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Recht auf ei­nen Be­rufs­wech­sel bzw. Zweit­aus­bil­dung für den Un­ter­halts­zah­ler?

Die Zahl der al­lein­er­zie­hen­den El­tern mit Kin­dern un­ter 16 Jah­ren ist ste­tig ge­wach­sen. Der El­tern­teil, der sel­ber nicht mit dem Kind zu­sam­men lebt, muss ei­nen Bei­trag in Geld an den Un­ter­halt des Kin­des leis­ten (Art. 276 Abs. 1 ZGB).

Hier ge­rät der zah­len­de El­tern­teil, wenn ein Be­rufs­wech­sel oder eine Zweit­aus­bil­dung an­ge­strebt wird, oft­mals in eine Kol­li­si­on zwi­schen Kin­des­un­ter­halt­pflicht und freie Selbst­ver­wirk­li­chung, da nur noch tie­fe­re oder kei­ne Ali­men­te be­zahlt wer­den kön­nen. Die­se re­la­tiv häu­fig vor­kom­men­de Kon­stel­la­ti­on stellt Ge­rich­te und Be­hör­den vor die Fra­ge, ob nun das Recht des Kin­des auf Un­ter­halt oder das Recht auf freie Selbst­ver­wirk­li­chung des zah­len­den El­tern­teils hö­her zu ge­wich­ten sei.

In der schwei­ze­ri­schen Bun­des­ver­fas­sung steht, dass Kin­der und Ju­gend­li­che An­spruch auf be­son­de­ren Schutz ih­rer Un­ver­sehrt­heit und auf För­de­rung ih­rer Ent­wick­lung ha­ben (Art. 11 Abs. 1 BV). Folg­lich muss das Kin­des­wohl so­wohl dem Ge­setz­ge­ber wie auch den rechts-an­wen­den­den Be­hör­den be­son­ders am Her­zen lie­gen, ins­be­son­de­re wenn die Kin­der noch min­der­jäh­rig sind.

Wer die fa­mi­liä­re Un­ter­hals­pflicht ver­nach­läs­sigt, ob­wohl er über die Mit­tel ver­fügt oder ver­fü­gen könn­te, macht sich straf­bar. Auf An­trag, wird die Nicht­er­fül­lung mit ei­ner Frei­heits-stra­fe bis zu 3 Jah­ren oder Geld­stra­fe be­straft (Art. 217 Abs.1 StGB). Dar­aus folgt, dass der Schuld­ner der Kin­dera­li­men­te dar­auf be­dacht sein muss, sei­nen an­ge­stamm­ten Be­ruf nicht für eine Zweit­aus­bil­dung oder ei­nen Be­rufs­wech­sel auf­zu­ge­ben, falls er da­durch nicht mehr für den bis­he­ri­gen Kin­des­un­ter­halt auf­kom­men könn­te. Soll­te der Un­ter­halts­zah­ler sich den­noch (frei­wil­lig) für ei­nen Be­rufs­wech­sel oder eine Zweit­aus­bil­dung ent­schei­den, muss er sei­nem Kind wei­ter­hin ad­äqua­te Un­ter­halts­bei­trä­ge zah­len, die auf sei­nem bis­he­ri­gen Ein­kom­men ba­sie­ren. Eine Ein­kom­mens­bus­se wür­de für die Be­ur­tei­lung der Leis­tungs­fä­hig­keit un­be­ach­tet blei­ben und das Ge­richt geht von ei­nem hy­po­the­ti­schen Ein­kom­men aus. So­mit wird das Recht der Selbst­ver­wirk­li­chung bzw. freie Be­rufs­wahl zu­guns­ten des Kinds­woh­les be­schränkt.

Quel­le: Dr. Ch. Her­zig, Jus­let­ter 1.10.2012

Letzte Aktualisierung: 21.05.2018, CF / NK

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