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                              Mutter mit ihrem Baby bei der Tagesbetreuung
                              ©
                              iStock

                              Ba­bys kann man nichts vor­ma­chen


                              Be­reits mit sechs Mo­na­ten kön­nen Ba­bys un­ter­schei­den, ob es an­de­re ernst mit ih­nen mei­nen oder ob sie bloss et­was vor­ge­spielt be­kom­men. Das be­rich­ten Wis­sen­schaft­ler der eng­li­schen Uni­ver­si­tät York in der Fach­zeit­schrift In­fan­cy. In ei­nem Ex­pe­ri­ment konn­ten sie zei­gen, dass neun- und so­gar sechs­mo­na­ti­ge Säug­lin­ge er­ken­nen kön­nen, ob er­wach­se­ne Per­so­nen ih­nen Spiel­zeu­ge ab­sicht­lich ver­wei­gern oder ob das un­frei­wil­lig ge­schieht.

                              Die Psy­cho­lo­gen um Hei­di Marsh un­ter­such­ten dazu 40 Ba­bys im Al­ter von sechs und neun Mo­na­ten. Die Klei­nen sas­sen auf Ma­mas Schoss an ei­nem Tisch und be­ka­men von den ge­gen­über sit­zen­den For­schern eine Ba­by­ras­sel ge­zeigt. Sie er­hiel­ten die­se je­doch nicht, weil die For­scher ihre Hand ent­we­der de­mons­tra­tiv (ne­ckend) zu­rück­zo­gen oder weil das be­gehr­te Ob­jekt "zu­fäl­lig" her­un­ter­fiel und auf die Tisch­sei­te der For­scher zu­rück­roll­te. Der ers­te Ver­such stell­te eine be­wuss­te Ver­wei­ge­rung dar, der zwei­te die Un­fä­hig­keit auf­grund hö­he­rer Ge­walt.

                              Den Säug­lin­gen bei­der Al­ters­grup­pen ge­lang es, dif­fe­ren­ziert auf die Ab­sich­ten der For­scher zu re­agie­ren. Wur­de die Ras­sel be­wusst ver­wei­gert, so wand­ten die Ba­bys bei­der Al­ters­grup­pen ihre Bli­cke ab, zo­gen ein ent­täusch­tes Ge­sicht und äus­ser­ten ih­ren Un­mut. Die Neun­mo­na­ti­gen konn­ten sich mo­to­risch noch stär­ker äus­sern, z.B. in­dem sie eine Faust mach­ten oder selbst nach der Ras­sel grei­fen woll­ten.

                              Im an­de­ren Fall, dem Her­un­ter­fal­len der Ras­sel, streck­ten sie viel eher die of­fe­nen Hän­de aus (eine Ges­te der Hil­fe­stel­lung) und lä­chel­ten, so als ob sie das Pro­blem ver­ste­hen wür­den. Eine wich­ti­ge In­for­ma­ti­ons­quel­le für die Ba­bys dürf­te der un­glück­li­che Ge­sichts­aus­druck der For­scher ge­we­sen sein, als die Ras­sel her­un­ter­fiel.

                              Ein Baby kann also schon sehr gut be­ur­tei­len, ob et­was nicht pas­siert, weil die äus­se­ren Um­stän­de un­güns­tig sind (die Ras­sel fällt her­un­ter) oder weil es ihm be­wusst ver­wei­gert wird (die Ras­sel wird weg­ge­zo­gen). Für El­tern und Er­zie­her be­deu­tet das, dass es sich lohnt, dem Kind Hilfs­be­reit­schaft und Zu­ge­wandt­heit zu ver­mit­teln. Es wird die gute Ab­sicht sehr wahr­schein­lich ver­ste­hen und ge­dul­di­ger sein, wenn et­was nicht gleich klappt.

                              Neu ist die­se Er­kennt­nis laut den For­schern vor al­lem, weil man den Zeit­punkt der Un­ter­schei­dungs­fä­hig­keit bis­her erst mit neun Mo­na­ten an­ge­setzt hat­te. "Dass Ba­bys schon mit sechs Mo­na­ten so weit sind, wird er­sicht­lich so­bald man nicht nur die Be­we­gun­gen, son­dern auch an­de­re so­zia­le Aus­drucks­for­men be­ob­ach­tet, die bis­her aus­ser Acht ge­las­sen wur­den", so die Stu­di­en­lei­te­rin Marsh. Als der­ar­ti­ge al­ters­ge­rech­ten Si­gna­le wer­te­ten die For­scher etwa Mü­dig­keit, Blick­ver­mei­dung, Lä­cheln oder auch Laut­äus­se­run­gen.

                              Sicht­bar wur­de da­bei auch die Wei­ter­ent­wick­lung der Ei­gen­stän­dig­keit, die zwi­schen dem sechs­ten und neun­ten Mo­nat ge­schieht. Sechs­mo­na­ti­ge Ba­bys zeig­ten bei Ver­wei­ge­rung der Er­wach­se­nen ne­ga­ti­ves emo­tio­na­les Ver­hal­ten wie Stirn­run­zeln oder Wei­nen, bei vor­ge­spiel­tem gu­ten Wil­len po­si­ti­ve Emo­tio­nen. "Die Neun­mo­na­ti­gen zei­gen we­ni­ger Ge­fühls­aus­brü­che, je­doch mehr kör­per­li­che Aus­drü­cke wie ak­ti­ven Wi­der­stand, da sie be­reits ei­gen­stän­di­ger sind", er­klärt Marsh.

                              Aus der For­schung: www.yor­ku.ca



                              Letzte Aktualisierung: 15.03.2021, BH
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