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Zahnärztin Andrea Zimmermann bei der Arbeit

10 wich­ti­ge Fra­gen an eine Kin­der-Zahn­ärz­tin

An­drea Zim­mer­mann ist Zahn­ärz­tin bei Züri-Zah­ni


1. Ab wann und wie häu­fig muss ich mei­nem Kind die Zäh­ne put­zen? 


Die Kin­der­zahn­ärz­tin emp­fiehlt re­gel­mäs­si­ges Zäh­ne­put­zen ab dem Durch­bruch des ers­ten Zah­nes. Im ers­ten Le­bens­jahr ein­mal, im zwei­ten zwei­mal und ab dem zwei­ten Le­bens­jahr drei­mal am Tag. Wich­tig ist, dass Sie Ih­rem Kind beim Put­zen hel­fen, da die mo­to­ri­schen Fä­hig­kei­ten in die­sem Al­ter in der Re­gel noch nicht für eine per­fek­te Mund­hy­gie­ne aus­rei­chen.Aus­ser­dem gilt zu be­ach­ten, dass nebst ei­ner ent­spre­chen­den Zahn­bürs­ten­kopf­grös­se eine al­ters­ent­spre­chen­de Zahn­pas­ta mit an­ge­pass­ter Fluo­rid­kon­zen­tra­ti­on (500ppm) ge­wählt wird. Klei­ne Kin­der kön­nen noch nicht gut aus­spu­cken und schlu­cken die Zahn­pas­ta zum gröss­ten Teil. Ger­ne zeigt Ihre Kin­der­zahn­ärz­tin, wie Ihr Kind die Zahn­bürs­te hal­ten und die kor­rek­ten Zahn­putz­be­we­gun­gen aus­füh­ren muss.

2. Wann wird ein ers­ter Be­such bei der Kin­der­zahn­ärz­tin emp­foh­len?


Der ers­te Be­such beim Zahn­arzt emp­fiehlt sich im Al­ter von zwei Jah­ren. So kön­nen die klei­nen Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten zu­sam­men mit den El­tern in ei­ner ru­hi­gen und kin­der­freund­li­chen At­mo­sphä­re an die Kin­der­zahn­me­di­zin her­an­ge­führt wer­den. Denn in die­sem Al­ter sind bei den meis­ten Kin­dern die Milch­zäh­ne voll­stän­dig durch­ge­bro­chen.Für Fra­gen rund um die Er­näh­rung und um die täg­li­che Mund­hy­gie­ne zu Hau­se be­rät Ihre Zahn­ärz­tin Sie ger­ne be­reits ab dem Durch­bruch der ers­ten Milch­zäh­ne.

Mädchen beim Zahnarzt
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3. Wie lan­ge kann un­ser Kind den Nug­gi be­hal­ten?  


In den ers­ten drei Jah­ren ha­ben auch Ex­per­ten grund­sätz­lich nichts ge­gen den Nug­gi ein­zu­wen­den. Soll­te sich bis da­hin eine Kie­fer­ver­for­mung, zum Bei­spiel ein "of­fe­ner Biss" ent­wi­ckelt ha­ben, be­steht noch eine gute Chan­ce, dass sich dies zu­rück­bil­det. Bei ei­nem of­fe­nen Biss bleibt eine Lü­cke der Schnei­de­zäh­ne zwi­schen Ober- und Un­ter­kie­fer oder der Sei­ten­zäh­ne be­stehen, wenn die Zahn­rei­hen ge­schlos­sen sind, also wenn die Zäh­ne zu­sam­men­ge­bis­sen wer­den. 

4. Milch­schop­pen in der Nacht – darf ich das?


Milch ent­hält Milch­zu­cker, dar­um kann der nächt­li­che Milch­schop­pen ohne an­schlies­sen­des Zäh­ne­put­zen den Zäh­nen scha­den.Nachts pro­du­zie­ren wir 10-mal we­ni­ger Spei­chel, der hilft, ka­ri­es­bil­den­de Bak­te­ri­en weg­zu­spü­len. Die Bak­te­ri­en kön­nen also un­ge­stört die noch vor­han­de­nen Spei­se­res­ten ver­gä­ren und un­se­re Zäh­ne so emp­find­lich schä­di­gen. Dar­um gilt: Wer die Zäh­ne be­reits ge­putzt hat, soll­te nur noch Was­ser trin­ken.

5. Wie­so ist die Pfle­ge der Milch­zäh­ne so wich­tig, wenn sie ja so­wie­so aus­fal­len?


Milch­zäh­ne sind Platz­hal­ter für das blei­ben­de Ge­biss. Bis zum Durch­bruch der blei­ben­den Zäh­ne hal­ten sie den Platz frei. Aus die­sem Grund ist es so wich­tig, dass sie be­reits ab dem Her­vor­tre­ten des ers­ten Zahns gut ge­pflegt wer­den. Wenn die Milch­zäh­ne ge­zo­gen wer­den müs­sen, weil sie sehr stark von Ka­ri­es be­fal­len sind, kön­nen sie die­se Auf­ga­be nicht mehr er­fül­len. Die an­de­ren Milch­zäh­ne kip­pen dann in die Lü­cke und der blei­ben­de Zahn hat nicht ge­nü­gend Platz, sich ge­sund aus­zu­wach­sen.Die Fol­ge da­von sind Fehl­stel­lun­gen, die Kau­en, Spre­chen und Aus­se­hen be­ein­träch­ti­gen und spä­ter mü­he­voll und teu­er kor­ri­giert wer­den müs­sen.

Mutter und Kind putzen sich die Zähne
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6. Wie ver­hal­te ich mich rich­tig bei ei­nem Zahn­un­fall? 


Nicht je­der Zahn­un­fall muss not­fall­mäs­sig be­han­delt wer­den. Wie schnell Sie eine Zahn­ärz­tin auf­su­chen soll­ten, hängt da­von ab, wie der Zahn ver­letzt wur­de und ob es sich da­bei um ei­nen Milch­zahn oder um blei­ben­de Zäh­ne han­delt.

  • Der Milch­zahn ist lo­cker oder ver­scho­ben: Die Be­hand­lung ist nicht drin­gend, su­chen Sie den Zahn­arzt aber spä­tes­tens am nächs­ten Tag auf. Nur wenn es nach 10 Mi­nu­ten nicht auf­hört zu blu­ten, oder wenn das Kind nicht zu­beis­sen kann, soll­ten Sie so­fort zur Zahn­ärz­tin.

  • Der Milch­zahn ist ab­ge­bro­chen: Bei ei­nem ab­ge­bro­che­nen Milch­zahn soll­ten Sie in­ner­halb der nächs­ten 3 Tage ei­nen Zahn­arzt­ter­min ver­ein­ba­ren. Aus­ser bei ei­ner Blu­tung aus dem Zahn: Dann ist es wich­tig, am sel­ben Tag noch eine Zahn­arzt­pra­xis auf­zu­su­chen.

  • Der Milch­zahn ist aus­ge­schla­gen: Die Be­hand­lung ist nicht drin­gend, denn ein aus­ge­schla­ge­ner Milch­zahn wird nicht wie­der ein­ge­setzt. Es reicht, wenn Sie in­ner­halb der nächs­ten 3 Tage ei­nen Zahn­arzt­be­such pla­nen.

  • Han­delt es sich beim un­fall­ge­schä­dig­ten Zahn um ei­nen blei­ben­den Zahn, emp­fiehlt sich in je­dem Fall eine schnellst­mög­li­che Kon­takt­auf­nah­me mit Ih­rer Zahn­ärz­tin. Mel­den Sie je­den Zahn­un­fall der Kran­ken­ver­si­che­rung, denn Un­fäl­le bei Milch­zäh­nen kön­nen zu Spät­schä­den bei den blei­ben­den Zäh­nen füh­ren. Wenn Sie den Be­fund nicht von ei­nem Zahn­arzt fest­hal­ten las­sen, ris­kie­ren Sie, dass die Kran­ken­kas­se spä­ter für eine Fol­ge­be­hand­lung nicht be­zahlt.

7. Milch­zäh­ne ha­ben farb­li­che Ver­än­de­rung – was könn­te das sein? 


Ent­we­der han­delt es sich da­bei um eine Ver­fär­bung der Zahn­ober­flä­che oder eine im Zahn ent­ste­hen­de Ver­fär­bung. Auf der Zahn­ober­flä­che kann sich al­les ab­la­gern, was wir es­sen oder trin­ken. Farb­pig­men­te aus bun­ten Nah­rungs­mit­teln, Obst und Ge­mü­se la­gern sich bei Kin­dern gern ab. Ha­ben Kin­der we­nig Spei­chel oder at­men sie ver­mehrt durch den Mund, dann set­zen sich auch mehr Be­lä­ge auf den Zäh­nen ab. Auch Bak­te­ri­en, wel­che schwar­ze Farb­pig­men­te (Black Stain) pro­du­zie­ren, kön­nen Ur­sa­che für Ver­än­de­run­gen der Zahn­far­be sein. Eine Ver­fär­bung, die im Zahn ent­steht, ist häu­fig auf ein frü­hes Un­fall­ereig­nis zu­rück­zu­füh­ren. Sol­che Milch­zäh­ne sind gelb­lich-opak oder gräu­lich.

8. Was sind Krei­de­zäh­ne und wie wer­den sie be­han­delt? 


Etwa 10-15 % der Schul­kin­der ha­ben auf die­sen Ba­cken­zäh­nen weiss­lich-gelb­li­che bis bräun­li­che Schmelz­an­tei­le. Die so­ge­nann­te Mo­la­ren-In­zi­si­ven-Hy­po­mi­ne­ra­li­sa­ti­on (MIH), auch "Krei­de­zäh­ne" ge­nannt, ist eine spe­zi­el­le Form der Schmelz­bil­dungs­stö­rung. Je stär­ker be-trof­fen die­se Far­be am Zahn ist, des­to eher kann es sein, dass et­was Schmelz weg­brö-ckelt.Eine Vor­beu­gung ist ohne Kennt­nis der ge­nau­en Ur­sa­che nur schwer mög­lich. Nach der Dia­gno­se­stel­lung ist die wich­tigs­te Auf­ga­be, Ka­ri­es zu ver­hin­dern, denn in den po­rö­sen Ober­flä­chen der be­trof­fe­nen Zäh­ne nis­ten sich schäd­li­che Bak­te­ri­en be­son­ders gern ein. In der Schweiz emp­feh­len die Kin­der­zahn­ärz­te re­gel­mäs­si­ge pro­fes­sio­nel­le Zahn­rei­ni­gung mit Fluo­rid­ap­pli­ka­ti­on oder ge­ge­be­nen­falls auch die Ver­sie­ge­lung die­ser Zäh­ne. Dies muss aber un­ter al­len Re­geln der Kunst vor­ge­nom­men wer­den.

Haifischartiger Zahndurchbruch
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9. Zäh­ne bre­chen hai­fisch­mäs­sig durch - was kann man tun? 


Wenn die Milch­zäh­ne noch da sind, die blei­ben­den Zäh­ne in der zwei­ten Rei­he aber schon durch­bre­chen, er­in­nert das an ein dop­pel­rei­hi­ges Hai­fisch­ge­biss.Nor­ma­ler­wei­se wächst der neue Zahn ge­nau un­ter dem Milch­zahn nach und löst des­sen Wur­zel auf, so­dass der Milch­zahn aus­fällt. Wenn der Zahn­keim des blei­ben­den Zahns nicht an der­sel­ben Stel­le po­si­tio­niert ist, kann der blei­ben­de Zahn be­reits her­aus­wach­sen, be­vor der Milch­zahn aus­ge­fal­len ist.Milch­zäh­ne, die ver­setzt zum durch­bre­chen­den blei­ben­den Zahn ste­hen, kön­nen über län­ge­re Zeit im Mund blei­ben . Weil we­gen der ver­schach­tel­ten Po­si­ti­on eine ge­nü­gen­de Rei­ni­gung schwie­rig ist, kann die Zahn­ärz­tin das Zie­hen des be­trof­fe­nen Milch­zahns in Be­tracht zie­hen. So kann der blei­ben­de Zahn (falls das Platz­an­ge­bot aus­reicht) durch den Zun­gen­druck an sei­nen rich­ti­gen Platz durch­bre­chen.

10. Brau­chen wir eine Zahn­ver­si­che­rung für un­ser Kind?


Der Ab­schluss ei­ner Zu­satz­ver­si­che­rung, wel­che ei­nen Teil der Kos­ten ei­ner kie­fer­or­tho­pä­di­schen Be­hand­lung über­nimmt, ist sehr zu emp­feh­len. Am bes­ten schlies­sen Sie die­se be­reits bei der Ge­burt ab, wenn Sie Ihr Kind bei der Kran­ken­kas­se an­mel­den. Tun Sie dies näm­lich erst nach dem vier­ten Ge­burts­tag Ih­res Kin­des, ver­lan­gen die Ver­si­che­run­gen eine zahn­ärzt­li­che Un­ter­su­chung. Zeigt sich da­bei, dass spä­ter even­tu­ell eine Kor­rek­tur nö­tig wird, lehnt die Ver­si­che­rung die Auf­nah­me meist ab. Die Prä­mi­en für die Zu­satz­ver­si­che­rung sind im Ver­gleich zu den Kos­ten, die über­nom­men wer­den, nicht hoch. Sie ver­lie­ren also nicht viel, falls Ihr Kind spä­ter doch kei­ne kie­fer­or­tho­pä­di­sche Be­hand­lung braucht.

Zu­satz­ver­si­che­run­gen, die für alle zahn­ärzt­li­chen Be­hand­lun­gen auf­kom­men, sind re­la­tiv teu­er und loh­nen sich in den meis­ten Fäl­len nicht.

Letzte Aktualisierung: 10.05.2021, swissmom-Redaktion
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