Anzeige
Frau mit Bauchschmerzen bei einer Ärztin,Frau mit Bauchschmerzen konsultiert ihre Ärztin  in der Praxis
©
iStock

Gal­len­stei­ne (Cho­le­li­thia­sis)


Gal­len­bla­sen­stei­ne ent­ste­hen aus ver­dick­tem Gal­len­saft, der für die Ver­dau­ung von Fet­ten im Darm wich­tig ist und bei dem das Ver­hält­nis der ver­schie­de­nen Sal­ze aus dem Gleich­ge­wicht ge­ra­ten ist. Vie­le Men­schen ha­ben Gal­len­stei­ne, ohne sie zu be­mer­ken (stum­me Cho­le­li­thia­sis).

Frau­en lei­den dop­pelt so häu­fig un­ter Gal­len­stei­nen wie Män­ner. Kein Wun­der: Die Pro­duk­ti­on der weib­li­chen Ge­schlechts­hor­mo­ne, die un­ter an­de­rem aus Cho­le­ste­rin ge­bil­det und wie­der zu Cho­le­ste­rin ab­ge­baut wer­den, be­güns­tigt die Ent­ste­hung von Cho­le­ste­rin­stei­nen, der häu­figs­ten Form von Gal­len­stei­nen. Sie tre­ten da­her in der Schwan­ger­schaft, bei lang­jäh­ri­ger Ein­nah­me der Anti-Baby-Pil­le oder ei­ner Ös­tro­gen­the­ra­pie in den Wech­sel­jah­ren (Hor­mon­er­satz­the­ra­pie) ver­mehrt auf.

Jede Schwan­ger­schaft stei­gert so­mit das Ri­si­ko, Gal­len­stei­ne zu ent­wi­ckeln. Und dar­an ist nicht nur der Ös­tro­gen­ein­fluss schuld. Zu­sätz­lich wird in der Schwan­ger­schaft auch noch der Gal­len­ab­fluss be­hin­dert, da das wach­sen­de Baby Raum be­an­sprucht und die Gal­len­bla­se ver­drän­gen kann. Und schliess­lich ist in der Schwan­ger­schaft die Ak­ti­vi­tät der Mus­ku­la­tur in Darm, Gal­len- und Harn­we­gen (glat­te Mus­ku­la­tur) all­ge­mein ge­dämpft, so dass sich die Gal­len­bla­se we­ni­ger stark zu­sam­men­zieht und da­mit we­ni­ger gut ent­leert. Man schätzt, dass etwa jede drit­te Frau in der Schwan­ger­schaft Gal­len­stei­ne be­kommt, die je­doch kei­ne Be­schwer­den (s.u.) ver­ur­sa­chen und nach der Ent­bin­dung oft ohne Sym­pto­me von al­lei­ne ab­ge­hen.

Die meis­ten Gal­len­stei­ne ent­ste­hen je­doch erst nach der Schwan­ger­schaft in der Um­bau­pha­se, wenn sich die enorm er­höh­ten Ös­tro­gen-Spie­gel nor­ma­li­sie­ren. In die­ser Pha­se wird das ab­ge­bau­te Ös­tro­gen als Cho­le­ste­rin über die Gal­le aus­ge­schie­den. Frau­en, die in der Schwan­ger­schaft ei­nen Gal­len­gangs­stau (Schwan­ger­schafts-Cho­le­stase) mit Juck­reiz und Gelb­sucht ha­ben, ha­ben ein ho­hes Ri­si­ko für Gal­len­stei­ne.

Ob Gal­len­stei­ne Be­schwer­den ver­ur­sa­chen, hängt von de­ren Grös­se ab und wo sie sich ge­nau be­fin­den. Das ty­pi­sche An­zei­chen für Gal­len­bla­sen­stei­ne sind sehr un­an­ge­neh­me, krampf­ar­ti­ge Ober­bauch­schmer­zen (Ko­li­ken), die in Wel­len auf­tre­ten und in den Rü­cken und die rech­te Schul­ter aus­strah­len. Die Be­trof­fe­nen ha­ben Blä­hun­gen, Übel­keit, Ver­stop­fung und Bauch­schmer­zen. Die Sym­pto­me tre­ten be­son­ders nach fett­rei­chen, ge­bra­te­nen Spei­sen, Hül­sen­früch­ten, hart­ge­koch­ten Ei­ern, Al­ko­hol oder star­kem Kaf­fee auf. Bei Gal­len­gangs­stei­nen kommt noch eine Gelb­sucht hin­zu, wenn die Stei­ne den Ab­fluss von Gal­len­flüs­sig­keit blo­ckie­ren.

Gal­len­bla­sen­stei­ne von ei­ner Grös­se über 5 mm sind durch eine Ul­tra­schall­un­ter­su­chung des Ober­bauchs leicht fest­zu­stel­len. Stei­ne im Gal­len­gang brau­chen mit­un­ter en­do­sko­pi­sche Zu­satz­un­ter­su­chun­gen. Das Blut wird auf spe­zi­el­le Ent­zün­dungs­zei­chen und ver­än­der­te Le­ber­wer­te un­ter­sucht, die auf ein Gal­len­stein­lei­den schlies­sen las­sen.

Eine aku­te Gal­len­ko­lik wird mit krampf­lö­sen­den und schmerz­stil­len­den Me­di­ka­men­ten (Spas­mo­ly­ti­ka und An­alge­ti­ka) und kurz­fris­ti­gem Fas­ten be­han­delt. Ist die Gal­len­bla­se ent­zün­det (Chole­cy­si­tis), gibt man zu­sätz­lich An­ti­bio­ti­ka.

Eine Ent­fer­nung der Gal­len­bla­se ist die ein­zi­ge Mög­lich­keit, schmerz­haf­ten Ko­li­ken dau­er­haft vor­zu­beu­gen. Für die­sen Ein­griff wer­den nur win­zi­ge Schnit­te ge­macht und ein En­do­skop ein­ge­führt. Ein gros­ser Bauch­schnitt ist heut­zu­ta­ge nicht mehr nö­tig. Die Ent­fer­nung der Gal­len­bla­se hat in der Re­gel kei­ner­lei Aus­wir­kun­gen. Man kann sich nor­mal er­näh­ren und hat durch die feh­len­de Gal­len­bla­se kei­ne Be­ein­träch­ti­gun­gen.

Ob und wann man sich zu die­sem Schritt ent­schliesst, ist eine schwie­ri­ge Fra­ge. Wenn Gal­len­stei­ne kei­ne Be­schwer­den ver­ur­sa­chen, gibt es in der Re­gel auch kei­nen An­lass, sie zu be­han­deln. Vie­le Men­schen mit Gal­len­stei­nen be­kom­men auch über ei­nen län­ge­ren Zeit­raum kei­ne Be­schwer­den. Zu­dem kann jede Be­hand­lung Ne­ben­wir­kun­gen ha­ben, und Ope­ra­tio­nen sind im­mer mit ei­nem ge­wis­sen Ri­si­ko ver­bun­den.

Stand: 3/16, BH

Letzte Aktualisierung: 07.03.2021, BH
Anzeige
Anzeige