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Zwillinge gemeinsam unter einem Buch

Mehr­lin­ge - zu­sam­men oder ge­trennt ein­schu­len?


Wie so oft im Le­ben mit Kin­dern gibt es auch auf die­se Fra­ge kei­ne all­ge­mein gül­ti­ge Ant­wort, ist doch je­des Zwil­lings­paar oder je­des Dril­lings-Trio wie­der an­ders. 

Lei­der ma­chen Mehr­lings­el­tern zu­wei­len die Er­fah­rung, dass Schul­lei­tun­gen dar­auf be­stehen, Mehr­lin­ge in ge­trenn­ten Klas­sen ein­zu­schu­len. Die Über­zeu­gung, bei Zwil­lin­gen sei je­weils ei­ner be­son­ders do­mi­nant, wor­un­ter der an­de­re lei­de, hält sich hart­nä­ckig, auch wenn vie­le Mehr­lings­el­tern an­de­re Er­fah­run­gen ma­chen. In die­sem Fall soll­ten El­tern auf ihr Mit­spra­che­recht be­stehen, denn sie ken­nen ihre Kin­der am bes­ten und kön­nen da­her am ehes­ten ein­schät­zen, wel­che Lö­sung zu ih­rer Fa­mi­li­en­si­tua­ti­on passt. Die fol­gen­den Über­le­gun­gen kön­nen Ih­nen da­bei hel­fen, den rich­ti­gen Ent­scheid für Ihre Kin­der zu tref­fen:

  • Schon in der Spiel­grup­pe oder in der Krip­pe kön­nen Sie be­ob­ach­ten, wie Ihre Mehr­lin­ge sich in Kin­der­grup­pen in­te­grie­ren, ob das eine dem an­de­ren un­lieb­sa­me Auf­ga­ben ab­nimmt, ob sie Freund­schaf­ten schlies­sen oder mehr­heit­lich für sich sind. Die­se Be­ob­ach­tun­gen hel­fen Ih­nen beim Ent­scheid, ob eine ge­mein­sa­me oder eine ge­trenn­te Ein­schu­lung für Ihre Kin­der das bes­te ist.  

  • Las­sen Sie die Kin­der bei dem Ent­scheid mit­re­den. Ge­ben Sie je­dem Kind die Ge­le­gen­heit, al­lei­ne und of­fen über sei­ne Emp­fin­dun­gen und Wün­sche zu re­den, denn es kann durch­aus sein, dass ein Kind sich eine ge­mein­sa­me Ein­schu­lung wünscht, das an­de­re aber lie­ber al­lei­ne in ei­ner Klas­se wäre. 

  • Im Lau­fe der Schul­zeit wer­den Sie im­mer wie­der neu über­den­ken müs­sen, was für Ihre Kin­der am bes­ten ist, Ihr Ent­scheid ist also nicht auf alle Zei­ten in Stein ge­meis­selt. Es kann zum Bei­spiel sein, dass Mehr­lings­kin­der im Kin­der­gar­ten und in der Pri­mar­schu­le die An­we­sen­heit des Ge­schwis­ters als zu­sätz­li­che Si­cher­heit schät­zen, in den obe­ren Klas­sen aber nicht dem di­rek­ten Ver­gleich aus­ge­setzt sein möch­ten und dar­um lie­ber in eine an­de­re Klas­se ein­ge­teilt wer­den wol­len. Oft er­gibt sich eine Tren­nung von selbst, wenn die Kin­der we­gen un­ter­schied­li­cher Fä­hig­kei­ten nicht in die glei­che Ober­stu­fe ein­ge­teilt wer­den. 

  • Viel­leicht ist im Schul­all­tag al­les ganz an­ders, als Sie und Ihre Kin­der sich das im Vorn­her­ein vor­ge­stellt hat­ten und es stellt sich doch her­aus, dass der ein­ge­schla­ge­ne Weg nicht ide­al ist. Su­chen Sie das Ge­spräch mit der Lehr­per­son und der Schul­lei­tung, wenn Sie Zwei­fel ha­ben, ob es ih­ren Kin­dern gut geht mit der ge­wähl­ten Lö­sung. 

  • Wenn Sie schon vor der Ein­schu­lung fest­stel­len, dass ei­nes der Mehr­lings­kin­der do­mi­nan­ter ist und den an­de­ren un­an­ge­neh­me Auf­ga­ben ab­nimmt, kann eine Tren­nung im Kin­der­gar­ten oder in der Schu­le sinn­voll sein. In grös­se­ren Ge­mein­den be­steht manch­mal die Mög­lich­keit, Kin­der in Par­al­lel­klas­sen ein­zu­schu­len, die im glei­chen Ge­bäu­de un­ter­rich­tet wer­den. Dies ist eine idea­le Kom­pro­miss­lö­sung, wenn die Kin­der zwar ih­ren ei­ge­nen Weg fin­den sol­len, die Nähe des Ge­schwis­ters aber schät­zen und brau­chen.

  • Ge­trenn­te Klas­sen be­deu­ten auch ge­trenn­te El­tern­aben­de, mehr Schul­an­läs­se und in ge­wis­sen Ge­mein­den auch un­ter­schied­li­che Stun­den­plä­ne. Dies soll­ten Sie bei Ih­rem Ent­scheid eben­falls in Be­tracht zie­hen. 

Wie auch im­mer Ihr Ent­scheid aus­fällt, wäh­rend der Schul­zeit Ih­rer Mehr­lin­ge wer­den Sie auf die fol­gen­den Punk­te be­son­ders ach­ten müs­sen: 

  • Ob Ihre Kin­der ge­mein­sa­me oder ge­trenn­te Klas­sen be­su­chen, die Ge­fahr des Ver­glei­chens ist wäh­rend der Schul­zeit be­son­ders gross - nicht nur bei Mehr­lin­gen üb­ri­gens. Ge­wis­se Ver­glei­che las­sen sich gar nicht ver­mei­den, zum Bei­spiel wenn alle die glei­che Prü­fung schrei­ben müs­sen oder beim Über­tritt an die Ober­stu­fe. Ach­ten Sie dar­auf, die­sen Druck nicht zu ver­stär­ken, son­dern je­des Ih­rer Kin­der nach sei­nen ei­ge­nen Fä­hig­kei­ten und Stär­ken zu för­dern.

  • Su­chen Sie das Ge­spräch, wenn die Lehr­per­son die Kin­der im­mer wie­der mit­ein­an­der ver­gleicht. Nur weil sie Zwil­lin­ge oder Dril­lin­ge sind, muss das nicht be­deu­ten, dass die Kin­der Prü­fun­gen gleich gut ab­schnei­den, gleich sport­lich sind und glei­che In­ter­es­sen ha­ben. 

  • Auch für Mehr­lings­kin­der sind Freund­schaf­ten mit an­de­ren Kin­dern wich­tig, denn ob­schon die Bin­dung zwi­schen den Ge­schwis­tern stark ist, wol­len die meis­ten ir­gend­wann doch ei­ni­ge Le­bens­be­rei­che für sich ha­ben. Häu­fig hat je­des Kind nach ei­ni­ger Zeit sei­nen ei­ge­nen Freun­des­kreis, an­de­re tei­len sich zwar die Freun­de, un­ter­neh­men aber nicht im­mer al­les ge­mein­sam. Nicht ide­al ist es, wenn nur ei­nes der Kin­der Freund­schaf­ten schliesst und das gan­ze Frei­zeit­pro­gramm be­stimmt, wäh­rend das an­de­re ein­fach "mit­läuft", oder wenn die Mehr­lin­ge kei­nen An­schluss bei Gleich­alt­ri­gen su­chen und sich gar nicht in Kin­der­grup­pen in­te­grie­ren kön­nen. 

  • Manch­mal wer­den Mehr­lin­ge so sehr als Ein­heit wahr­ge­nom­men, dass sie nie ein­zeln - oder eben gar nicht - zum Spie­len und zu Ge­burts­tags­par­tys ein­ge­la­den wer­den. Ma­chen Sie an­de­re El­tern dar­auf auf­merk­sam, dass Sie nicht er­war­ten, dass man Ihre Kin­der im­mer ge­mein­sam ein­lädt. 

Wis­sen


Letzte Aktualisierung: 29.01.2020, TV
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