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Mädchen schaut ängstlich und schüchtern durch eine Tür
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So un­ter­stüt­zen Sie ein schüch­ter­nes Kind


Wäh­rend man­che Kin­der sich vol­ler Selbst­be­wusst­sein und Neu­gier­de in un­be­kann­te Si­tua­tio­nen wa­gen, sind an­de­re deut­lich zu­rück­hal­ten­der und be­ob­ach­ten lie­ber. Wer­den sie an­ge­spro­chen, schau­en sie un­si­cher zu Bo­den, auf Fra­gen ant­wor­ten sie nicht oder nur sehr lei­se. Ihre Schüch­tern­heit hin­dert sie dar­an, an­de­ren Men­schen und Si­tua­tio­nen mit Of­fen­heit und kind­li­cher Neu­gier­de zu be­geg­nen. Dies ist nicht nur für die be­trof­fe­nen Kin­der be­las­tend, auch die El­tern ma­chen sich oft Sor­gen.

Die Schüch­tern­heit ist ein Per­sön­lich­keits­merk­mal, das sich den be­trof­fe­nen Kin­dern in der In­ter­ak­ti­on mit an­de­ren Kin­dern und Er­wach­se­nen in den Weg stellt. Schüch­ter­ne und un­si­che­re Kin­der kön­nen in ih­rer Ent­wick­lung im so­zia­len Be­reich et­was ver­zö­gert sein. Sie ver­fü­gen (noch) nicht über all­ge­mein ak­zep­tier­te Re­ak­ti­ons­mus­ter, weil sie die­se we­gen ih­rer Zu­rück­hal­tung kaum aus­tes­ten und üben konn­ten. Kon­takt auf­zu­neh­men und sich ihre so­zia­len Fer­tig­kei­ten in der In­ter­ak­ti­on mit ver­schie­de­nen Per­so­nen an­zu­eig­nen, müs­sen sie erst müh­sam er­ler­nen. Wie schnell dies ei­nem schüch­ter­nen Kind ge­lingt, kann ganz un­ter­schied­lich sein. Als El­tern müs­sen Sie je­doch nicht un­tä­tig da­bei zu­se­hen, son­dern Sie kön­nen es ak­tiv in die­sem Lern­pro­zess un­ter­stüt­zen. 

Bie­ten Sie Ih­rem schüch­ter­nen Kind Si­cher­heit


Für ein un­si­che­res, schüch­ter­nes Kind ist eine ver­läss­li­che, klar struk­tu­rier­te Um­ge­bung sehr wich­tig, ei­ner­seits für sein Wohl­be­fin­den, an­de­rer­seits auch für sei­ne Ent­wick­lung. An Ver­trau­tem kann es sich am bes­ten ori­en­tie­ren. Un­be­kann­tes hin­ge­gen ver­un­si­chert es. Ängst­li­che oder für an­de­re be­fremd­li­che Re­ak­tio­nen kön­nen die Fol­ge sein.

Gute Um­gangs­for­men ohne Druck


Schüch­ter­ne Kin­der ha­ben häu­fig Pro­blem mit der Höf­lich­keit. Ihr Kind traut sich viel­leicht nicht, um et­was zu bit­ten, sich zu be­dan­ken oder sich von je­man­dem zu ver­ab­schie­den. Für Sie als El­tern kann dies bis­wei­len sehr pein­lich sein. Es gibt zwei Mög­lich­kei­ten, dar­auf zu re­agie­ren: Ent­we­der, Sie ma­chen Druck und ver­lan­gen die Ein­hal­tung ge­wis­ser Höf­lich­keits­for­men. Die zwei­te Mög­lich­keit ist, den Druck weg­zu­neh­men, im Ver­trau­en dar­auf, dass das Kind die gu­ten Um­gangs­for­men im Lau­fe der Zeit mit Ih­rer Un­ter­stüt­zung ler­nen wird.

Das Pro­blem bei der ers­ten Mög­lich­keit ist, dass sich gute Um­gangs­for­men nicht ein­fach er­zwin­gen las­sen. An­stand und Höf­lich­keit sind nicht bloss an­trai­nier­te Flos­keln. Es geht viel­mehr dar­um, an­de­re Men­schen und ihre Ge­füh­le zu ach­ten und zu re­spek­tie­ren. Höf­lich­keit ist also in ers­ter Li­nie eine in­ne­re Wer­te­hal­tung, die El­tern ih­ren Kin­dern ver­mit­teln. Von Ih­nen als El­tern ist eine enor­me Ge­las­sen­heit ge­for­dert, wenn Sie gute Um­gangs­for­men ohne Druck ver­mit­teln wol­len. Si­tua­tio­nen, in de­nen sich Ihr Kind nicht so ver­hält, wie man es von ihm er­war­tet, dür­fen Ih­nen nicht pein­lich sein. 

Statt sich für ein un­freund­li­ches Kind im­mer wie­der ent­schul­di­gen zu müs­sen, be­steht die Mög­lich­keit, das Grüs­sen, Be­dan­ken oder Nach­fra­gen für Ihr Kind zu über­neh­men, bis es das sel­ber kann. Ge­hen Sie da­bei auf die glei­che Höhe wie Ihr Kind und fra­gen Sie es, ob es das sel­ber oder zu­sam­men mit Ih­nen ma­chen möch­te. So sind Sie ein gu­tes Vor­bild, ver­lie­ren Ihr Ge­sicht nicht und Ihr Kind macht wie­der­holt po­si­ti­ve Er­fah­run­gen durch die an­ge­neh­men Re­ak­tio­nen der an­de­ren Men­schen.

An­stand – war­um über­haupt?


Wich­tig ist, dass El­tern über­zeu­gend be­grün­den kön­nen, wozu es über­haupt An­stands­re­geln braucht. Ar­gu­men­tie­ren Sie also nicht nur, dass sich das ein­fach so ge­hört, oder dass man das halt ein­fach tut. Er­klä­ren Sie statt­des­sen, wel­che Ge­füh­le ein ge­wis­ses Ver­hal­ten bei der an­de­ren Per­son aus­lö­sen könn­te.

Das ei­ge­ne Vor­bild über­den­ken


Kin­der schau­en sich von ih­ren El­tern ab, wie man mit an­de­ren Men­schen um­geht. Sind die El­tern ängst­lich und zu­rück­hal­tend, kann sich die­ses Ver­hal­ten auch auf die Kin­der über­tra­gen. Wenn Ihr Kind mit Schüch­tern­heit zu kämp­fen hat, soll­ten Sie des­halb auch Ihr ei­ge­nes Ver­hal­ten kri­tisch hin­ter­fra­gen. 

Lo­ben, aber rich­tig


Hat das Kind den Mut auf­ge­bracht, eine Fra­ge zu be­ant­wor­ten oder sich bei je­man­dem zu be­dan­ken, hat es ein Lob ver­dient. Wich­tig ist, dass das Lob auf­rich­tig, aber nicht über­trie­ben ist. Sa­gen Sie nicht, Sie sei­en stolz auf Ihr Kind, weil es sich "ge­traut" hat, son­dern wei­sen Sie es dar­auf hin, wel­che po­si­ti­ve Re­ak­ti­on es bei sei­nem Ge­gen­über das aus­ge­löst hat. Zum Bei­spiel so: „Sieh nur, wie sehr sich die Frau ge­freut hat, weil du sie so nett ge­grüsst hast.“

Auf die Wort­wahl ach­ten


Es ist so schnell her­aus­ge­rutscht, wenn dem Kind kein „Dan­ke“ über die Lip­pen kom­men will: „Nun hab’ dich doch nicht so! Trau dich ein­fach. Ist doch wirk­lich nicht so schwer...“ Sol­che Wor­te ma­chen al­les nur noch schwie­ri­ger für das Kind. Es ist ja nicht so, dass es nicht will. Es kann nicht, weil ihm sei­ne Schüch­tern­heit im Wege steht. Drän­gen Sie nicht, son­dern ver­su­chen Sie, Ihr Kind zu un­ter­stüt­zen. Zum Bei­spiel, in­dem Sie ge­mein­sam mit ihm ein rea­lis­ti­sches Ziel set­zen und dann zur Be­loh­nung et­was Klei­nes un­ter­neh­men, was dem Kind be­son­ders viel Freu­de be­rei­tet. 

Freun­de fin­den trotz Schüch­tern­heit


Schüch­tern­heit ge­gen­über an­de­ren Kin­dern hat in vie­len Fäl­len zur Fol­ge, dass das Kind Mühe hat, Freun­de zu fin­den. Für El­tern ist dies oft nur schwer aus­zu­hal­ten. Den­noch soll­ten Sie erst ein­mal zu­war­ten und Ihr Kind nicht dazu drän­gen, auf an­de­re zu­zu­ge­hen. Da­durch könn­te es näm­lich erst recht ver­un­si­chert wer­den und sich noch mehr zu­rück­zie­hen. Wenn das Kind an­de­re erst ein­mal in Ruhe be­ob­ach­ten kann, fällt es ihm mög­li­cher­wei­se leich­ter, ers­te An­nä­he­rungs­schrit­te zu ma­chen, so­bald es sich dazu be­reit fühlt.

Grös­se­re Grup­pen stel­len für vie­le schüch­ter­ne Kin­der eine Über­for­de­rung dar. Ver­mut­lich kann Ihr Kind bes­ser Kon­takt knüp­fen, wenn Sie ei­nen Spiel­ka­me­ra­den zu sich nach Hau­se ein­la­den. In sei­ner ver­trau­ten Um­ge­bung fühlt sich Ihr Kind si­che­rer. Da­mit die Kin­der leich­ter zu­ein­an­der fin­den, ist es am bes­ten, wenn das an­de­re Kind etwa gleich alt ist und mög­lichst ähn­li­che In­ter­es­sen hat.

Das Kind neh­men, wie es ist


Es hilft nichts, sich ge­gen die Schüch­tern­heit auf­zu­leh­nen. Sie ist nun mal ein Merk­mal der Per­sön­lich­keit Ih­res Kin­des. Ak­zep­tie­ren Sie Ihr Kind so, wie es ist und bie­ten Sie ihm die Un­ter­stüt­zung, die es braucht, um sich in so­zia­len Si­tua­tio­nen zu be­wäh­ren. So wird es ihm am ehes­ten ge­lin­gen, sei­ne Schüch­tern­heit zu über­win­den, wenn es dazu be­reit ist.

Letzte Aktualisierung: 08.03.2021, JL / TV
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