Frau stützt Kinn auf am Arbeitsplatz
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Diskriminierung von (werdenden) Müttern

Eigentlich spricht das Gleichstellungsgesetz eine eindeutige Sprache: "Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dürfen aufgrund ihres Geschlechts weder direkt noch indirekt benachteiligt werden, namentlich nicht unter Berufung auf den Zivilstand, auf die familiäre Situation oder, bei Arbeitnehmerinnen, auf eine Schwangerschaft." Ebenso klar sind die Rechte von Schwangeren am Arbeitsplatz, der Gesundheitsschutz und die Mutterschaftsversicherung geregelt. Frauen, die ein Kind erwarten, sollten also keine Benachteiligung befürchten müssen.

Interview

Valérie Borioli-Sandoz: "Gleichstellung geschieht nicht von selbst"


Die Realität weicht leider nicht selten vom Gesetzestext ab. Die Datenbank der Fachstellen für Gleichstellung in der Deutschschweiz listet zahlreiche Fälle von Diskriminierung aufgrund einer Schwangerschaft oder der familiären Situation auf. Doch längst nicht jede Frau, die einen Job nicht bekommt, weil der Arbeitgeber befürchtet, sie könne in naher Zukunft schwanger werden oder die nach Beendigung des Mutterschaftsurlaubes erfährt, ihre Stelle sei einer Reorganisation zum Opfer gefallen, gelangt an die Schlichtungsstelle. Zuweilen geschieht die Diskriminierung auch auf sehr subtile Weise, zum Beispiel, indem einer Mutter nur noch anspruchslose Aufgaben zugeteilt werden oder indem der Vorgesetzte die Arbeitsleistung einer Mitarbeiterin überkritisch beurteilt, nachdem sie ihre Schwangerschaft angekündigt hat. 

Das können Sie tun, um sich vor Diskriminierung zu schützen oder dagegen vorzugehen: 

  • Informieren Sie sich am besten schon vor der Geburt über Ihre Rechte und Pflichten. Zu viele Frauen verlassen sich in diesen Angelegenheiten auf Informationen aus zweiter Hand, anstatt sich eingehend damit auseinanderzusetzen, was der Arbeitgeber darf und was nicht. Umfassende Infos finden Sie zum Beispiel in unserem Bereich "Kind und Beruf" oder auf infomutterschaft.ch.
  • Nutzen Sie die Zeit der Schwangerschaft, um mit ihrem Arbeitgeber die beste Lösung für die Berufstätigkeit nach der Geburt zu finden. Aus Angst vor einer negativen Reaktion zögern viele Frauen diese Besprechungen weit hinaus, so dass am Ende keine Zeit mehr da ist, um eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung zu finden. mamagenda.ch unterstützt werdende Eltern und Arbeitgeber bei allen organisatorischen Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt. 
  • Wenn Sie zu Ihrem Recht kommen wollen, ist es wichtig, dass Sie sachlich bleiben. Dies ist nicht immer einfach, erst recht nicht, wenn Ihre Gefühle wegen der Schwangerschaft Achterbahn fahren. Versuchen Sie trotzdem, kühlen Kopf zu bewahren und die Situation zu analysieren, denn nicht jede Ungerechtigkeit, die Ihnen im Arbeitsalltag widerfährt, ist auch tatsächlich diskriminierendes Verhalten. 
  • Suchen Sie das Gespräch mit anderen, wenn Sie den Eindruck haben, Sie würden diskriminiert. Finden Sie heraus, ob andere Mitarbeiter ähnliche Erfahrungen machen, oder ob sich gewisse Dinge gezielt gegen Sie richten. 
  • Gehen Sie nicht im Alleingang gegen die Diskriminierung vor, sondern lassen Sie sich von einer Rechtsberatungsstelle oder einer Gewerkschaft beraten.
  • Wenden Sie sich an die kantonale Schlichtungsstelle, die für Diskriminierungskonflikte mit dem Arbeitgeber zuständig ist. Dort hilft man Ihnen, den Sachverhalt genau abzuklären und eine für beide Seiten annehmbare Lösung zu finden. Ziel des Schlichtungsverfahrens ist, eine Einigung zwischen den Konfliktparteien herbeizuführen, ohne dass es zu einem Gerichtsverfahren kommen muss. Genaue Infos zum Schlichtungsverfahren sowie zum Verfahrensablauf in Ihrem Wohnkanton finden Sie unter gleichstellungsgesetz.ch. Übrigens: Auch Väter können sich an die Schlichtungsstelle wenden, wenn sie sich am Arbeitsplatz aufgrund ihrer familiären Situation diskriminierendem Verhalten ausgesetzt sehen. 

Newsticker

Kind und Karriere | 25.11.2019

Die ersten Ergebnisse der Erhebung zu Familien und Generationen 2018 des Bundesamts für Statistik (BFS) zeigen: Die gewünschte Kinderzahl der jungen Erwachsenen ist stark vom Modell mit zwei Kindern geprägt. Gut 60% der kinderlosen Frauen und Männer zwischen 20 und 29 Jahren wünschen sich zwei Kinder. Nur 9% dieser jungen Erwachsenen wollen keine Kinder und lediglich 4% möchten nur ein Kind. Wunsch und Realität liegen betreffend Anzahl Kinder allerdings deutlich auseinander. Bei den 50- bis 59-Jährigen haben nur knapp 40% zwei Kinder. Rund ein Viertel ist kinderlos und knapp ein Sechstel hat ein Kind. Am häufigsten bleiben Frauen mit einem Tertiärabschluss kinderlos (30%). Ein Grund, weshalb Akademikerinnen häufiger hinter ihrem Kinderwunsch zurückbleiben, könnte die schwierige Vereinbarkeit von Kindern und Karriere sein. Bei gut zwei Drittel der Familien werden die Kinder regelmässig familienergänzend betreut. Am häufigsten greifen die Eltern dabei auf das Umfeld, insbesondere auf die Grosseltern zurück. Deutlich weniger verbreitet sind Tagesmütter bzw. Tageseltern (6%) sowie Nannys, Au-Pairs und Babysitter (5%).

Letzte Aktualisierung : 20-04-20, TV

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