Motorische Entwicklung - Sitzen

Sitzen

Voraussetzung für das Sitzen ist, dass die von der Lage in der Gebärmutter runde Wirbelsäule Ihres Babys gestreckt wird und die Bauch- und Rückenmuskulatur ausreichend entwickelt ist. Nur so kann ein Kind das Gleichgewicht und seinen schweren Kopf selbst halten. Das Training dafür beginnt schon nach dem ersten Lebensmonat, wenn Ihr Baby in Bauchlage seinen Kopf zu halten versucht. Wenn ihm das eine Minute lang gelingt, hat es die erste Phase der Wirbelsäulenstreckung erreicht. In Phase 2 streckt sich die Brustwirbelsäule und in Phase 3 die Lendenwirbelsäule. Danach kann das Kind alleine laufen und so seine Welt aus einer ganz anderen Perspektive erkunden. Begleitend zur Streckung der kindlichen Wirbelsäule muss sich die Muskulatur des Babys entwickeln.

Etwa mit sieben bis neun Monaten - mit grossen individuellen Unterschieden – können Babys alleine sitzen. Das heisst, sie können sich alleine hinsetzen und diese Position auch eine ganze Weile halten.

Man kann zwar schon vorher ein Baby „sitzen lassen“ mit ausreichender Stütze, das ist aber nicht sinnvoll und schadet sogar dem Rücken. Zu frühes häufiges Sitzen kann zu späteren Haltungsschäden führen. Eigentlich sollen Babys erst sitzen, wenn sie es ohne Stütze können. Aus diesem Grund ist auch allzu langes Liegen in einer Babywippe oder das zu frühe Sitzen im Hochstuhl (auch mit Kissen abgestützt) nicht empfehlenswert. Fachleute geben als Faustregel etwa zehn Minuten an, mehr wird für jüngere Babys zu anstrengend. Wenn Sie Ihr Kind zum Essen ausnahmsweise nicht auf den Schoss nehmen können, darf es auch mal kurz in der höher gestellten Wippe oder einem speziellen Neugeborenen-Aufsatz des Hochstühlchens liegen. Von Babyhopsern raten Kinderärzte ab und  von Lauflerngestellen ebenfalls, schon wegen der Unfallgefahr.

Am besten ist es für die Entwicklung Ihres Kindes, wenn es sich möglichst viel frei bewegen kann. Ideal ist dafür eine Krabbeldecke, auf der es sich mit seinen Lieblings-Spielsachen beschäftigt.

Die Bauchlage ist am anstrengendsten und fordert es am meisten, stärkt aber auch am intensivsten die Rückenmuskulatur. Dabei lernt Ihr Kind, sich aus eigener Kraft zu drehen bzw. zu rollen. Es kann aus dem Robben ins Wippen und dann ins Krabbeln in der Vierfüssler-Haltung (Knie-Hand) übergehen. Viele Kinder krabbeln erst und kommen dann aus dem Krabbeln ins Sitzen. Während es beim Krabbeln den Po nach hinten schiebt, lernt es das Hinsetzen. Es setzt seinen Po neben dem linken oder rechten Fuss ab. Aus diesem mit den Händen gestützten „Seitsitz“ bewegt es sich in den „Langsitz“, indem es die Beine nach vorne ausstreckt und die Wirbelsäule gerade aufrichtet. Das gibt schon einen relativ stabilen Halt, je nachdem wie stark die Rückenmuskulatur ist. Trotzdem kippen die Kleinen anfangs auch immer wieder um, was wichtig ist, denn so können Wirbelsäule, Rücken- und Bauchmuskeln wieder kurz entspannen. Lassen Sie Ihr Baby fleissig üben, denn es ist jedes Mal stolz auf seine Leistung. Und das stärkt wiederum sein Selbstbewusstsein.

Manche Babys drehen sich auch aus der Rückenlage auf die Seite und stützen sich auf dem unten liegenden Arm ab – das sieht dann ein wenig aus wie ein seitlich liegender Gartenzwerg. Diese Haltung stärkt nicht nur den Gleichgewichtssinn, sie ist auch eine gute Ausgangsposition, um bald aus der Bauchlage heraus alleine ins freie Sitzen zu gelangen.

Ist die Sitzposition erreicht, sieht bei Babys immer wieder anders aus. Es können beide Beine ausgestreckt sein, ein Bein kann untergeschlagen und das andere ausgestreckt sein oder das Kind sitzt im Schneidersitz. Ein paar Sitzpositionen gibt es aber, die weniger günstig sind:

  • Der „umgekehrte Schneidersitz“, bei dem die Oberschenkel zusammen gedrückt und die Unterschenkel nach aussen abgeknickt werden. Kinderärzte und Orthopäden halten dies für bedenklich, weil sich die Hüftgelenke nicht normal entwickeln können.
  • Sitzen mit immer ausgestreckten Beinen kann ein Hinweis auf frühe Blockaden im Kopfgelenk oder Beckenbereich sein. Sitzen auf immer derselben Pobacke, wobei der Kopf in die entgegengesetzte Richtung geneigt ist (die Wirbelsäule bildet eine C-Form), kann auf eine einseitige Bewegungseinschränkung deuten. In beiden Fällen sollte ein Kinderarzt zu Rate gezogen werden.

Babys haben es natürlich gerne, wenn man sie an ihren Armen sanft aus der Rückenlage hoch zieht. Ihre Hände dienen dabei aber nur als leichte Hilfe - die Kraft zum Hochziehen sollte von Ihrem Baby kommen. Achten Sie darauf, dass sich das Kind langsam – Wirbel für Wirbel - aufrichtet und sich in der Folge ebenso langsam wieder hinlegen kann.


Häufige Frage zum Thema

Ab wann darf ein Baby im Kinderwagen sitzend gefahren werden?


Wissen

Babys sollten nicht unbeaufsichtigt im Autositz schlafen


Weitere Meilensteine:

Krabbeln

Laufen

Herumdrehen


 

 

Letzte Aktualisierung : 09.2018, BH

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