Frau mit Tattoo auf der Schulter und dem Rücken

Wie sicher sind Tätowierungen?

Etwa 100 Millionen Menschen in Europa haben eine oder mehrere Tätowierungen. Sie haben sich laut einer Übersicht in der medizinischen Fachzeitschrift "Lancet" nicht nur während des Tätowierens einem Infektionsrisiko (v.a. Hepatitis B) ausgesetzt. Auch die lebenslange Einwirkung der verwendeten Farbstoffe könnte mit Gesundheitsrisiken einhergehen, die sich derzeit noch nicht abschätzen lassen.

Traditionelle Tätowierungen waren in der Regel schwarz-weiß. Sie bestanden aus Russ. Farbliche Schattierungen wurden durch Titan- und Eisenoxid erzielt. Pro Quadratzentimeter Haut wurden etwa 1 mg Farbstoff eingebracht. Russ ist alles andere als gesundheitlich unbedenklich, da sich in ihm polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) befinden, von denen einige eindeutig krebserzeugend sind. Ob Tätowierte deshalb häufiger als andere Menschen an Krebs erkranken, ist allerdings nicht untersucht, denn Tätowierte gehörten bis vor wenigen Jahren gesellschaftlichen Randgruppen an. Dies könnte sich jedoch ändern, da Tätowierungen zunehmend gesellschaftlich akzeptiert werden.

Es gibt jedoch noch eine weitere Veränderung, die Toxikologen Kopfzerbrechen bereitet. Moderne Tattoos sind in der Regel farbig. Erreicht wird dies durch eine Fülle von organischen Farbstoffen und Metallsalzen. Die Zusammensetzung ist häufig nicht bekannt, zumal Tätowiermittel nicht genehmigt werden müssen. In Deutschland gibt es lediglich eine Negativliste von Stoffen, die nicht verwendet werden dürfen.

Eine Positivliste, die unbedenkliche Stoffe auflisten würde, existiert nicht. Tätowiermittel werden in der Regel als Kosmetika eingeführt werden und nicht als „Arzneimittel“, die sie von der Art der Anwendung eigentlich wären (auch wenn sie nicht zur Linderung von Krankheiten eingesetzt werden).

Viele moderne Tätowiermittel enthalten neben den Farbstoffen Verunreinigungen. Ausserdem sind die injizierten Farbstoffmengen häufig höher als bei Schwarzweiss-Tätowierungen. Farbige Tätowiermittel werden auch schneller vom Körper abgebaut, entweder durch Enzyme der Haut oder aber durch UV-Licht. Dies beeinträchtigt nicht nur die ästhetische Wirkung des Tattoos, das langsam verblasst. Es entstehen auch Spaltprodukte, die teilweise als Zellgift wirken oder auch krebserregende Eigenschaften haben.

Auch die Entfernung durch eine Laserbehandlung führt dazu, dass die Pigmente zerstört und die Bestandteile entweder durch das Immunsystem oder über die Lymphdrainage abtransportiert werden. Sie erzielen dann eine giftige Wirkung im gesamten Körper, die bisher kaum erforscht ist.

Tätowiermittel können auch allergische Reaktionen in der Haut auslösen. Das Bispebjerg Hospital in Kopenhagen, das eine „Tattoo clinic“ betreibt, hat bereits einen Allergietest entwickelt, der neben Standardallergenen und Textilfarbstoffen auch acht Tätowiermittel umfasst. Das häufigste Kontaktallergen in einer ersten Untersuchung war übrigens Nickel. Aber auch rote Farbstoffe sind ein starkes Kontaktallergen, und Rot ist die bei farbigen Tattoos die am häufigsten verwendete Farbe.

Eine stärkere Regulierung wird von vielen Experten gefordert. Dort wo es sie gibt, wie bei uns in der Schweiz, werden sie häufig umgangen. Eine Untersuchung des Kantonalen Laboratoriums Basel-Stadt ergab, dass ein Drittel der Tätowiermittel nicht den gesetzlichen Bestimmungen entsprach. In anderen Ländern wie Neuseeland sind gesetzliche Regelungen aus traditionellen Gründen nicht durchzusetzen. Tätowierungen gehören dort zur Kultur der Maori. Und durch den internationalen Tourismus lässt sich ohnehin nicht verhindern, dass sich die Touristen das Tattoo dort stechen lassen, wo ohne gesetzliche Regelungen die farbenprächtigsten Tattoos angeboten werden.

Quelle: www.aerzteblatt.de


Häufige Frage zum Thema

Darf ich mir in der Schwangerschaft noch ein Tattoo stechen lassen?


Stand: 8/15, BH