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Neugeborenes mit Nabelschnurstumpf
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Ein­la­ge­rung von Na­bel­schnur­blut - Das müs­sen Sie wis­sen


Nach der Ge­burt und der Durch­tren­nung der Na­bel­schnur kön­nen aus der Na­bel­schnur Blut­stamm­zel­len ge­won­nen, ein­ge­fro­ren und in Na­bel­schnur­blut­ban­ken auf­be­wahrt wer­den. Im Blut der ab­ge­trenn­ten Na­bel­schnur be­fin­det sich eine hohe Kon­zen­tra­ti­on so­ge­nann­ter Stamm­zel­len. Die­se kön­nen bei der Be­hand­lung von be­stimm­ten Krank­hei­ten wie Blut­krebs (Leuk­ämie) ein­ge­setzt wer­den. 

Was sind Stamm­zel­len?


Stamm­zel­len sind so­zu­sa­gen Nach­fah­ren der Zel­len, die sich aus der be­fruch­te­ten Ei­zel­le durch Tei­lung ge­bil­det ha­ben. Die ge­naue End­be­stim­mung die­ser Zel­len ist noch nicht fest­ge­legt. Je un­rei­fer die Stamm­zel­len sind, umso we­ni­ger fest­ge­legt ist ihre Funk­ti­on. Des­halb kön­nen sich aus den frü­hes­ten Stamm­zel­len noch Zel­len ver­schie­dens­ter Or­ga­ne ent­wi­ckeln; rote oder weis­se Blut­kör­per­chen, Mus­keln, Ner­ven oder Kno­chen. Nach wel­chen Ge­setz­mäs­sig­kei­ten das ab­läuft, wird der­zeit über­all auf der Welt er­forscht.

Was ist eine Stamm­zel­len­the­ra­pie?


Bei die­ser The­ra­pie wer­den Stamm­zel­len aus dem Kno­chen­mark oder dem Blut trans­plan­tiert. Die­se Be­hand­lung wird  bei Krank­hei­ten des Blu­tes (z.B. Leuk­ämie) und des Im­mun­sys­tems oder zur Wie­der­her­stel­lung des Blut­sys­tems nach be­stimm­ten Krebs­the­ra­pi­en (hoch­do­sier­ten Che­mo­the­ra­pi­en) ein­ge­setzt. Man ver­wen­det da­für ent­we­der die kör­per­ei­ge­nen Stam­mel­len oder die­je­ni­gen ei­nes ge­eig­ne­ten Spen­ders.

Eine  Kno­chen­marks­trans­plan­ta­ti­on hat ge­wis­se Nach­tei­le: Es muss im­mer ein mög­lichst ge­eig­ne­ter Spen­der ge­fun­den wer­den, denn der Kör­per kann auf die frem­den Stamm­zel­len mit Ab­wehr re­agie­ren. Bei fast der Hälf­te der Pa­ti­en­ten fin­det sich kei­nen ge­eig­ne­ten Spen­der. Aus­ser­dem ist die Kno­chen­mar­k­ent­nah­me und -trans­plan­ta­ti­on mit ei­nem ge­wis­sen Ri­si­ko ver­bun­den, und durch den Zeit­ver­lust bis zur Ent­nah­me kann es für den Pa­ti­en­ten z.B. bei der aku­ten Leuk­ämie be­reits zu spät sein.

War­um Stamm­zel­len aus Na­bel­schnur­blut?


Stamm­zel­len aus dem Na­bel­schnur­blut ha­ben im Ge­gen­satz dazu ei­ni­ge Vor­tei­le (sie­he un­ten). Des­halb ist heu­te das Na­bel­schnur­blut als Quel­le von Stamm­zel­len für die Trans­plan­ta­ti­on wich­ti­ger ge­wor­den.

Die Zel­len der Na­bel­schnur sind be­fä­higt, sich in die ver­schie­de­nen Ar­ten von Blut­zel­len und Ab­wehr­zel­len des Im­mun­sys­tems zu ent­wi­ckeln; gleich­zei­tig kön­nen sie sich fast be­lie­big selbst ver­meh­ren. Man un­ter­schei­det zwi­schen adul­ten und em­bryo­na­len Stamm­zel­len. Die Na­bel­schnur­stamm­zel­len lie­gen ir­gend­wo da­zwi­schen. Sie kön­nen nicht mehr ohne wei­te­res je­des Ge­we­be bil­den, aber sie sind an­de­rer­seits noch be­son­ders vi­tal und fle­xi­bel, mehr als z.B. die Stamm­zel­len des er­wach­se­nen Kno­chen­marks.

In der Schweiz ha­ben in den letz­ten Jah­ren ge­gen  100 Pa­ti­en­ten eine Stamm­zel­len-Trans­plan­ta­ti­on aus Na­bel­schnur­blut er­hal­ten. Die meis­ten Emp­fän­ger sind Kin­der mit Leuk­ämi­en oder ge­ne­ti­schen Er­kran­kun­gen, aber auch zu­neh­mend Er­wach­se­ne. Das ist mög­lich, weil man in­zwi­schen weiss, dass man ty­pen­glei­che HLA-Spen­den mi­schen kann und da­mit die not­wen­di­ge Men­ge an Stamm­zel­len, die es bei Er­wach­se­nen braucht, er­rei­chen kann. Die Hei­lungs­chan­cen sind ab­hän­gig von der be­tref­fen­den Krank­heit und lie­gen ins­ge­samt etwa bei 50 Pro­zent.

Vor­tei­le der Na­bel­schnur­blut-Stamm­zel­len:

  • Na­bel­schnur­blut kann nach der Ge­burt und nach Ab­na­be­lung schmerz­frei und ohne Ri­si­ko für Mut­ter und Kind ge­won­nen wer­den.

  • Nach Über­prü­fung von Qua­li­tät, Keim­frei­heit und Ge­webs­typ des Na­bel­schnur­blu­tes kann die­ses tief­ge­fro­ren und in flüs­si­gem Stick­stoff über Jah­re ge­la­gert wer­den.

  • Die An­zahl po­ten­ti­el­ler Spen­der ist fast un­be­grenzt gross; ins­be­son­de­re kön­nen auch Be­völ­ke­rungs­grup­pen mit sel­te­nen Ge­webs­ty­pen, wel­che in Kno­chen­marks­spen­de­re­gis­tern un­ter­ver­tre­ten sind, als Spen­der ein­ge­schlos­sen wer­den.

  • Das Na­bel­schnur­blut-Trans­plan­tat aus ei­ner Na­bel­schnur­blut­bank ist (im Ge­gen­satz zu Stamm­zel­len von ei­nem Spen­der aus Kno­chen­mark) je­der­zeit ab­ruf­bar.

  • Ab­stos­sungs­re­ak­tio­nen durch im­mu­no­lo­gisch ak­ti­ve Zel­len des Spen­ders im Trans­plan­tat (so­ge­nann­te "Graft-ver­sus-host Krank­heit"), kommt bei Na­bel­schnur­blut im Ge­gen­satz zu Kno­chen­mark sel­te­ner und in ge­rin­ge­rem Schwe­re­grad vor, weil die kind­li­chen Zel­len im Na­bel­schnur­blut un­rei­fer sind und da­her we­ni­ger be­fä­higt sind, eine Ab­wehr­re­ak­ti­on aus­zu­lö­sen.

Nach­tei­le der Na­bel­schnur­blut-Stamm­zel­len:

  • Die be­grenz­te Men­ge der Zel­len im Na­bel­schnur­blut, so dass meist nur Kin­der und nur sel­ten Er­wach­se­ne trans­plan­tiert wer­den kön­nen.

  • Die Kos­ten der Ent­nah­me und Ein­la­ge­rung in die öf­fent­li­che Na­bel­schnur­blut­bank sind hoch (Ge­samt­kos­ten rund 7400.- pro ein­ge­la­ger­te Spen­de), wes­halb in den öf­fent­li­chen Ban­ken in der Schweiz nur Na­bel­schnur­blut­spen­den mit ho­hem Stamm­zell­ge­halt ein­ge­la­gert wer­den. Dies be­deu­tet, dass das Na­bel­schnur­blut nur in 20% der Ge­bur­ten als Spen­de ein­ge­la­gert wer­den kann, auch wenn die El­tern die Ein­la­ge­rung wün­schen und es spen­den möch­ten.

Wie wird eine Na­bel­schnur­blut-Spen­de durch­ge­führt?


Die Na­bel­schnur­blut-Spen­de ist ein­fach und un­kom­pli­ziert. Die Ent­nah­me nach der Ge­burt ist für Mut­ter und Kind völ­lig schmerz­frei und ri­si­ko­los. Das Na­bel­schnur­blut kann bei je­der Ge­burt ge­won­nen, ty­pi­siert und ein­ge­la­gert wer­den.

Nach der Ge­burt des Kin­des bleibt eine ge­wis­se Men­ge kind­li­ches Blut in der Pla­zen­ta und in der Na­bel­schnur zu­rück. Die­ses Rest­blut muss gleich nach der Durch­tren­nung der Na­bel­schnur un­ter mög­lichst ste­ri­len Be­din­gun­gen ab­ge­nom­men wer­den. Eine ge­schul­te Hilfs­per­son füllt das Na­bel­schnur­blut kurz nach der Ab­na­be­lung in ei­nen ste­ri­len Beu­tel. So kön­nen sich Arzt und Heb­am­me wei­ter­hin auf die Be­treu­ung von Mut­ter und Kind kon­zen­trie­ren. Das üb­li­che Vor­ge­hen bei und nach ei­ner Ge­burt wird nicht ge­än­dert. Auf­be­wahrt wird die Pro­be in Flüs­sig­keits­stoff bei ca. –200 Grad Cel­si­us. Im Be­darfs­fall wer­den die Zel­len ein­fach wie­der auf­ge­taut.

Sen­dung von SRF Puls zur Na­bel­schnur­blut­spen­de


Wel­che Spen­de­for­men und Ein­la­ge­rungs­mög­lich­kei­ten gibt es?


Na­bel­schnur­blut wird heu­te in un­ter­schied­li­chen Ein­rich­tun­gen („Na­bel­schnur­blut-Ban­ken“) auf­be­wahrt. Man un­ter­schei­det da­bei zwi­schen öf­fent­li­chen In­sti­tu­tio­nen (öf­fent­li­che Na­bel­schnur­blut-Ban­ken) und pri­va­ten An­bie­tern (pri­va­te Na­bel­schnur­blut-Ban­ken). Bei bei­den Ein­la­ge­rungs­me­tho­den be­stehen Vor- und Nach­tei­le.

Öf­fent­li­che Na­bel­schnur­bank / Fremd­spen­de:
In öf­fent­li­chen, so­ge­nann­ten al­lo­ge­nen Na­bel­schnur­blut­ban­ken wird Na­bel­schnur­blut an­onym ein­ge­la­gert. Die Zu­tei­lung er­folgt nach me­di­zi­ni­schen Kri­te­ri­en über ein welt­wei­tes Da­ten­netz­werk, in wel­chem alle ein­ge­la­ger­ten Na­bel­schnur­blut­spen­den re­gis­triert sind. Die­se Stamm­zel­len sind für alle Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten zu­gäng­lich, wel­che sie be­nö­ti­gen und bei der Ty­pi­sie­rung mög­lichst über­ein­stim­men - Spen­der selbst ha­ben kein ex­klu­si­ves An­recht dar­auf. Es be­steht al­ler­dings die Mög­lich­keit, nach der Ein­la­ge­rung das Na­bel­schnur­blut zu­rück zu er­hal­ten, wenn zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt in der Fa­mi­lie des Spen­ders Be­darf ent­ste­hen soll­te und das ent­spre­chen­de Na­bel­schnur­blut noch in der Bank ein­ge­la­gert ist. Mög­lich ist auch eine Fa­mi­li­en­spen­de, wenn ein Kind be­reits an Leuk­ämie er­krankt ist und die Mut­ter ein wei­te­res Kind er­war­tet. 

Die öf­fent­li­che Na­bel­schnur­blut­bank wird durch SVK (Schwei­ze­ri­scher Ver­band für Ge­mein­schafts­auf­ga­ben der Kran­ken­ver­si­che­rer) und H+ (Die Spi­tä­ler Schweiz) über Ab­ga­ben bei be­zahl­ten Stamm­zell­trans­plan­ta­tio­nen fi­nan­ziert. Die Ge­samt­kos­ten pro ein­ge­la­ger­te Spen­de be­lau­fen sich auf rund 7400.-.

Fremd­spen­den von Na­bel­sch­nu­blut-Stamm­zel­len wer­den ak­tu­ell in fol­gen­den Frau­en­kli­ni­ken durch­ge­führt: Bern, Ba­sel und Genf, am Kan­tons­spi­tal Lies­tal so­wie in Lu­ga­no und Lo­car­no. Das Blut wird in den Na­bel­schnur­ban­ken in Ba­sel und Genf auf­be­wahrt.

Die haupt­säch­li­chen Vor­tei­le der Fremd­spen­de sind:

  • Sie ist für die El­tern kos­ten­los..

  • Die Wahr­schein­lich­keit, dass die Stamm­zel­len tat­säch­lich für ei­nen frem­den Pa­ti­en­ten ver­wen­det (trans­plan­tiert) wer­den, be­trägt bei der öf­fent­li­chen Na­bel­schnur­blut­bank in der Schweiz im­mer­hin 2-3%.

Die haupt­säch­li­chen Nach­tei­le der Fremd­spen­de sind:

  • Die Spen­de ist aus­schliess­lich an den oben ge­nann­ten Ge­burts­kli­ni­ken mög­lich.

  • Bei 80% der Ge­bur­ten kann die Na­bel­schnur­blut­spen­de nicht ein­ge­la­gert wer­den, ob­wohl die El­tern eine Fremd­spen­de wün­schen und die­se ge­plant ist. Grund da­für ist, dass vie­le Spen­den den ho­hen Stamm­zell­ge­halt nicht er­rei­chen, wel­cher von den öf­fent­li­chen Ban­ken aus öko­no­mi­schen Über­le­gun­gen ge­for­dert wird Oder es be­stehen be­stimm­te Krank­hei­ten bei der schwan­ge­ren Frau selbst oder in de­ren Fa­mi­lie.

  • Die El­tern müs­sen auf das An­recht auf die Zel­len ver­zich­ten, was re­le­vant wer­den könn­te, wenn das Kind selbst oder ein an­de­res Fa­mi­li­en­mit­glied zu spä­te­rem Zeit­punkt an ei­ner der be­tref­fen­den Krank­hei­ten er­kran­ken soll­te. Fa­mi­liä­re Spen­de (ge­rich­tet):
    Un­ter ei­ner ge­rich­te­ten Spen­de ver­steht man die Na­bel­schnur­blut­spen­de für ein er­krank­tes Ge­schwis­ter­kind oder ei­nen an­de­ren Ver­wand­ten ers­ten Gra­des, der be­reits an ei­ner Krank­heit lei­det, die durch eine Stamm­zell­trans­plan­ta­ti­on po­ten­ti­ell ge­heilt wer­den kann. Das Na­bel­schnur­blut kann nun „ge­rich­tet“ ein­ge­la­gert, also „re­ser­viert“, wer­den. Dies ist in­so­fern me­di­zi­nisch sinn­voll, da die Wahr­schein­lich­keit der Über­ein­stim­mung der Ge­we­be­merk­ma­le bei Ver­wand­ten ver­gleichs­wei­se hoch ist. Be­steht eine Über­ein­stim­mung, er­folgt eine für die El­tern kos­ten­freie Ein­la­ge­rung. Die An­mel­dung zu ei­ner ge­rich­te­ten Na­bel­schnur­blut­spen­de wird in der Re­gel über den be­treu­en­den On­ko­lo­gen oder Ge­burts­hel­fer vor­ge­nom­men. 

  • Pri­vat­spen­de (Pri­va­te Ein­la­ge­rung, Fa­mi­li­en-Ban­king)Eine wei­te­re Mög­lich­keit ist die Ei­gen- oder Pri­vat­spen­de von Na­bel­schnur­blut, bei der die Stamm­zel­len bei der Ge­burt für das Kind selbst in ei­ner pri­va­ten, sog. au­to­lo­gen, Na­bel­schnur­blut-Bank ein­ge­la­gert wer­den. Sie ste­hen dann zur Ver­fü­gung, falls das Kind  oder oder ein an­de­res Fa­mi­li­en­mit­glied zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt im Le­ben er­krankt und die Stamm­zel­len be­nö­tigt. Die pri­va­te Fir­ma schliesst mit Ih­nen ei­nen Ver­trag über die La­ge­rung der Blut­pro­be ab. Die Kos­ten für die pri­va­te Spen­de müs­sen durch die El­tern selbst ge­tra­gen wer­den. Kos­ten­punkt: ca. 3000 bis 5000 Fran­ken. Bis jetzt hat man über 20 Jah­re Er­fah­rung mit der Kryo­kon­ser­vie­rung.Die haupt­säch­li­chen Vor­tei­le der Pri­vat­spen­de sind: Das Na­bel­schnur­blut kann in je­der Ge­burts­kli­nik der Schweiz ent­nom­men und in ei­ner pri­va­ten Bank ein­ge­la­gert wer­den.Die Na­bel­schnur­blut-Stamm­zel­len kön­nen in über 90% der Fäl­le ein­ge­la­gert wer­den, da die Min­dest­men­ge an ent­hal­te­nen Stamm­zel­len deut­lich klei­ner ist als bei der Fremd­spen­de (aus me­di­zi­ni­schen Grün­den wer­den bei der Ei­gen­spen­de we­ni­ger Stamm­zel­len be­nö­tigt).Die haupt­säch­li­chen Nach­tei­le der Pri­vat­spen­de sind: Die Kos­ten müs­sen durch die El­tern selbst ge­tra­gen wer­den.Die Wahr­schein­lich­keit, dass die Stamm­zel­len spä­ter beim Kind selbst oder ei­nem Fa­mi­li­en­mit­glied Ver­wen­dung fin­den und trans­plan­tiert wer­den, ist zur Zeit klein, ge­schätzt 0.05 – 0.1 %. Soll­ten in Zu­kunft je­doch wei­te­re Krank­hei­ten da­zu­kom­men, die mit­tels Stamm­zel­len be­han­delt wer­den kön­nen, wird die­se Wahr­schein­lich­keit grös­ser. Heu­te lau­fen in ver­schie­de­nen Be­rei­chen be­reits kli­ni­sche Stu­di­en, bei­spiels­wei­se bei Herz­krank­hei­ten, Mul­ti­ple Skle­ro­se, schwe­ren Au­to­im­mun­krank­hei­ten, kind­li­che Ze­re­b­ral­pa­re­se oder an­de­ren de­ge­ne­ra­ti­ven Krank­hei­tenHy­bri­de Spen­de: Neu in der Frau­en­kli­nik In­sel­spi­tal Bern

  • Ab Juli 2020 führt die Frau­en­kli­nik Bern ge­mein­sam mit dem SRK und der pri­va­ten Na­bel­schnur­blut­bank Swiss Stem Cell Bio­tech (SSCB) ein vom BAG be­wil­lig­tes Pi­lot­pro­jekT zur Hy­bri­den Spen­de (ge­misch­te Spen­de) durch. Die­se hat das idea­le Ziel ei­ner Kom­bi­na­ti­on, wel­che pri­va­te Vor­sor­ge in der Fa­mi­lie und öf­fent­li­ches En­ga­ge­ment für Pa­ti­en­ten ver­bin­det. Bei der Hy­bridspen­de wird das Na­bel­schnur­blut nach der Ge­burt zu­nächst für den Ei­gen­ge­brauch ein­ge­la­gert (wie bei ei­ner pri­va­ten Nut­zung zah­len die El­tern hier­für die Kos­ten, al­ler­dings in re­du­zier­tem Um­fang). Zu­sätz­lich aber wird – wie bei ei­ner öf­fent­li­chen Spen­de – HLA ty­pi­siert (Ge­webs­ei­gen­schaf­ten) und die Spen­de im öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Stamm­zell­spen­den­re­gis­ter der Schweiz an­onym auf­ge­führt. Soll­ten sich die ge­fro­re­nen Zel­len als idea­les Trans­plan­tat für ei­nen Pa­ti­en­ten ir­gend­wo welt­weit her­aus­stel­len, so ha­ben die El­tern die Mög­lich­keit, das Na­bel­schnur­blut Blut ih­res Kin­des frei­zu­ge­ben und die Kos­ten für Ent­nah­me und Ein­la­ge­rung zu­rück­zu­er­hal­ten. Hy­brid­ban­ken sol­cher Art be­stehen heu­te zum Bei­spiel in Eng­land und Deutsch­land. Wenn das Pi­lot­pro­jekt er­folg­reich ist, wird die Mög­lich­keit der Hy­bridspen­de (hy­bri­de Ein­la­ge­rung) bald schweiz­weit mög­lich wer­den.

  • Das Na­bel­schnur­blut kann in je­der Ge­burts­kli­nik der Schweiz ent­nom­men und in ei­ner pri­va­ten Bank ein­ge­la­gert wer­den.

  • Die Na­bel­schnur­blut-Stamm­zel­len kön­nen in über 90% der Fäl­le ein­ge­la­gert wer­den, da die Min­dest­men­ge an ent­hal­te­nen Stamm­zel­len deut­lich klei­ner ist als bei der Fremd­spen­de (aus me­di­zi­ni­schen Grün­den wer­den bei der Ei­gen­spen­de we­ni­ger Stamm­zel­len be­nö­tigt).

  • Die Kos­ten müs­sen durch die El­tern selbst ge­tra­gen wer­den.

  • Die Wahr­schein­lich­keit, dass die Stamm­zel­len spä­ter beim Kind selbst oder ei­nem Fa­mi­li­en­mit­glied Ver­wen­dung fin­den und trans­plan­tiert wer­den, ist zur Zeit klein, ge­schätzt 0.05 – 0.1 %. Soll­ten in Zu­kunft je­doch wei­te­re Krank­hei­ten da­zu­kom­men, die mit­tels Stamm­zel­len be­han­delt wer­den kön­nen, wird die­se Wahr­schein­lich­keit grös­ser. Heu­te lau­fen in ver­schie­de­nen Be­rei­chen be­reits kli­ni­sche Stu­di­en, bei­spiels­wei­se bei Herz­krank­hei­ten, Mul­ti­ple Skle­ro­se, schwe­ren Au­to­im­mun­krank­hei­ten, kind­li­che Ze­re­b­ral­pa­re­se oder an­de­ren de­ge­ne­ra­ti­ven Krank­hei­ten

Für wen und in wel­chen The­ra­pie­be­rei­chen kom­men Stamm­zel­len aus Na­bel­schnur­blut zum Ein­satz?


Stamm­zel­len aus dem ei­ge­nen Na­bel­schnur­blut bie­ten bei ei­ner spä­te­ren Stamm­zell­trans­plan­ta­ti­on den Vor­teil, dass es kör­per­ei­ge­ne Zel­len wä­ren. So­mit wür­den Ab­stos­sungs­re­ak­tio­nen von vor­ne­her­ein aus­ge­schlos­sen. Bei ge­wis­sen Er­kran­kun­gen ist aber das ei­ge­ne Blut als Quel­le nicht ge­eig­net, weil z.B. die Er­kran­kung schon bei der Ge­burt in den Zel­len an­ge­legt war. Es ist auch mög­lich, die Na­bel­schnur­stamm­zel­len bei Fa­mi­li­en­mit­glie­dern (Ver­wand­te ers­ten Gra­des) ein­zu­set­zen. Denn für alle erst­gra­di­gen Ver­wand­ten, also Ge­schwis­ter und El­tern, be­steht bio­lo­gisch eine hohe Chan­ce, dass sich die Zel­len des Kin­des und des Emp­fän­gers ver­tra­gen. Aber selbst wenn die Stamm­zel­len we­der für den Ei­gen­be­darf noch für nahe Ver­wand­te ge­braucht wer­den, son­dern bei ei­nem HLA-kom­pa­ti­blen "Frem­den" ein­ge­setzt wer­den, kommt es im Ge­gen­satz zur Kno­chen­mark­spen­de viel sel­te­ner zu ei­ner Ab­stos­sungs­re­ak­ti­on, weil die kind­li­chen Zel­len im Na­bel­schnur­blut un­rei­fer sind - ein gros­ser Vor­teil!

Wei­te­re Krank­hei­ten, bei de­nen eine Stamm­zell­the­ra­pie mög­li­cher­wei­se in Zu­kunft hel­fen kann, sind Herz­krank­hei­ten, Mul­ti­ple Skle­ro­se, Au­to­im­mun­erkran­kun­gen, kind­li­che Ze­re­b­ral­pa­re­se und an­de­re de­ge­ne­ra­ti­ve Krank­hei­ten. Hier­zu gibt es vie­le in­ter­na­tio­na­le kli­ni­sche Stu­di­en, de­ren Er­geb­nis­se ab­ge­war­tet wer­den müs­sen.

Wann soll­te auf eine Na­bel­schnur­blut-Spen­de ver­zich­tet wer­den?


Das Sam­meln von Na­bel­schnur­blut kann in fol­gen­den Si­tua­tio­nen nicht rat­sam sein:

  • bei Früh­ge­bur­ten

  • bei Mehr­lin­gen

  • bei Not-Kai­ser­schnit­ten

  • wenn die Mut­ter po­ten­zi­ell ge­fähr­li­che Me­di­ka­men­te ein­neh­men muss

  • wenn Mut­ter oder Va­ter nach­weis­lich über­trag­ba­re In­fek­ti­ons­krank­hei­ten auf­wei­sen.

Letzte Aktualisierung: 09.07.2020, JL, BH, AS
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