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Schwangere liegt seitlich und hält sich den Bauch
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Mes­sung des pH-Werts in der Schei­de


Nor­ma­ler­wei­se fin­det sich in der Schei­de ein sau­res Mi­lieu mit ei­nem pH-Wert zwi­schen 3,8 und 4,5. In die­sem ph-Be­reich ei­ner ge­sun­den Va­gi­nal­schleim­haut wird das Wachs­tum vie­ler un­er­wünsch­ter Kei­me ge­hemmt. Dazu tra­gen Kleinst­or­ga­nis­men bei, haupt­säch­lich Bak­te­ri­en, so­ge­nann­ten Lak­toba­zil­len (=Milch­säu­re­bak­te­ri­en), nach ih­rem Ent­de­cker auch als Döder­lein-Stäb­chen be­zeich­net. Sie pro­du­zie­ren Milch­säu­re und sen­ken so den pH-Wert in den tief sau­ren Be­reich.

Wird die nor­ma­le, ge­sun­de Schei­den­flo­ra zer­stört, z.B. durch über­trie­be­ne Hy­gie­ne mit ag­gres­si­ven Sei­fen oder In­timsprays, kann der pH-Wert an­stei­gen. Bei ei­nem pH-Wert im nied­rig sau­ren, al­ka­li­schen oder neu­tra­len Be­reich brei­ten sich Va­gi­nal­in­fek­tio­nen leich­ter aus, und die­se sind ein wich­ti­ger Ri­si­ko­fak­tor für Früh­ge­bur­ten. Denn Kei­me, die durch den Mut­ter­mund in die Ge­bär­mut­ter­höh­le wan­dern, kön­nen dort ei­nen vor­zei­ti­gen Bla­sen­sprung und vor­zei­ti­ge We­hen aus­lö­sen.

Aus die­sem Grund wird bei der Schwan­ge­ren­vor­sor­ge die Schei­den­flo­ra be­ur­teilt. Am Va­gi­nal­schleim des Mut­ter­munds ist un­ter dem Mi­kro­skop er­kenn­bar, ob das Schei­den­mi­lieu ge­stört sein könn­te. Hin­zu kom­men sub­jek­ti­ve Sym­pto­me wie ver­stärk­ter Aus­fluss, Juck­reiz und Bren­nen im Ge­ni­tal­be­reich. Von vie­len Fach­leu­ten wird zu­sätz­lich eine Mes­sung des pH-Werts in der Schei­de emp­foh­len. Bei ei­nem er­höh­ten Wert kann dann früh ge­nug be­han­delt und eine Früh­ge­burt her­aus­ge­zö­gert bzw. ganz ver­mie­den wer­den. Oft reicht schon die kur­ze Be­hand­lung mit Milch­säu­re­bak­te­ri­en, um die na­tür­li­che Schei­den­flo­ra wie­der her­zu­stel­len.

Wenn Sie zur Ri­si­ko­grup­pe ge­hö­ren, weil Sie be­reits eine Früh­ge­burt oder im­mer wie­der In­fek­tio­nen in der Schei­de hat­ten, kön­nen Sie re­gel­mäs­sig (d.h. ein- bis zwei­mal wö­chent­lich, zwi­schen der 12. Und 32. Schwan­ger­schafts­wo­che) selbst den pH-Wert in Ih­rer Schei­de mes­sen. Die Selbst­mes­sung ver­hin­dert, dass eine Schei­den­ent­zün­dung im Zeit­raum zwi­schen den Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen un­er­kannt und da­mit un­be­han­delt bleibt. Dazu gibt es spe­zi­ell für Schwan­ge­re ent­wi­ckel­te pH-Mess­stäb­chen, Test­strei­fen oder Test­hand­schu­he in der Apo­the­ke. Der ei­nem Wat­te­stäb­chen äh­neln­de Test­strei­fen oder auch der Plas­tik­hand­schuh wird dazu für ei­ni­ge Se­kun­den zwei bis drei Zen­ti­me­ter tief in die Schei­de ein­ge­führt. Da­nach lässt sich durch Ab­gleich mit ei­ner Farb­ska­la der pH-Wert er­mit­teln. Stel­len Sie fest, dass Ihr pH-Wert auf über 4,5 er­höht ist, soll­ten Sie Ih­ren Arzt/Ihre Ärz­tin in­for­mie­ren, denn dann liegt eine Schei­den­in­fek­ti­on vor. Es soll­te ein Schei­den­ab­strich er­fol­gen, der auf Bak­te­ri­en un­ter­sucht wird. So kann ab­ge­klärt wer­den, wel­che Bak­te­ri­en die In­fek­ti­on ver­ur­sacht ha­ben und wel­che Art der Be­hand­lung not­wen­dig ist, um die In­fek­ti­on zu be­sei­ti­gen.

Ei­ni­ge Kei­me, ins­be­son­de­re Pil­ze, kön­nen sich auch im tief sau­ren Mi­lieu, also bei ei­nem un­auf­fäl­li­gen pH-Wert, ver­meh­ren. Ein nor­ma­ler pH-Wert und ein sau­res Schei­den­mi­lieu be­deu­ten da­her kei­nen hun­dert­pro­zen­ti­gen Schutz – we­der ge­gen Kei­me noch ge­gen Früh­ge­bur­ten.

Bei der Selbst­mes­sung ist aus­ser­dem zu be­ach­ten, dass es auch durch ei­ni­ge harm­lo­se Grün­de für ei­nen kurz­fris­tig er­höh­ten pH-Wert (z. B. bei ei­ner Mes­sung un­mit­tel­bar nach dem Ge­schlechts­ver­kehr) kom­men kann. Wur­den kei­ne Kon­do­me be­nutzt, soll­ten Sie am bes­ten zwölf Stun­den bis zur nächs­ten Mes­sung war­ten.

Ei­ni­ge Pi­lot­pro­jek­te mit der pH-Selbst­mes­sung lie­fen in Deutsch­land über­aus er­folg­reich. Eine Ak­ti­on des Lan­des Thü­rin­gen von 1998 bis 2000 und eine Un­ter­su­chung der Er­satz­kas­sen im Jahr 2009 ha­ben ge­zeigt, dass ins­be­son­de­re die frü­hen Früh­ge­bur­ten vor der 32. Schwan­ger­schafts­wo­che bei An­wen­dung des ein­fa­chen Selbst­tests deut­lich ab­neh­men. An­de­re Stu­di­en deu­ten je­doch auf kei­nen be­son­de­ren Ef­fekt von zu­sätz­li­chen pH-Tests durch die Schwan­ge­re selbst hin. Ob eine Mes­sung im Ein­zel­fall sinn­voll ist bzw. ob Sie zur Ri­si­ko­grup­pe für eine Früh­ge­burt ge­hö­ren, kann Ihr Frau­en­arzt/Ihre Frau­en­ärz­tin oder Ihre Heb­am­me in­di­vi­du­ell be­ur­tei­len.

FAQHäu­fi­ge Fra­gen zum The­ma

Ja. Der pH-Wert des Va­gi­nal­se­krets steigt an, wenn Sper­ma bei­gemischt ist. Eine Mes­sung we­ni­ger als 12 Stun­den nach dem Ge­schlechts­ver­kehr bringt also ein fal­sches Er­geb­nis. Aus­ser­dem kann Urin den pH-Wert so­wohl mehr in den sau­ren als auch in Rich­tung ba­si­schen Be­reich ver­schie­ben. Die …
Auf­stei­gen­de In­fek­tio­nen von der Harn­röh­re oder der Schei­de sind die häu­figs­ten Ur­sa­chen für vor­zei­ti­ge We­hen und Früh­ge­bur­ten. Und lei­der ist die Schei­de durch die hor­mo­nel­len Ver­än­de­run­gen in der Schwan­ger­schaft sehr viel in­fek­ti­ons­an­fäl­li­ger. Ach­ten Sie des­halb auf alle Ar­ten von Aus­fluss und …
Letzte Aktualisierung: 28.09.2020, BH
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