Ge­walt in der Fa­mi­lie

Was un­ter­schei­det häus­li­che Ge­walt von an­de­ren Tät­lich­kei­ten? Und wo fin­den Be­trof­fe­ne Hil­fe und Schutz?

Zerbrochener Teller auf rotem Hintergrund
©
GettyImages

Das ei­ge­ne Zu­hau­se soll­te ein Ort der Si­cher­heit und Ge­bor­gen­heit sein. Für Men­schen, die häus­li­che Ge­walt er­le­ben, sind die ei­ge­nen vier Wän­de je­doch al­les an­de­re als si­cher. Hil­fe, um aus die­ser Si­tua­ti­on her­aus­zu­kom­men, ist enorm wich­tig - ins­be­son­de­re, wenn Kin­der mit­be­trof­fen sind. 

Was ver­steht man un­ter häus­li­cher Ge­walt?


Ge­walt­tä­tig­kei­ten in­ner­halb der Fa­mi­lie oder des Haus­halts kön­nen ganz un­ter­schied­li­che For­men an­neh­men. Bei häus­li­cher Ge­walt spie­len die fol­gen­den Merk­ma­le aber fast im­mer eine Rol­le:

  • Zwi­schen der ge­walt­aus­üben­den Per­son und dem Op­fer be­steht eine emo­tio­na­le und oft auch eine in­ti­me Be­zie­hung.

  • Zwi­schen Tä­ter und Op­fer gibt es ein Macht­ge­fäl­le. Da­bei muss es sich nicht im­mer um eine kör­per­li­che Über­le­gen­heit han­deln. Eine Per­son kann bei­spiels­wei­se auch über psy­chi­schen Druck, stren­ge Kon­trol­le der So­zi­al­kon­tak­te oder fi­nan­zi­el­le Ab­hän­gig­keit Macht aus­üben. 

  • Die Ge­walt­hand­lun­gen fin­den meis­tens im ei­ge­nen Zu­hau­se statt. Dies muss je­doch nicht be­deu­ten, dass Tä­ter und Op­fer am glei­chen Ort woh­nen. In Tren­nungs­si­tua­tio­nen dau­ert die Ge­walt oft an, wenn das Paar schon längst nicht mehr zu­sam­men wohnt. In man­chen Fäl­len set­zen die Ge­walt­hand­lun­gen auch erst nach der Tren­nung ein.

  • Häus­li­che Ge­walt ist ge­kenn­zeich­net durch eine be­son­de­re Dy­na­mik, die so­ge­nann­te "Ge­walt­spi­ra­le". Zwi­schen Op­fer und Tä­ter baut sich ein Kon­flikt auf, der schliess­lich in Ge­walt gip­felt. Nach der Ge­walt­tat zeigt die ge­walt­aus­üben­de Per­son zu­nächst Reue, ver­spricht, so et­was nie wie­der zu tun und es kommt zur Ver­söh­nung. Der Tä­ter über­nimmt je­doch kei­ne Ver­ant­wor­tung für die Tat, son­dern ge­langt zur Über­zeu­gung, das Op­fer (oder die äus­se­ren Um­stän­de) hät­ten ihn pro­vo­ziert. Das Op­fer wird so­mit für den Ge­walt­aus­bruch ver­ant­wort­lich ge­macht; es soll durch sein Ver­hal­ten ver­hin­dern, dass der Tä­ter wie­der die Kon­trol­le über sich ver­liert. Bei ei­nem nächs­ten Kon­flikt wird er sich durch ei­nen be­lie­bi­gen "Feh­ler" des Op­fers er­neut zur Ge­walt pro­vo­ziert se­hen. Mit der Zeit wer­den die Ab­stän­de zwi­schen den Aus­brü­chen im­mer kür­zer und die Ge­walt nimmt an In­ten­si­tät zu. Die­se Spi­ra­le kann nur durch­bro­chen wer­den, wenn die ge­walt­aus­üben­de Per­son lernt, die Ver­ant­wor­tung für ihr Han­deln zu über­neh­men und Hil­fe in An­spruch nimmt.

Sta­tis­ti­ken zei­gen, dass Frau­en mit Ab­stand am häu­figs­ten Op­fer von häus­li­cher Ge­walt wer­den. Kin­der, die in ei­nem von Ge­walt­tä­tig­keit ge­präg­ten El­tern­haus auf­wach­sen, sind eben­falls stark be­trof­fen. Ei­ner­seits, weil das, was sie mit­er­le­ben, sich ne­ga­tiv auf ihre Ent­wick­lung aus­wirkt. An­de­rer­seits, weil sie oft auch sel­ber kör­per­lich oder psy­chisch miss­han­delt wer­den. 

Trotz die­ser Tat­sa­chen darf nicht ver­ges­sen ge­hen: Män­ner kön­nen eben­falls Op­fer von häus­li­cher Ge­walt wer­den. Häus­li­che Ge­walt ist auch nicht an ein be­stimm­tes Al­ter ge­bun­den. Se­nio­rin­nen, die in der Fa­mi­lie ge­pflegt wer­den kön­nen eben­so be­trof­fen sein wie Ju­gend­li­che in ei­ner Paar­be­zie­hung oder El­tern, die Miss­hand­lun­gen durch ihre halb­wüch­si­gen Kin­der er­le­ben. Zu­dem gibt es in al­len so­zia­len Schich­ten Fa­mi­li­en­be­zie­hun­gen, die durch Ge­walt ge­prägt sind. 

Wel­che For­men von häus­li­cher Ge­walt gibt es? 


Wenn von häus­li­cher Ge­walt die Rede ist, den­ken vie­le zu­erst an eine kör­per­lich do­mi­nan­te Per­son, die eine schwä­che­re Per­son mit Faust­schlä­gen und Fuss­trit­ten trak­tiert. Doch Ge­walt zeigt sich in ganz un­ter­schied­li­chen For­men, die nicht alle gleich leicht zu er­ken­nen sind - auch für die di­rekt da­von Be­trof­fe­nen nicht.

Kör­per­li­che Ge­walt

Die­se Form ist si­cher am ein­fachs­ten zu er­ken­nen, denn sie zeigt sich in Hand­lun­gen, die wir ganz klar als ge­walt­tä­tig wahr­neh­men: Schlä­ge, Ohr­fei­gen, Trit­te, Stos­sen, Wür­gen, Ge­gen­stän­de nach­wer­fen, Beis­sen, Krat­zen, Zu­fü­gen von Ver­let­zun­gen, Fes­seln etc. Im schlimms­ten Fall en­det kör­per­li­che Ge­walt in ei­nem Tö­tungs­de­likt. 

Se­xu­el­le Ge­walt

Zur se­xu­el­len Ge­walt zäh­len alle Ar­ten von er­zwun­ge­nen se­xu­el­len Hand­lun­gen so­wie grenz­ver­let­zen­des Ver­hal­ten mit se­xu­el­lem Be­zug - also nicht al­lei­ne se­xu­el­ler Miss­brauch, se­xu­el­le Nö­ti­gung und Ver­ge­wal­ti­gung. Auch se­xu­el­le Be­läs­ti­gung, un­er­wünsch­te Be­rüh­run­gen und Küs­se, das er­zwun­ge­ne An­schau­en von por­no­gra­fi­schen Bil­dern oder Fil­men, das Drän­gen zu un­er­wünsch­tem Ge­schlechts­ver­kehr etc. zäh­len zu den Se­xu­al­de­lik­ten. Se­xu­el­le Be­läs­ti­gung wird je­doch nur dann straf­recht­lich ver­folgt, wenn das Op­fer die Straf­tat an­zeigt.

Psy­chi­sche Ge­walt

Psy­chi­sche Ge­walt ver­ur­sacht viel Leid, ist aber oft schwie­rig nach­zu­wei­sen, da sie sehr sub­til sein kann und kei­ne sicht­ba­ren Spu­ren hin­ter­lässt. Sie äus­sert sich in ste­ti­gen De­mü­ti­gun­gen, Ab­wer­tung, Ein­schüch­te­rung, Dro­hun­gen oder dem Er­zeu­gen von Schuld­ge­füh­len. Auch aus­ge­präg­te Ei­fer­sucht, psy­chi­scher Ter­ror oder das Quä­len ei­nes Haus­tiers zäh­len zur psy­chi­schen Ge­walt.

Stal­king wird oft eben­falls zu den psy­chi­schen Ge­walt­for­men ge­zählt. Da­bei han­delt es sich je­doch um ein sehr fa­cet­ten­rei­ches Phä­no­men, das ganz un­ter­schied­lich aus­ge­prägt sein kann. Wäh­rend in ei­nem Fall die Hand­lun­gen vor al­lem der psy­chi­schen Ge­walt zu­ge­ord­net wer­den kön­nen, wird in ei­nem an­de­ren Fall auch kör­per­li­che Ge­walt ein­ge­setzt. Die ein­zel­nen Ta­ten mö­gen für sich al­lei­ne ein­fach als läs­tig und müh­sam er­schei­nen - in ih­rer Ge­samt­heit sind sie für Be­trof­fe­ne je­doch äus­serst be­droh­lich und ein­schrän­kend. 

So­zia­le Ge­walt

Hier­bei wird das Op­fer dar­in ein­ge­schränkt, wie es sein So­zi­al­le­ben ge­stal­tet. Kon­tak­te mit aus­sen­ste­hen­den Per­so­nen wer­den kon­trol­liert oder gar ver­bo­ten; zu­wei­len wird auch die gan­ze Fa­mi­lie in die so­zia­le Iso­la­ti­on ge­drängt, um Aus­sen­kon­tak­te zu ver­hin­dern. 

Wirt­schaft­li­che Ge­walt

Hier­bei wird das Op­fer in sei­ner wirt­schaft­li­chen Frei­heit be­schnit­ten, bei­spiels­wei­se, in­dem es zur Ar­beit ge­zwun­gen wird oder in­dem ihm das Aus­üben ei­ner be­ruf­li­chen Tä­tig­keit ver­bo­ten wird. Auch wenn eine Per­son die an­de­re dazu zwingt, den Lohn ab­zu­ge­ben, die fi­nan­zi­el­len Mit­tel stark ein­schränkt oder bis ins De­tail kon­trol­liert, wo­für das Geld aus­ge­ge­ben wird, han­delt es sich um wirt­schaft­li­che Ge­walt. 

Nor­ma­ler Streit oder häus­li­che Ge­walt?


Streit kommt in den bes­ten Fa­mi­li­en vor - und je nach Tem­pe­ra­ment der Be­tei­lig­ten kann so ein Kon­flikt auch mal recht laut und hef­tig sein. Doch selbst wenn bei ei­nem Streit alle Si­che­run­gen durch­bren­nen und die Ak­teu­re hand­greif­lich wer­den, muss es sich da­bei nicht un­be­dingt um häus­li­che Ge­walt han­deln. Bei ei­nem "ge­wöhn­li­chen" Streit fin­det der Kon­flikt auf Au­gen­hö­he statt,  selbst dann, wenn es ein­mal rau zu­geht.

Häus­li­che Ge­walt hin­ge­gen ist durch das oben er­wähn­te Macht­ge­fäl­le und die sich im­mer wei­ter dre­hen­de Ge­walt­spi­ra­le ge­kenn­zeich­net. Das Op­fer er­lebt die Tät­lich­kei­ten als be­ängs­ti­gend und be­droh­lich und sieht sich nicht in der Lage, sich zu weh­ren und der Ge­walt Ein­halt zu ge­bie­ten. 

Dies be­deu­tet je­doch kei­nes­wegs, dass Ge­walt in Ord­nung ist, so­fern die Streit­par­tei­en sich eben­bür­tig sind. Auch eine ein­ma­li­ge spon­ta­ne Ge­walt­hand­lung kann schlim­me Fol­gen ha­ben. Zu­dem sind sol­che wie­der­hol­ten hef­ti­gen Strei­tig­kei­ten für Kin­der, die sie mit­er­le­ben müs­sen, sehr be­las­tend. Eine gute Streit­kul­tur zu ent­wi­ckeln und zu ler­nen, Kon­flik­te auf eine fai­re Wei­se zu lö­sen, ist des­halb enorm wich­tig. 

Häus­li­che Ge­walt und Kin­der


Es gibt zwei Ar­ten, wie Kin­der häus­li­cher Ge­walt aus­ge­setzt sein kön­nen: Ei­ner­seits, in­dem sie sel­ber kör­per­lich oder psy­chisch miss­han­delt wer­den, se­xu­el­len Miss­brauch er­le­ben oder kör­per­lich und emo­tio­nal ver­nach­läs­sigt wer­den. An­de­rer­seits, in­dem sie mit­er­le­ben müs­sen, wie an­de­ren in der Fa­mi­lie Ge­walt an­ge­tan wird.

Kin­der sind also auch Op­fer von häus­li­cher Ge­walt, wenn sie ge­walt­tä­ti­ge Hand­lun­gen di­rekt oder aus dem Ne­ben­raum mit­be­kom­men. Wenn sie in die Si­tua­ti­on mit hin­ein­ge­zo­gen wer­den, z. B. in­dem sie ver­su­chen, das Op­fer zu schüt­zen oder den Tä­ter zu stop­pen. Wenn sie mit­er­le­ben müs­sen, wie die Po­li­zei ein­schrei­tet oder dazu ge­zwun­gen sind, sich ge­mein­sam mit dem Op­fer in Si­cher­heit zu brin­gen. Wenn sie nach ei­ner Tren­nung zum Spiel­ball der un­ter­schied­li­chen In­ter­es­sen von Mut­ter und Va­ter wer­den und im­mer wie­der mit­er­le­ben müs­sen, wie es bei der Über­ga­be am Be­suchs­wo­chen­en­de zu span­nungs­ge­la­de­nen Si­tua­tio­nen kommt. 

All dies stellt eine hohe psy­chi­sche Be­las­tung dar. Die­se zeigt sich je nach Al­ter ei­nes Kin­des auf un­ter­schied­li­che Wei­se, bei­spiels­wei­se in Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten, ag­gres­si­vem Auf­tre­ten, Rück­zug oder Ängst­lich­keit. Auch auf die kör­per­li­che Ge­sund­heit und die schu­li­schen Leis­tun­gen kön­nen sich die­se Er­fah­run­gen aus­wir­ken. Bei Kin­dern, die häus­li­che Ge­walt (mit)er­le­ben, be­steht aus­ser­dem ein er­höh­tes Ri­si­ko, dass sie als Er­wach­se­ne sel­ber Tä­ter oder Op­fer wer­den. 

Was sind die Fol­gen von häus­li­cher Ge­walt?


Die Fol­gen von er­leb­ter Ge­walt sind ein­schnei­dend. Un­mit­tel­bar kön­nen dies kör­per­li­che Ver­let­zun­gen sein, aber auch psy­chi­sche Fol­ge­pro­ble­me wie Schlaf­stö­run­gen, Ängs­te oder Kon­zen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten. Die Ge­sund­heit kann durch Ge­walt­er­fah­run­gen auch lang­fris­tig be­ein­träch­tigt sein: De­pres­sio­nen, Angst­stö­run­gen, post­trau­ma­ti­sche Be­las­tungs­stö­run­gen, psy­cho­so­ma­ti­sche Be­schwer­den etc. kön­nen noch Jah­re spä­ter auf­tre­ten. Vie­le Be­trof­fe­ne ha­ben zu­dem ein er­höh­tes Ri­si­ko für ge­sund­heits­schä­di­gen­den Sucht­mit­tel­kon­sum und Me­di­ka­men­ten­miss­brauch.

Auch die so­zia­len Aus­wir­kun­gen sind be­trächt­lich. Dies nicht nur, wenn der Tä­ter die So­zi­al­kon­tak­te des Op­fers ein­schränkt. Durch Tren­nung, Um­zug, Wech­sel der Ar­beits­stel­le, Schul­wech­sel etc. geht das so­zia­le Netz ver­lo­ren und muss wie­der neu auf­ge­baut wer­den. So­wohl die­se ein­schnei­den­den Ver­än­de­run­gen im Fa­mi­li­en­le­ben als auch die ge­sund­heit­li­chen Pro­ble­me kön­nen sich ne­ga­tiv auf das Ein­kom­men aus­wir­ken. Wenn das Geld knapp ist, wird es erst recht schwie­rig, sich am So­zi­al­le­ben zu be­tei­li­gen. Da­durch kön­nen be­trof­fe­ne Fa­mi­li­en in die so­zia­le Iso­la­ti­on ge­ra­ten. 

Wo be­kom­men Be­trof­fe­ne Hil­fe?


Ge­walt ist für vie­le Men­schen ein Ta­bu­the­ma - erst recht, wenn die­se Ge­walt von je­man­dem aus­geht, der ei­nem nahe steht. Oft droht die ge­walt­tä­ti­ge Per­son mit schlim­men Kon­se­quen­zen, um das Op­fer dar­an zu hin­dern, Hil­fe zu su­chen. Lei­der fin­den Be­trof­fe­ne in ih­rem per­sön­li­chen Um­feld auch nicht im­mer das Ver­ständ­nis und die Un­ter­stüt­zung, die sie nö­tig hät­ten. All dies macht es schwie­rig, das The­ma mit ei­ner Ver­trau­ens­per­son an­zu­spre­chen.

Oft ist es ein­fa­cher, sich an eine Op­fer­hil­fe-Be­ra­tungs­stel­le zu wen­den. Dort kön­nen ge­walt­be­trof­fe­ne Per­so­nen ihre Si­tua­ti­on schil­dern und sich be­ra­ten las­sen, wie es wei­ter­ge­hen soll. Die Fach­leu­te kön­nen zu­dem An­ge­bo­te für ju­ris­ti­sche Un­ter­stüt­zung, psy­cho­lo­gi­sche Be­treu­ung und fi­nan­zi­el­le Hil­fe ver­mit­teln. Falls nö­tig hel­fen sie Be­trof­fe­nen auch, ei­nen si­che­ren Ort für sich und die Kin­der zu fin­den. 

Im Fal­le ei­ner aku­ten Be­dro­hung oder Ge­walt­si­tua­ti­on ist es wich­tig, die Po­li­zei zu ver­stän­di­gen (Not­ruf 117). Die­se kann nicht nur ein­schrei­ten, son­dern auch so­fort wirk­sa­me Schutz­mass­nah­men in die Wege lei­ten. 

Die Schwei­zer Kri­mi­nal­prä­ven­ti­on rät zu­dem, per­sön­lich wich­ti­ge Din­ge wie Rei­se­pass, Iden­ti­täts­kar­te, den Zu­gang zum Bank­kon­to, die Auf­ent­halts­be­wil­li­gung etc. an ei­nem si­che­ren Ort auf­zu­be­wah­ren. Für den Fall, dass es nö­tig wer­den soll­te, die Woh­nung zu ver­las­sen, soll­te eine Ta­sche mit den al­ler­wich­tigs­ten Sa­chen ge­packt sein. 

Was kön­nen na­he­ste­hen­de Per­so­nen tun? 


Ein­schrei­ten oder nicht? - Die­se Fra­ge be­schäf­tigt vie­le, die den Ver­dacht ha­ben, je­mand könn­te von häus­li­cher Ge­walt be­trof­fen sein. In ei­ner aku­ten Be­dro­hungs­si­tua­ti­on soll­ten Nach­barn, Freun­de und Ver­wand­te auf kei­nen Fall un­tä­tig blei­ben. Al­ler­dings kann es ge­fähr­lich sein, sich ein­zu­mi­schen und den Tä­ter auf­hal­ten zu wol­len. Bes­ser ist es, um­ge­hend die Po­li­zei zu alar­mie­ren.

Doch auch wenn die Be­dro­hung nicht un­mit­tel­bar ist, soll­ten na­he­ste­hen­de Per­so­nen nicht ein­fach weg­schau­en und hof­fen, dass an dem Ver­dacht schon nichts dran sein wird. Es ist wich­tig, das The­ma an­zu­spre­chen, wenn sich die Ge­le­gen­heit dazu bie­tet. Oft braucht es viel Ge­duld und Ver­ständ­nis, eine ge­walt­be­trof­fe­ne Per­son zu be­glei­ten, denn im ers­ten Mo­ment ist sie viel­leicht noch nicht be­reit, sich zu öff­nen. Den Mut zu fas­sen, aus der oben be­schrie­be­nen Ge­walt­spi­ra­le aus­zu­bre­chen, ist nicht ein­fach - zu­mal ja auf jede Es­ka­la­ti­on das Ver­spre­chen folgt, von nun an wer­de sich al­les bes­sern. Fürs Ers­te kön­nen na­he­ste­hen­de Per­so­nen oft nicht mehr tun, als ein of­fe­nes Ohr zu ha­ben, Adres­sen für Be­ra­tungs­stel­len wei­ter­zu­ge­ben und ei­nen si­che­ren Zu­fluchts­ort an­zu­bie­ten, für den Fall, dass die Si­tua­ti­on wie­der es­ka­liert. 

Be­steht der Ver­dacht, dass ein Kind von häus­li­cher Ge­walt be­trof­fen sein könn­te, sind der El­tern­not­ruf so­wie die Kin­der­schutz­grup­pen di­ver­ser Spi­tä­ler die ers­ten An­lauf­stel­len. Die­se be­ra­ten nicht nur Fach­leu­te, son­dern auch Pri­vat­per­so­nen, die sich um das Wohl ei­nes Kin­des sor­gen. 

Was tun, wenn Sie sel­ber zu Ge­walt­hand­lun­gen nei­gen?


Es ist sehr schwie­rig und schmerz­haft, sich sel­ber ein­zu­ge­ste­hen, dass man dazu neigt, Ge­walt aus­zu­üben. Doch die­ses Ein­ge­ständ­nis ist zen­tral, wenn die Ge­walt ein Ende fin­den soll. In der gan­zen Schweiz exis­tie­ren Fach­stel­len für Ge­walt­be­ra­tung, wel­che Be­ra­tung, Lern­pro­gram­me und teil­wei­se auch The­ra­pi­en für ge­walt­aus­üben­de Per­so­nen an­bie­ten. Die Teil­nah­me an sol­chen Pro­gram­men wird oft­mals ge­richt­lich an­ge­ord­net. An vie­len Or­ten be­steht je­doch auch die Mög­lich­keit, frei­wil­lig von den An­ge­bo­ten Ge­brauch zu ma­chen, um zu ler­nen, das ge­walt­tä­ti­ge Ver­hal­ten zu än­dern. 

Letzte Aktualisierung: 23.01.2023, TV