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Zwei Frauen organisieren ihren Job
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Job­sha­ring


Vie­le Müt­ter wün­schen sich, nach dem Mut­ter­schafts­ur­laub in den Be­ruf zu­rück­zu­keh­ren. Ge­nau wie für Vä­ter, die sich mehr Zeit mit der Fa­mi­lie wün­schen, ist dies mit ei­ner Voll­zeit­stel­le un­denk­bar. Eine Op­ti­on, die so­wohl für die Müt­ter und Vä­ter, als auch für den Ar­beit­ge­ber zu­frie­den­stel­lend ist, könn­te das Job­sha­ring sein.

Job­sha­ring be­deu­tet, dass sich meist zwei Mit­ar­bei­ten­de eine Voll­zeit­stel­le und die da­mit ver­bun­de­nen Ver­ant­wort­lich­kei­ten tei­len. Da­bei gibt es ver­schie­de­ne Mo­del­le.

  • Rei­nes Job­sha­ring: Es wird nur ein Ar­beits­ver­trag für bei­de Mit­ar­bei­ter ab­ge­schlos­sen. Die bei­den Part­ner und de­ren Auf­ga­ben sind aus­tausch­bar. Oft exis­tiert bei­spiel­wei­se auch nur ein e-Mail Kon­to.

  • Hy­bri­des Job­sha­ring: Die bei­den Par­tei­en sind mit ein­zel­nen Ar­beits­ver­trä­gen an­ge­stellt. Dos­siers wer­den klar auf­ge­teilt.Trotz­dem müs­sen ei­ni­ge Auf­ga­ben aus­tausch­bar sein und die Ver­ant­wor­tung da­für wird eben­falls von bei­den ge­tra­gen.

Für den Ar­beit­ge­ber ist ein Job­sha­ring at­trak­tiv, er pro­fi­tiert bei­spiels­wei­se von dop­pel­tem Know­how und ei­ner ge­si­cher­ten Ur­laubs­ver­tre­tung. Aber auch für die Ar­beit­neh­mer gibt es ei­ni­ge po­si­ti­ve As­pek­te:

  • Ge­ra­de für Müt­ter, die den Ar­beits­markt für län­ge­re Zeit ver­las­sen ha­ben, stellt der Job­sha­ring-Part­ner ei­nen Rück­halt dar.

  • Durch das Feed­back des Job­sha­ring-Part­ners wer­den bes­ser re­flek­tier­te Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen.

  • Dank Job­sha­ring kön­nen auch at­trak­ti­ve Stel­len im Teil­zeit­pen­sum be­setzt wer­den.

  • Die Pro­duk­ti­vi­tät ist grund­sätz­lich hö­her bei Mit­ar­bei­tern, die Teil­zeit ar­bei­ten. Sie müs­sen in kür­ze­rer Zeit ver­gleichs­wei­se mehr leis­ten als Voll­zeit­an­ge­stell­te. Im Job­sha­ring be­deu­tet dies gleich zwei­mal er­höh­te Pro­duk­ti­vi­tät.

  • Ge­ne­rell gel­ten die Vor­zü­ge der Teil­zeit­ar­beit ge­gen­über ei­ner hoch­pro­zen­ti­ger An­stel­lung: Be­ruf, Fa­mi­lie und Ak­ti­vi­tä­ten sind bes­ser ver­ein­bar.

Na­tür­lich gibt es auch As­pek­te, die beim Job­sha­ring eher her­aus­for­dernd sind:

  • Es braucht Zeit, bis die Zu­sam­men­ar­beit rei­bungs­los funk­tio­niert. Dies, weil sich die Job­sha­ring-Part­ner nur sel­ten und oft sehr kurz se­hen. Zu­sätz­lich er­schwert wird die Si­tua­ti­on, wenn sich die bei­den Stel­len­part­ner noch nicht gut ken­nen.

  • Ein kon­ti­nu­ier­li­cher Aus­tausch un­ter den Job­sha­ring-Part­nern ist un­be­dingt not­wen­dig. Nur so blei­ben bei­de Par­tei­en stän­dig auf dem Lau­fen­den.

  • Die­ses Ar­beits­mo­dell setzt viel Fle­xi­bi­li­tät vor­aus. Drin­gen­de Ent­schei­dun­gen müs­sen even­tu­ell auch ein­mal aus­ser­halb der Ar­beits­zeit ge­trof­fen wer­den.

  • Vom Job­sha­ring-Mo­dell wird er­war­tet, dass es rei­bungs­los funk­tio­niert. Ein ge­wis­ser Druck ist mög­lich, vor­al­lem in der An­fangs­pha­se.

Wer sich also vor­stel­len kann, mit je­man­dem en­ger als in ei­nem ge­wöhn­li­chen Team zu­sam­men­zu­ar­bei­ten, dem sei fol­gen­des Vor­ge­hen emp­foh­len:

  1. Es gilt, ei­nen Part­ner zu fin­den. Im Ide­al­fall ist dies je­mand, der be­reits im Be­trieb ar­bei­tet.

  2. Falls sich im Be­trieb nie­mand fin­det, gibt es ver­schie­de­ne Platt­for­men, auf de­nen man nach Job­sha­ring-Part­nern su­chen kann.

  3. Ein ge­mein­sa­mes Be­wer­bungs­dos­sier ver­fas­sen, wel­ches trotz­dem alle er­for­der­li­chen Un­ter­la­gen von bei­den Par­tei­en ent­hält und die In­di­vi­dua­li­tät des ein­zel­nen Be­wer­bers auf­zeigt. Es emp­fiehlt sich, be­reits aus­ge­ar­bei­te­te Ar­beits­zeit­mo­del­le vor­zu­stel­len.

  4. Es ist vor­teil­haft, sich für das Be­wer­bungs­ge­spräch gute Ar­gu­men­te für das Job­sha­ring-Mo­dell zu­recht­zu­le­gen. Es er­for­dert näm­lich zu­wei­len eine gros­se Por­ti­on Hart­nä­ckig­keit, den Ar­beit­ge­ber vom Job­sha­ring-Mo­dell zu über­zeu­gen.

Das Be­wer­bungs­ge­spräch wird oft­mals in ei­nen ge­mein­sa­men Teil so­wie ein Ein­zel­ge­spräch mit je­dem Be­wer­ber auf­ge­teilt.

Kommt es zum Ver­trags­ab­schluss, wer­den bei­de Par­tei­en je nach Mo­dell ei­nen ei­ge­nen oder ei­nen ge­mein­sa­men Ver­trag er­hal­ten. Dar­in sind Job­sha­ring-spe­zi­fi­sche Klau­seln ent­hal­ten. Da­bei han­delt es sich bei­spiels­wei­se um die ge­mein­sa­me Ver­ant­wort­lich­keit der aus­zu­füh­ren­den Ar­bei­ten, die Haf­tung für ge­mein­sam ver­ur­sach­te Schä­den oder die ge­gen­sei­ti­ge Ver­tre­tung bei Ur­laubs­ab­we­sen­heit.

Löh­ne sind auch im Job­sha­ring Mo­dell ab­hän­gig von Al­ter, Aus­bil­dung, Be­rufs­er­fah­rung und Dienst­jah­ren im Be­trieb. Des­halb kön­nen sie auch in­ner­halb ei­nes Job­sha­ring-Teams un­ter­schied­lich hoch sein.

Ver­lässt ei­ner der bei­den Job­sha­ring-Part­ner den Be­trieb, ist dies für den Ver­blei­ben­den oft mit viel Un­ge­wiss­heit ver­bun­den. Kann das Job­sha­ring-Mo­dell be­stehen blei­ben? Wer­den aus zwei Teil­zeit- wie­der eine Voll­zeit­stel­le? Um die­ses Sze­na­rio zu ver­mei­den, kann das Vor­ge­hen be­reits bei Ver­trags­ab­schluss fest­ge­hal­ten wer­den.

Letzte Aktualisierung: 20.06.2019, KM
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