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Kind umarmt seinen Hund
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Auch leich­te Hun­de­bis­se vom Arzt be­han­deln las­sen


Die Sta­tis­tik bei Biss­ver­let­zun­gen ist ein­deu­tig: In fast je­dem zwei­ten Fall (43,8%) war ein Hund der Tä­ter, nur 3,9 Pro­zent der Kin­der wur­den von ei­ner Kat­ze ge­bis­sen. Bei 43,6 Pro­zent stamm­te die Ver­let­zung von ei­nem an­de­ren Kind oder von ei­nem ei­ge­nen Biss auf die Lip­pe, die Zun­ge oder in die Wan­ge des Kin­des. In den meis­ten Fäl­len ge­schieht die Biss­ver­let­zung üb­ri­gens zu Hau­se und durch den ei­ge­nen Hund. Be­kann­te Hun­de bis­sen am häu­figs­ten in die Wan­ge des Kin­des, frem­de Hun­de be­vor­zug­ten den Ober­schen­kel.

Wird ein Kind trotz al­ler Vor­sichts­mass­nah­men von ei­nem Hund ge­bis­sen, soll­ten El­tern mit ihm zum Arzt. „Selbst durch klei­ne Ver­let­zun­gen kön­nen mit dem Tier­spei­chel Krank­heits­er­re­ger in die Wun­de ge­lan­gen“, er­läu­tert Ul­rich Fe­geler vom Be­rufs­ver­band der Kin­der- und Ju­gend­ärz­te in Köln. "El­tern soll­ten die Biss­wun­de un­ter hand­war­mem, flies­sen­dem Was­ser rei­ni­gen und an­schlies­send mit ei­ner ste­ri­len Mull­kom­pres­se ab­de­cken. Hun­de­biss­ver­let­zun­gen sind meist Reiss-/Quet­sch­wun­den, die fach­ärzt­lich ver­sorgt wer­den müs­sen."

Oft ist eine (kin­der-)chir­ur­gi­sche Be­hand­lung der Wun­de un­um­gäng­lich. Da­bei wird die Wun­de ge­säu­bert, mit Koch­salz­lö­sung aus­ge­spült, vom zer­ris­se­nen Ge­we­be be­freit und mit ei­ner Naht ver­schlos­sen. Um der Ent­wick­lung ei­ner schwe­ren In­fek­ti­on vor­zu­beu­gen – die­se Ge­fahr be­steht bei je­dem fünf­ten Biss­un­fall und be­son­ders bei
Wun­den, die grös­ser sind als drei Zen­ti­me­ter – wer­den die meis­ten Kin­der nach der ope­ra­ti­ven Ver­sor­gung ih­rer Wun­den pro­phy­lak­tisch mit An­ti­bio­ti­ka be­han­delt und wenn nö­tig ge­gen Te­ta­nus ge­impft. El­tern neh­men des­halb am bes­ten den Impf­pass des Kin­des mit zum Arzt.

Auch un­kom­pli­zier­te Biss­wun­den soll­ten spä­tes­tens nach 48 Stun­den ärzt­lich kon­trol­liert wer­den. Eine so­for­ti­ge Vor­stel­lung beim Arzt ist not­wen­dig, wenn Sym­pto­me auf­tre­ten wie Rö­tung, Schwel­lung, Schmer­zen, Stö­run­gen der Sen­si­bi­li­tät oder eine Ein­schrän­kung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des be­trof­fe­nen Kör­per­teils.

Für Toll­wut be­steht in der Schweiz bei Haus- und Wild­tie­ren zur­zeit kaum eine Ge­fahr, doch es gibt Ein­zel­fäl­le von an Toll­wut er­krank­ten Fle­der­mäu­sen. Grund­sätz­lich muss also si­cher­ge­stellt sein, dass der Biss nicht von ei­nem an Toll­wut er­krank­ten Hund stamm­te. Nur wenn die Haut nicht ver­letzt wur­de, be­steht laut Fe­geler kei­ne In­fek­ti­ons­ge­fahr.

Kin­der ha­ben im Ver­gleich zu Er­wach­se­nen ein um das Drei­fa­che er­höh­tes Ri­si­ko, von ei­nem Hund ver­letzt zu wer­den – vor al­lem am Kopf, da die­ser sich oft auf glei­cher Höhe mit dem Hund be­fin­det. Über die Hälf­te al­ler min­der­jäh­ri­gen Hun­de­biss­op­fer sind Kin­der un­ter fünf Jah­ren. Be­son­ders ge­fähr­det sind Drei­jäh­ri­ge. Da­bei sind es nicht nur frem­de Hun­de oder Kampf­hun­de, die nach Kin­dern schnap­pen. "Die meis­ten Hun­de re­agie­ren ag­gres­siv, wenn sie Angst ha­ben oder sich be­droht füh­len, zum Bei­spiel, wenn sie beim Schla­fen oder beim Fres­sen ge­stört wer­den, oder wenn das Kind sie zu hef­tig lieb­kost oder är­gert", sagt der Kin­der- und Ju­gend­arzt. Er rät El­tern, ih­rem Kind des­halb mög­lichst früh den Re­spekt vor Tie­ren bei­zu­brin­gen und es bis etwa zum Al­ter von sie­ben Jah­ren nicht al­lei­ne mit ei­nem Hund zu las­sen. Kin­der soll­ten sich dem Hund im­mer vor­sich­tig nä­hern – und un­be­kann­ten Hun­den nur mit vor­he­ri­ger Er­laub­nis des Be­sit­zers.

At­ta­ckiert ein Hund ein Kind, sind fol­gen­de Re­geln hilf­reich: Es soll­te still­ste­hen, nicht schrei­en, Arme und Hän­de hän­gen las­sen, Blick ab­wen­den und al­les fal­len las­sen, was es in den Hän­den hält. Wenn der Hund es um­wirft oder wenn es vor dem Hund hin­ge­fal­len ist, soll­te es sich klein ma­chen, also zu­sam­men­rol­len oder flach mit dem Bauch zum Bo­den lie­gen blei­ben, und mit bei­den Hän­den den Na­cken schüt­zen ("sich tot stel­len").

Quel­le: dpa/tmn

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Letzte Aktualisierung: 23.03.2020, BH
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