­nen zu flüch­ten, was zu er­heb­li­chen Ein­schrän­kun­gen füh­ren kann.

Ei­ni­ge Bei­spie­le für Pho­bi­en, die im Kin­des­al­ter auf­tre­ten kön­nen:

  • Ailuro­pho­bie: Angst vor Kat­zen

  • Akro­pho­bie: Hö­hen­angst

  • Arach­no­pho­bie: Angst vor Spin­nen

  • As­tra­pho­bie: Furcht vor Blitz und / oder Don­ner

  • Coul­ro­pho­bie: Angst vor Clowns

  • Eme­to­pho­bie: Angst vor dem Er­bre­chen

  • Kynopho­bie: Angst vor Hun­den

  • Try­pano­pho­bie: Angst vor Sprit­zen und In­jek­tio­nen

Ein Spe­zi­al­fall ist die Schul­pho­bie. Hier fürch­tet sich das Kind nicht vor der Schu­le an sich. Im Ge­gen­teil, ein be­trof­fe­nes Kind kommt oft sehr gut klar mit dem Schul­stoff und er­le­digt sei­ne Haus­auf­ga­ben ge­wis­sen­haft. Den Schul­be­such ver­sucht es den­noch um je­den Preis zu ver­mei­den, denn es lei­det an Tren­nungs­angst. Dies äus­sert sich, in­dem es bei­spiels­wei­se auf dem Schul­weg um­kehrt oder gar nicht erst das Haus ver­lässt, weil es über Bauch­schmer­zen, Übel­keit oder Kopf­weh klagt. Die­se Be­schwer­den ver­schwin­den wie­der, wenn das Kind es ge­schafft hat, die Tren­nung von sei­ner engs­ten Be­zugs­per­son zu um­ge­hen. Das Pro­blem ist je­doch da­mit nicht ge­löst, denn be­reits am nächs­ten Tag steht ihm wie­der eine Tren­nungs­si­tua­ti­on be­vor.

Wie wird eine Angst­stö­rung the­ra­piert?


Wäh­rend al­ters­ty­pi­sche Ent­wick­lungs­ängs­te von selbst wie­der ver­schwin­den, ist dies bei Angst­stö­run­gen nicht der Fall. Im Ge­gen­teil, die Angst kann sich im­mer mehr aus­brei­ten und auf wei­te­re Le­bens­be­rei­che über­grei­fen, wenn sie durch Ver­mei­dungs­ver­hal­ten be­stärkt wird. Aus die­sem Grund ist es wich­tig, be­trof­fe­ne Kin­der mög­lichst früh zu be­han­deln.

Als The­ra­pie­form kommt da­bei meis­tens die ko­gni­ti­ve Ver­hal­tens­the­ra­pie zum Ein­satz. Hier­bei geht es zum ei­nen dar­um, dass das Kind lernt, sich der Angst zu stel­len und sie so lan­ge aus­zu­hal­ten, bis sie wie­der ab­klingt. Bei Kin­dern be­ginnt man da­bei mit leich­ten angst­aus­lö­sen­den Si­tua­tio­nen und stei­gert dann all­mäh­lich den Schwe­re­grad.

Zum an­de­ren soll das Kind in der The­ra­pie ler­nen, fal­sche und ver­zerr­te Über­zeu­gun­gen zu er­ken­nen und ab­zu­bau­en. Die Angst führt dazu, dass es eine Si­tua­ti­on oder Sa­che als viel be­droh­li­cher ein­stuft, als dies tat­säch­lich der Fall ist. Es muss da­her Wege fin­den, die Ge­dan­ken zu er­ken­nen, die sei­ne Angst för­dern. Und es muss be­fä­higt wer­den, neue Ge­dan­ken zu ent­wi­ckeln, die ihm hel­fen, sei­ne Furcht zu über­win­den.

Letzte Aktualisierung: 14.06.2021, TV
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