Pucken: So geht’s sicher

Unter Pucken versteht man das enge Wickeln des Säuglings, wobei der Körper mit Decken, Schlafsäcken und anderen Umhüllungen umwickelt wird. Dabei werden teilweise auch die Arme und Beine straff fixiert. Diese Wickeltechnik scheint Unruhephasen von Säuglingen zu verringern, reduziert Aufwachphasen und führt bei manchen Säuglingen, die nicht gerne in Rückenlage schlafen, zu besserem Einschlafen.  Daher wurde das „swaddling“ teilweise auch als Vorsorgemassnahme gegen den plötzlichen Säuglingstod beschrieben.

Fachleute mahnen jedoch gerade bezüglich des plötzlichen Kindstods zur Vorsicht: Manche Kinder rollen sich sehr früh aus der Rücken- in die Bauchlage. Sind die Arme dann – wie beim Pucken – am Körper fixiert, kann sich der Säugling nicht mehr aus dieser Lage befreien, was einen Erstickungstod mit Verlegung der Atemwege in Gesichtslage zur Folge haben kann. Das feste Einwickeln kann – insbesondere bei Verwendung ungeeigneter Materialien – auch zur Überwärmung des Säuglings führen. Besonders riskant scheint die Verwendung normaler Decken als Puckhilfe zu sein, während ein Schlafsack mit Armfreiheit empfehlenswert ist.

Ausserdem gibt es Berichte, dass unsachgemässes Pucken Hüftgelenksprobleme verstärkt. Das feste Anbinden der gestreckten Beine (und damit die Behinderung der bei Säuglingen noch ganz natürlichen Beugung im Hüftgelenk) behindert das Ausreifen der Hüfte und erhöht damit das Risiko für Hüftdysplasien. Besonders häufig findet man Kinder mit Hüftdysplasie bei den Navajo-Indianern in Nordamerika, die ihre Kinder auf Brettern festbinden. Andererseits konnte in Japan durch die Abkehr vom traditionellen engen Wickeln mit Bändern die Häufigkeit der Hüftdysplasie von vormals 1,1–3,5 % auf 0,2 % gesenkt werden.

Beide Punkte verdeutlichen nach Ansicht der Kinderärzte, dass es sich beim Pucken um keine harmlose Pflegemassnahme handelt, die man kritiklos anwenden oder allen Eltern unbeschränkt empfehlen kann.

Die Eltern sollten die mit dem Pucken verbundenen Risiken kennen und in weiterer Folge nur die für das jeweilige Alter geeigneten Puckhilfen verwenden. Gute Anleitungen zum richtigen Pucken sind wichtig. Spätestens ab dem 3. Lebensmonat sollten keine Puckhilfen mehr verwendet werden, die die Armfreiheit einschränken. Und im Hinblick auf die Hüftentwicklung ist darauf zu achten, dass eine ausreichende Beweglichkeit und insbesondere eine Beugung im Hüftgelenk erhalten bleiben. Schliesslich dürfen auch die anderen Faktoren zum Schutz vor dem plötzlichen Kindstod nicht vergessen werden: Rückenlage, keine weichen Unterlagen, Schutz vor Überwärmung und Überdecken, Schutz vor Nikotin usw.

Quelle: Monatsschr Kinderheilkd 2014; 162(6):489–490

Stand: 8/14, BH