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Der Embryotransfer - und die zwei langen Wochen danach

Die Übertragung der im Reagenzglas befruchteten Eizellen, der Embryotransfer, ist aus medizinischer Sicht ein sehr einfacher Eingriff. Aber für die meisten Kinderwunsch-Paare ist das Einsetzen in die Gebärmutter ein ganz spezieller Moment, an dem tatsächlich eine Schwangerschaft beginnen kann.

Wann ist ein Embryotransfer möglich?

Nach der Befruchtung teilen sich die frühen menschlichen Embryonen anfangs etwa einmal pro Tag, so dass am zweiten Kulturtag ein Vierzeller, am dritten ein Achtzeller usw. zu erwarten ist. 24 Stunden nach der Befruchtung in der Glasschale und zwei Tage nach der Eizellgewinnung kann frühestens die Übertragung von einer, zwei oder maximal drei befruchteten Eizellen in die Gebärmutterhöhle oder in den Eileiter durchgeführt werden.

Am dritten Tag wird das embryonale Genom – also die eigene Erbausstattung – des Embryos aktiviert. Ab dem vierten Kulturtag verläuft die Entwicklung etwas rascher und auch für einzelne Embryonen sehr unterschiedlich. Typischerweise wird am vierten Tag das Morula-Stadium (Maulbeerkeim) erreicht, am fünften oder sechsten Tag kann man Blastozysten (Bläschenkeim) beobachten. Spätestens dann muss der Embryotransfer erfolgt sein. Einige Zentren führen lieber den Blastozystentransfer durch. So kann man besser erkennen, welche Eizellen ein gutes Entwicklungspotential haben und sich mit höherer Wahrscheinlichkeit einnisten werden. Zudem soll die Gebärmutterschleimhaut nach fünf Tagen (wie nach einer natürlichen Befruchtung) besonders empfänglich sein.

Die meisten Zentren haben nichts dagegen, wenn der Partner beim Embryotransfer zugegen ist. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten. Die Embryonen sind für das menschliche Auge kaum sichtbar und befinden sich in einem winzigen Tröpfchen Lösung. Die Flüssigkeit wird mittels eines dünnen Schlauchs in die Gebärmutterhöhle eingebracht. Das ist wie eine Insemination fast völlig schmerzlos. Anschliessend bleiben Sie ca. eine halbe Stunde lang ruhig liegen und können dann nach Hause gehen.

Unterstützung der Gelbkörperphase

Die sich anschliessende Lutealphase wird durch das Gelbkörperhormon Progesteron, manchmal auch durch Östrogen und hCG, oral bzw. vaginal zu verabreichen, unterstützt. So wird eine häufige Gelbkörperschwäche verhindert und die Gebärmutterschleimhaut optimal auf die Einnistung der Embryonen vorbereitet. Als günstig für die Verbesserung der Blutzirkulation in der Gebärmutter hat sich die Einnahme einer geringen Menge Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin) erwiesen.

Kontrolluntersuchungen mit Ultraschall sind in dieser Zeit wichtig, um ein Überstimulationssyndrom rechtzeitig zu erkennen. Dies kann zu einer Vergrösserung der Eierstöcke und zu Wassereinlagerungen im Bauch- und Brustbereich führen. Im schlimmsten Fall kann ein Krankenhausaufenthalt erforderlich sein.

Nebenwirkungen und Beschwerden nach dem Embryotransfer

Aber auch ohne Überstimulation machen sich Nebenwirkungen der Therapie als Beschwerden bemerkbar. Durch die Stimulation der Eierstöcke und die Unterstützung der Gelbkörperphase sind die Eierstöcke vergrössert. Das führt zu Völlegefühl im Bauch, Durst sowie Müdigkeit. Bei manchen Patientinnen können auch starke Leibschmerzen auftreten.

Lässt sich die Einnistung fördern?

Ob es einige Tage später dann zu einer Einnistung kommt, hängt vor allem davon ab, ob der transferierte Embryo ein entsprechendes Potenzial zur weiteren Entwicklung aufweist. Das ist von aussen kaum beeinflussbar. Die Implantation geschieht praktisch nach dem Alles-oder-Nichts-Gesetz, d. h. sie ist erfolgreich oder nicht. Hüten Sie sich deshalb vor den quälenden Fragen, ob Sie sich in dieser Zeit richtig oder falsch verhalten.

Es kann aber nicht schaden, grössere körperliche Anstrengungen (z.B. ruckartige Bewegungen, Sport, Tanzen, Reiten, Spitzensport, belastende Reisen, Bergtouren usw.) zu vermeiden. Auch eine starke Temperaturerhöhung oder Kreislaufbelastung ist ungünstig; dazu gehören Saunabesuche, heisse Wannenbäder bzw. intensive Sonnenbäder. Auf Geschlechtsverkehr sollten Sie in dieser Woche verzichten. Und Alkohol, Nikotin und Medikamente sollten nach Möglichkeit schon Monate vor einer IVF-Behandlung auf ein Minimum reduziert werden.

Wann kann ein Schwangerschaftstest positiv sein?

Frühestens 12 Tage nach dem Embryotransfer (14 Tage nach der Insemination) wird aus einer Blutentnahme ein sehr früher, besonders empfindlicher Schwangerschaftstest durchgeführt. Das Resultat ist ca. zwei Stunden nach Eintreffen des Blutes im Labor verfügbar und wird Ihnen umgehend mitgeteilt. Ist es positiv (über 20 µE/ml beta-hCG), sind die Medikamente nach Rücksprache mit dem Arzt oder der Ärztin weiterzunehmen – auch falls eine Blutung auftritt, die auch bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft passieren kann.

Ein Urin-Schwangerschaftstest, den Sie im Handel kaufen und zu Hause selbst durchführen können, ist bei der IVF-Methode nicht aussagekräftig und irreführend, da er nicht zwischen dem von aussen zur Unterstützung zugeführten Schwangerschaftshormon und dem einer beginnenden Schwangerschaft unterscheiden kann.

Und wenn die Einnistung nicht geklappt hat?

Wenn der Bluttest negativ ist und es nicht zu einer Schwangerschaft gekommen ist, was bei der Mehrzahl der Behandlungszyklen leider so ist, werden zunächst alle Hormone abgesetzt und es wird nach einigen Tagen zu einer Regelblutung kommen. Diese kann etwas intensiver sein als in einem unbehandelten Zyklus. Manchmal wird die gesamte Gebärmutterschleimhaut abgestossen. Dieses Phänomen wird „membranöse Menstruation“ genannt und ist häufig mit krampfartigen Schmerzen verbunden. Sie sollten das nicht mit einer Fehlgeburt verwechseln.

Sind kryokonservierte, befruchtete Eizellen oder Embryonen vorhanden, kann die Behandlung mit diesen ohne Unterbruch fortgeführt werden. Ist dies nicht der Fall, kann erst bei der übernächsten Blutung die Stimulationstherapie zur Follikelpunktion fortgesetzt werden, da die Eierstöcke eine kurze Ruhepause vor einem erneuten Stimulationszyklus benötigen.

Newsticker

IVF-Babys | 29.07.2020

Wenn einer Frau auf künstlichem Weg zum Babyglück verholfen wurde, hat sie durchaus gute Chancen, erneut per assistierten Reproduktionstechniken schwanger zu werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine australische Studie. Zwischen 2009 und 2013 untersuchten die Forscher insgesamt 35.290 Frauen, die sich in Australien oder Neuseeland einer ART (assistierte Reproduktionstechniken) unterzogen und ein lebendes Kind bekamen. So lag die Chance für ein zweites, ebenfalls mit Hilfe gezeugtes Kind zwischen 51% und 88% nach 6 Therapiezyklen. Der Erfolg hängt auch davon ab, ob gefrorene Embryonen oder frische zum Einsatz kamen. Die Schwangerschaftsrate nach nur einem Zyklus lag bei 43% für Frauen mit eingefrorenem Embryo und bei 31% für Frauen mit einem frischen Embryo. Nach sechs Zyklen waren zwischen 61% und 88% der Frauen mit eingefrorenem Embryo schwanger, aber nur zwischen 51% und 70% von denen, die sich für einen frischen Embryo entschieden. Der Einsatz aufgetauter Embryonen ist insbesondere bei Frauen über 40 geeignet, wo sich die Schwangerschaftsraten fast verdoppelten.

Letzte Aktualisierung : 15-11-20, BH

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