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Paar mit Baby in einem Gespräch
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Postpar­ta­le De­pres­si­on - was kann der Part­ner tun?


Eine postpar­ta­le De­pres­si­on ist eine gros­se Be­las­tung - nicht nur für die er­krank­te Frau, son­dern auch für ihr nä­he­res Um­feld. Als Part­ner (oder an­de­re na­he­ste­hen­de Per­son) ste­hen Sie der Si­tua­ti­on oft rat- und hilf­los ge­gen­über. Den­noch kön­nen Sie Ih­rer Part­ne­rin auf dem Weg der Ge­ne­sung eine enorm wich­ti­ge Stüt­ze sein und viel dazu bei­tra­gen, dass sie die Hil­fe be­kommt, die sie braucht.

War­um ist Ihre Un­ter­stüt­zung so wich­tig?


Ihre Part­ne­rin er­lebt den All­tag mit dem Baby ganz an­ders, als sie sich dies vor der Ge­burt vor­ge­stellt hat­te. Dass ih­ren Emp­fin­dun­gen eine Krank­heit zu­grun­de lie­gen könn­te, ist aber meist nicht der ers­te Ge­dan­ke. Viel eher macht sie sich selbst Vor­wür­fe, weil sie sich nicht über das Baby freu­en kann. Sie wird von tie­fer Trau­rig­keit ge­plagt, bringt kaum die Kraft auf, das Al­ler­nö­tigs­te zu tun, fühlt sich un­fä­hig, die Be­dürf­nis­se des Ba­bys zu stil­len - und glaubt, sie hät­te als Mut­ter ver­sagt.

Be­trof­fe­ne Müt­ter be­hal­ten die­se Ge­dan­ken in der Re­gel für sich und lei­den im Stil­len. In den meis­ten Fäl­len braucht es den auf­merk­sa­men Part­ner oder an­de­re na­he­ste­hen­de Per­so­nen, die mer­ken, dass et­was nicht mehr stimmt und die den Mut und das Fein­ge­fühl ha­ben, dies auch an­zu­spre­chen. Ist das The­ma erst ein­mal auf dem Tisch, kön­nen Sie Ih­rer Part­ne­rin den An­stoss ge­ben, Hil­fe in An­spruch zu neh­men. Zum Te­le­fon zu grei­fen und eine Fach­per­son an­zu­ru­fen, kann im Fal­le ei­ner De­pres­si­on je­doch eine schier un­über­wind­ba­re Hür­de dar­stel­len. Wenn Sie sich ins The­ma ein­le­sen, die Adres­sen von Fach­per­so­nen her­aus­su­chen und viel­leicht auch den Erst­kon­takt her­stel­len, hel­fen Sie Ih­rer Part­ne­rin da­bei, die­se Hür­de den­noch zu neh­men. Mit prak­ti­scher Hil­fe und emo­tio­na­lem Bei­stand tra­gen Sie aus­ser­dem viel zum Hei­lungs­pro­zess bei.

Wel­che An­zei­chen deu­ten auf eine postpar­ta­le De­pres­si­on hin?


Er­schöp­fung, Über­for­de­rung und beim ge­rings­ten An­lass flies­sen die Trä­nen: Der be­rühmt-be­rüch­tig­te Ba­by­blues macht vie­len Müt­tern um den drit­ten bis fünf­ten Tag nach der Ge­burt zu schaf­fen. Bei rund 15 Pro­zent der Müt­ter bleibt es je­doch nicht da­bei, es ent­wi­ckelt sich eine postpar­ta­le De­pres­si­on - manch­mal di­rekt im An­schluss, häu­fig aber auch erst Wo­chen oder gar Mo­na­te spä­ter.

Die­ser Pro­zess ver­läuft meist schlei­chend und vie­le der mil­de­ren Sym­pto­me ken­nen wohl alle El­tern bis zu ei­nem ge­wis­sen Grad: An­dau­ern­de Mü­dig­keit, Stim­mungs­schwan­kun­gen, Ver­gess­lich­keit, Reiz­bar­keit, Sor­gen um das Kind, se­xu­el­le Un­lust, das Ge­fühl von Un­zu­läng­lich­keit etc. Zu er­ken­nen, dass sich eine De­pres­si­on an­bahnt, ist da­her nicht leicht.

Wei­te­re Krank­heits­an­zei­chen, die auf­tre­ten kön­nen:

  • Er­schöp­fung

  • An­triebs­lo­sig­keit

  • Trau­rig­keit

  • Schlaf­stö­run­gen

  • Ap­pe­tit­lo­sig­keit oder Ap­pe­tit­stei­ge­rung

  • Schuld­ge­füh­le

  • man­geln­des Selbst­ver­trau­en

  • Kon­zen­tra­ti­ons­pro­ble­me

  • so­zia­ler Rück­zug

  • Ag­gres­si­vi­tät

  • Wut­an­fäl­le

  • Ängs­te

  • Pa­nik­at­ta­cken

  • Zwangs­ge­dan­ken

  • Sui­zid­ge­dan­ken

Auch kör­per­li­che Be­schwer­den wie Schwin­del, Kopf­schmer­zen, Mus­kel­ver­span­nun­gen, Ma­gen­schmer­zen, Übel­keit, Herz­be­schwer­den, Rü­cken­schmer­zen etc. kön­nen sich be­merk­bar ma­chen.

Tre­ten meh­re­re die­ser An­zei­chen wäh­rend mehr als zwei Wo­chen auf oder ver­stär­ken sie sich, ist Ihre Part­ne­rin mög­li­cher­wei­se an ei­ner postpar­ta­len De­pres­si­on er­krankt. Da ein Ei­sen­man­gel, eine Schild­drü­sen­stö­rung und ge­wis­se Au­to­im­mun­erkran­kun­gen ähn­li­che Sym­pto­me aus­lö­sen kön­nen, ist eine fun­dier­te Ab­klä­rung wich­tig.

Es kann schwie­rig sein, Ihre Part­ne­rin auf die­se Ver­än­de­run­gen an­zu­spre­chen - ins­be­son­de­re wenn sich die Krank­heit auch durch Streit­lust, Wut­an­fäl­le oder so­zia­len Rück­zug be­merk­bar macht. Fin­den Sie den­noch ei­nen mög­lichst fein­füh­li­gen Weg, dies zu tun. Je frü­her die De­pres­si­on er­kannt und be­han­delt wird, des­to bes­ser für die Ihre Part­ne­rin, für das Baby und für die gan­ze Fa­mi­lie. Ein wich­ti­ges Hilfs­mit­tel zur Früh­erken­nung ist der EPDS-Fra­ge­bo­gen, ein kur­zer Selbst­test, der die Stim­mungs­la­ge der vor­an­ge­hen­den 7 Tage er­hebt.

Falls Ihre Part­ne­rin Sui­zid­ge­dan­ken äus­sert oder An­zei­chen ei­ner postpar­ta­len Psy­cho­se auf­tre­ten, soll­te sie auf kei­nen Fall mit dem Baby al­lei­ne ge­las­sen wer­den und um­ge­hend pro­fes­sio­nel­le Hil­fe be­kom­men.

Wie Sie ganz prak­tisch hel­fen kön­nen


Ne­ben der fach­li­chen Be­treu­ung durch eine Psych­ia­te­rin oder ei­nen Psy­cho­the­ra­peu­ten ist die prak­ti­sche Hil­fe ein wich­ti­ger Bau­stein auf dem Weg der Ge­ne­sung. Es gibt sehr viel, was Sie dies­be­züg­lich tun kön­nen:

  • Ent­las­tung in der Be­treu­ung des Ba­bys und beim Er­le­di­gen von Haus­ar­bei­ten - und dies nicht nur punk­tu­ell, son­dern so, dass Ihre Part­ne­rin sich dar­auf ver­las­sen kann. Wenn Sie selbst nicht in der Lage sind, die­se Ent­las­tung zu bie­ten, or­ga­ni­sie­ren Sie Un­ter­stüt­zung in Ih­rem pri­va­ten Um­feld, durch die Spitex, die Fa­mi­li­en­hil­fe des Schwei­ze­ri­schen Ro­ten Kreu­zes oder eine Haus­halthil­fe.

  • Für re­gel­mäs­si­ge und aus­ge­wo­ge­ne Mahl­zei­ten sor­gen.

  • Für aus­rei­chend Schlaf sor­gen, in­dem Sie je­weils die Nacht­schich­ten über­neh­men oder je­man­den or­ga­ni­sie­ren, der dies tun kann.

  • Be­ra­tung in An­spruch neh­men, falls Sie ein Baby ha­ben, das sehr viel schreit oder aus­ge­spro­chen schlecht schläft (Schrei­sprech­stun­de, Schrei­am­bu­lanz).

  • Hil­fe beim Or­ga­ni­sie­ren von Ter­mi­nen, wenn dies Ih­rer Part­ne­rin schwer­fällt. Dazu ge­hört auch die Kin­der­be­treu­ung, da­mit sie ihre Ter­mi­ne stress­frei wahr­neh­men kann.

  • Be­glei­tung zu The­ra­pie­ge­sprä­chen und Arzt­ter­mi­nen und die Be­reit­schaft, sich ge­ge­be­nen­falls in die The­ra­pie mit ein­be­zie­hen zu las­sen.

  • Un­ter­stüt­zung bei der Ein­hal­tung von The­ra­pie­mass­nah­men. Dies kann bei­spiels­wei­se be­deu­ten, dass Sie sie dar­an er­in­nern, die Me­di­ka­men­te re­gel­mäs­sig ein­zu­neh­men oder sie dazu er­mu­ti­gen, das Fit­ness­pro­gramm durch­zu­zie­hen, das ihr in der The­ra­pie emp­foh­len wur­de.

  • Frei­raum für Ent­span­nung schaf­fen: Sich eine Stun­de lang um das Baby küm­mern, da­mit sie in Ruhe ein Bad neh­men kann, ihr ei­nen Mas­sa­ge­ter­min in­klu­si­ve Ba­by­sit­ter or­ga­ni­sie­ren, ein ge­müt­li­ches Pick­nick im Park pla­nen - oder was im­mer sonst ihr gut­tut. 

Neh­men Sie Ih­rer Part­ne­rin je­doch nicht alle Auf­ga­ben ab. Ent­las­tung von al­lem, was ihr im Mo­ment zu viel wird, ist zwar enorm wich­tig. Eben­so wich­tig ist es je­doch, dass sie ei­ni­ge Auf­ga­ben be­hält, die sie be­wäl­ti­gen mag. Ihre Part­ne­rin soll­te sich nicht ent­mün­digt füh­len, denn dies könn­te das Ge­fühl, sie habe als Mut­ter ver­sagt, noch ver­stär­ken. Zu­dem ge­ben die klei­nen Ver­pflich­tun­gen dem Tag eine Struk­tur.

Was Sie sonst noch tun kön­nen


  • Hö­ren Sie zu und wi­der­ste­hen Sie dem Drang, Rat­schlä­ge und Lö­sungs­vor­schlä­ge zu er­tei­len. Man­che der ge­äus­ser­ten Emp­fin­dun­gen mö­gen ob­jek­tiv be­trach­tet schwer nach­voll­zieh­bar sein - für Ihre Part­ne­rin sieht die Welt aber mo­men­tan so aus und es ist wich­tig, dass sie sich die Din­ge von der See­le re­den darf, ohne Furcht, nicht ernst ge­nom­men zu wer­den. 

  • Neh­men Sie Reiz­bar­keit, Streit­lust, Wut, Ag­gres­si­vi­tät, se­xu­el­le Un­lust etc. nicht per­sön­lich. Es han­delt sich da­bei um Sym­pto­me der Krank­heit, die nicht ge­gen Ihre Per­son ge­rich­tet sind. Las­sen Sie sich da­her gar nicht erst auf Streitg­kei­ten ein.

  • Stel­len Sie die Wirk­sam­keit von Me­di­ka­men­ten und The­ra­pie­mass­nah­men nicht in Fra­ge. Vie­le Müt­ter kos­tet es oh­ne­hin schon gros­se Über­wi­dung, sich auf eine (me­di­ka­men­tö­se) The­ra­pie ein­zu­las­sen, kri­ti­sche Be­mer­kun­gen aus dem per­sön­li­chen Um­feld wir­ken zu­sätz­lich ver­un­si­chernd. Falls Sie Be­den­ken ha­ben, ho­len Sie eine fun­dier­te un­ab­hä­ni­gi­ge Mei­nung ein. Oft­mals wer­den der Part­ner oder an­de­re Fa­mi­li­en­mit­glie­der in die The­ra­pie mit ein­be­zo­gen. Dies bie­tet Ih­nen die Mög­lich­kei­ten, Fra­gen zu stel­len und Un­klar­hei­ten zu klä­ren, ohne das Ver­trau­en Ih­rer Part­ne­rin in die ver­ord­ne­ten Mass­nah­men zu un­ter­gra­ben.

  • Er­mu­ti­gen Sie Ihre Part­ne­rin, die The­ra­pie nicht vor­zei­tig ab­zu­bre­chen, wenn sich all­mäh­lich eine Bes­se­rung ab­zeich­net. Eine me­di­ka­men­tö­se The­ra­pie soll­te auf kei­nen Fall ei­gen­mäch­tig und ohne the­ra­peu­ti­sche Be­glei­tung be­en­det wer­den.

  • Las­sen Sie Ihre Part­ne­rin spü­ren, dass Sie sie lie­ben und er­wei­sen Sie sich als ver­läss­li­cher Part­ner, dem sie be­den­ken­los Auf­ga­ben ab­ge­ben kann. Len­ken Sie Ih­ren Blick im­mer wie­der auf die Din­ge, die sich be­reits zum Gu­ten ge­wan­delt ha­ben und die ihr gut ge­lin­gen.

Wie Sie gut zu sich sel­ber schau­en


Die Ge­burt Ih­res Kin­des hat Ihr Le­ben oh­ne­hin schon auf den Kopf ge­stellt - und jetzt kommt mit der postpar­ta­len De­pres­si­on eine zu­sätz­li­che Her­aus­for­de­rung hin­zu. Da­mit steigt auch Ihr ei­ge­nes Ri­si­ko, an ei­ner De­pres­si­on zu er­kran­ken. Dies ge­schieht oft dann, wenn es der Mut­ter all­mäh­lich wie­der bes­ser geht. Ob­schon das Wohl­erge­hen Ih­rer Part­ne­rin mo­men­tan na­tür­lich an ers­ter Stel­le steht, ist es da­her wich­tig, dass Sie auch auf Ihre ei­ge­ne Ge­sund­heit gut acht­ge­ben. Dies ge­lingt am ehe­ns­ten, in­dem Sie ...

  • nicht alle zu­sätz­li­chen Auf­ga­ben wie z. B. Haus­ar­bei­ten und Ein­kau­fen al­lei­ne tra­gen, son­dern sich im Fa­mi­li­en- und Freun­des­kreis Hil­fe su­chen. Wenn es Ih­nen schwer­fällt, je­man­den um Hil­fe zu bit­ten, kann es manch­mal ein­fa­cher sein, die Spitex zu or­ga­ni­sie­ren oder eine Haus­halthil­fe ein­zu­stel­len.

  • trotz al­ler Be­schwer­nis­se re­gel­mäs­sig et­was Zeit für sich fin­den. Auch hier ist es sinn­voll, sich von je­man­dem hel­fen zu las­sen, denn Ihre Frei­zeit soll­te auf kei­nen Fall eine zu­sätz­li­che Be­las­tung für Ihre Part­ne­rin be­deu­ten.

  • sich Men­schen su­chen, die ein of­fe­nes Ohr ha­ben für Sie und mit de­nen Sie sich aus­tau­schen kön­nen, wenn Ih­nen al­les zu viel wird.

  • die Hil­fe ei­ner Fach­per­son in An­spruch neh­men, wenn Sie bei sich selbst An­zei­chen ei­ner De­pres­si­on be­mer­ken oder an kör­per­li­chen Sym­pto­men lei­den, für die sich kei­ne or­ga­ni­sche Ur­sa­che fin­den lässt.

Letzte Aktualisierung: 21.01.2021, TV
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