Der Fliegergriff: Hilfe bei Koliken
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Bauchkrämpfe (Koliken)

Koliken sind schmerzhafte Krämpfe im Bauch, die häufig durch Blähungen verursacht werden. Die Bauchkrämpfe beginnen manchmal bereits in den zwei ersten Lebenswochen, meist aber im zweiten Monat und verschwinden oft erst im vierten Lebensmonat. Im Volksmund werden sie deshalb oft Dreimonats-Koliken genannt. Knaben sind häufiger betroffen als Mädchen.

Was steckt hinter den Bauchkrämpfen?

Die Ursache von Koliken ist nicht eindeutig geklärt. Wahrscheinlich kommt es aufgrund der Unreife des Verdauungstrakts und des Nervensystems vermehrt zu Blähungen, verstärkt werden sie durch hastiges Trinken und Luftschlucken, z.B. durch einen zu grossen Sauger an der Schoppenflasche oder eine falsche Anlegetechnik oder zu volle Brüste beim Stillen. Auch eine Kuhmilchunverträglichkeit kann eine Rolle spielen.

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Das ist typisch für Koliken

Die Anfälle spielen sich vorwiegend in den Abendstunden nach dem Stillen ab. Ein Koliken-Baby schreit herzzerreissend, verzieht das Gesicht und ist kaum zu beruhigen. Es zieht die Beine entweder eng an den Körper oder streckt sie aus, als ob die Schmerzen dadurch etwas erträglicher würden. Das Gesicht läuft rot an. Zwischen den Anfällen sind die Kinder schwach und zittern. Es gehen vermehrt Winde ab, was dem Kind zeitweilig etwas Erleichterung verschafft.

Koliken treten meist bei Kindern auf, die ansonsten völlig gesund sind. Es kann aber auch eine ernsthafte Erkrankung dahinterstecken, z.B. ein Darmverschluss. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind an Koliken leidet, sollten Sie in jedem Fall Ihren Kinderarzt, Ihre Kinderärztin oder Ihre Mütterberaterin informieren.

Gelassen bleiben!

Versuchen Sie, die Situation gelassen zu akzeptieren und Ihrem Kind zu helfen. Geben Sie vor allem nicht sich selbst die Schuld. Denken Sie daran, dass die Beschwerden in ein paar Wochen wieder verschwunden sind. Dies ist leicht gesagt, denn ein schwer zu beruhigendes, an Koliken leidendes Baby kann eine grosse Belastung für die Eltern und den gesamten Haushalt werden. Versuchen Sie es dennoch, denn je gestresster Sie sind, umso unruhiger wird wiederum das Baby.

Das hilft Ihrem Baby bei Bauchweh

Gegen die berühmt-berüchtigten Dreimonats-Koliken mit den vor allem abends auftretenden Schreistunden gibt es kein Wundermittel. Hat Ihr Kinderarzt oder Ihre Kinderärztin keine krankhafte Ursache hinter den Blähungen gefunden, können Sie aber wenigstens damit rechnen, dass sich diese schwierige Zeit nur ungefähr über die ersten zwölf Wochen hinzieht.

Einige Tipps, wie Sie Ihrem Baby ein wenig Erleichterung verschaffen können:

  • Massieren Sie sanft den Bauch des Kindes im Uhrzeigersinn. Bewegen Sie dabei nur die Bauchdecken, nicht aber den Darmbereich.
  • Achten Sie darauf, dass das Kind immer mit den Füssen gegen einen Gegenstand (Kissen, Bettbegrenzung, beim Tragen Ihre Hand oder Ihr Bauch) strampeln kann, dadurch werden die Bauchmuskeln und damit auch die Verdauung angeregt und das Kind hat einen Widerstand beim Herausdrücken von Stuhlgang und Luft. Auch eine regelmässige Fussmassage wirkt sehr wohltuend.
  • Legen Sie das Kind bäuchlings auf eine Wärmflasche (am besten: kleine Bettflasche für Säuglinge) mit warmem, aber nicht heissem Wasser oder auf ein angewärmtes Kirschkernkissen. Lassen Sie Ihr Kind aber in dieser Position nicht unbeaufsichtigt schlafen.
  • Tragen Sie Ihr Baby herum. Legen Sie es dabei mit dem Bauch nach unten auf Ihren Unterarm (Fliegergriff).
  • Machen Sie mit Ihrem Kind eine Spazierfahrt mit dem Kinderwagen. Das wird es ablenken.
  • Tragen Sie Ihr Kind (auch vorbeugend) im Tragtuch oder in einer andern Tragehilfe.
  • Lassen Sie Ihr Baby probeweise in einer Baby-Hängematte schlafen. Vielleicht können sie eine solche im Freundeskreis ausleihen.
  • Bei manchen Babys funktioniert das „Abhalten“ recht gut - eine Haltetechnik, die auch bei "windelfrei" eingesetzt wird. Dabei stützen die Eltern ihr unten nacktes Baby an den Oberschenkeln, lehnen seinen Oberkörper/Rücken gegen den eigenen Bauch und geben ihm so den Halt, den es selbst noch nicht hat. Überflüssige und quälende Luft im Darm kann so entweichen.
  • Geben Sie ihm einen Nuggi zum Saugen.
  • Verzichten Sie auf blähende Lebensmittel wie Kohl, Zwiebeln und Hülsenfrüchte in Ihrer Nahrung, wenn Sie stillen. Weitere Tipps zur Ernährung in der Stillzeit.
  • Vermeiden Sie als stillende Mutter in Ihrer Ernährung für einige Zeit Kuhmilchprodukte. Vielleicht reagiert Ihr Baby indirekt auf den Milchzucker (Laktose), die mithilfe von Bakterien im Darm zu Gas umgewandelt wird.
  • Aus diesem Grund sollten Sie auch immer erst eine Brust leer trinken lassen und dann erst wechseln. Die erste Milchportion enthält mehr Milchzucker als die spätere Portion aus derselben Brust.
  • Wenn Sie stillen, trinken Sie täglich ca. 3 Tassen Fenchel-, Still- oder Entblähungstee. Das genaue Rezept für einen speziellen Entblähungstee finden Sie in unserer Zusammenstellung altbewährter Hausmittel.
  • Wenn Ihr Kind den Schoppen bekommt, können Sie diesen mit Fencheltee zubereiten. Verwenden Sie einfach anstatt Wasser dieselbe Menge leichten Fencheltee (nur ungesüsst), um das Säuglingsmilchpulver einzurühren.
  • Besprechen Sie die Situation mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer Mütterberaterin, um sich weitere Hilfe zu holen. Eventuell könnte auch ein Arzneimittel in Tropfenform helfen, das Ihnen Ihr Arzt, Ihre Ärztin verschreiben kann.
  • Manche Kinderärzte und -innen empfehlen ein Mittel aus England, genannt Gripe Water (besteht aus Sternanisöl), erhältlich z.B. in der St. Peter Apotheke in Zürich oder in der Apotheke in Ihrer Nähe auf Bestellung. Nach dem Stillen oder Schoppen oder nach Bedarf wird dem Kind vom 1. bis 6. Monat 5 ml (1 Teelöffel) direkt eingegeben. Maximal 6 mal täglich eingeben, die Wirkung sollte innert 10 Minuten eintreten. Ältere Kinder erhalten jeweils 1 bis 2 Teelöffel, maximal 6 mal täglich.
  • Gut hilft auch das "Bäuchleinöl" von Weleda, welches man sanft einreiben kann.
  • Holen Sie sich Entlastung - und zwar wann immer es geht. Schon nach ein, zwei Stunden ohne ein schreiendes Kind können Sie das ganze Problem gelassener sehen. Tipps dazu finden Sie im Thema "Schreibaby".

Video

Dr. Robert Hamilton, Kinderarzt in Santa Monica, Californien, demonstriert einen Haltegriff, mit dem in kürzester Zeit ein schreiendes Baby beruhigt werden kann - "The Hold":

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Letzte Aktualisierung : 01-07-20, BH

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