Kind sitzt vor der Tafel mit aufgeschlagenem Buch auf dem Kopf
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Wie sollten Sie mit einem Testergebnis umgehen, das eine Hochbegabung bei Ihrem Kind feststellt?

Ein hoch begabtes Kind bedeutet für Eltern ein höheres Mass an zeitlichem und eventuell auch finanziellem Aufwand, um für die nötige Förderung des intellektuellen Potentials zu sorgen. Der Aufwand ist zu vergleichen mit dem, den Eltern von Kindern am anderen Ende der Skala, der Minderbegabung, leisten müssen.

Für Eltern hochbegabter Kinder gilt, dass sie mit ihrem Kind nicht dem Alter entsprechend, sondern seiner geistigen Entwicklung gemäss umgehen sollten. Die meisten hochbegabten Kinder mit einem IQ von mehr als 130 sind ihren Altersgenossen geistig ca 2 bis 3 Jahre voraus. So kann es für die Kinder sehr befriedigend sein, wenn sie mit älteren Kindern Umgang pflegen dürfen, denen sie nicht überlegen sind.

Hoch begabt zu sein bedeutet leider nicht in allen Fällen, dass diese Kinder ihren Weg ohne Probleme entsprechend ihrer intellektuellen Fähigkeiten praktisch von selber gehen und alle Schwierigkeiten alleine meistern können. Häufig fallen sie nicht nur durch ihre besonderen Fähigkeiten, sondern auch durch eher negative Verhaltensweisen auf. In diesen Fällen bekommen die Kinder nicht die Förderung und geistige Nahrung, die sie für ihre weitere Entwicklung benötigen. Unterforderung führt zu Langeweile, die gerade im schulischen Bereich demotivierend ist. Hoch begabte Kinder, ausgestattet mit einem feinen Gespür für die Erwartungen ihrer Umwelt, wollen sich in vielen Fällen nicht von anderen unterscheiden und passen sich an; sie zeigen eine Verweigerungshaltung, die sich in der Schule in schlechten Noten bis hin zum Schulversagen äussern kann. Sie verbergen ihre hohen geistigen Fähigkeiten hinter einer Normalität und einem Verhalten, das in manchen Fällen eher auf ein geringeres Leistungsvermögen hinweist. Besonders Mädchen sind hier gefährdet, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. Sie wollen nicht auffallen, nicht anders sein als ihre Altersgenossen und nicht als Streberinnen gelten. Oft bezahlen sie diese Angepasstheit aber mit psychosomatischen Störungen wie z.B. Angstzuständen. Jungen wiederum werden zu Klassenclowns oder stören den Schulalltag auf unterschiedliche Weise.

Es erscheint deshalb nicht verwunderlich, dass in Studien Lehrerinnen und Lehrer nur knapp 50% der hochbegabten Kinder, mit denen sie es zu tun hatten, als solche identifizieren konnten. Entsprechend gab es auch kein differenziertes Angebot für diese Schüler; dabei kommt es gerade in der Schule auf die richtige Förderung der Hochbegabten an. Glücklicherweise wird diese Tatsache immer mehr akzeptiert und mit verbesserten Angeboten sowohl im Klassenzimmer als auch in der Schulpolitik darauf reagiert.

Ein Elternhaus, das die speziellen Bedürfnisse ihres hochbegabten Kindes ernst nimmt und fördert, sollte mit Lehrpersonen und den Schulverantwortlichen das Gespräch suchen und dadurch Bedingungen schaffen, die dem hochbegabten Kind gerecht werden. Eine frühere Einschulung (eventuell auch schon der Besuch des Kindergartens vor dem üblichen Eintrittsalter) , das Überspringen einer Klasse und Aufgaben, die das Kind herausfordern und nicht von ihm verlangen, bereits Gekonntes zum wiederholten Male zu üben, das alles können der Langeweile und einer Leistungsverweigerung entgegenwirken. Spezielle Internate oder Privatschulen werden aus Kostengründen für die meisten Eltern wohl nicht in Frage kommen.

Hoch begabte Kinder sind oft anstrengend, sie fordern uns heraus mit ihrem unbändigen Wissensdurst, mit ihrer Energie und ihrem kritischen Denkvermögen, das manchmal über unsere eigenen Möglichkeiten hinaus geht, aber genau wie bei allen anderen Kinder, ob normal, überdurchschnittlich oder hoch begabt, sollten ihre individuellen Fähigkeiten erkannt und entsprechend gefördert werden.

Weitere Informationen finden Sie hier:  www.ehk.ch

Letzte Aktualisierung : 06-05-16, AG

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