Mutterliebe dämpft Ekel

Windeln wechseln – da machen Eltern so einiges mit. Allerdings weniger, als Aussenstehende denken, hat ein australischer Psychologe ermittelt. Mütter sind von den Hinterlassenschaften des eigenen Nachwuchses viel weniger angewidert als von denen fremder Kinder - auch ein Resultat der Mutterliebe.

Offenbar ist dieses Anpassungsverhalten zur Versorgung der Familie im elterlichen Programm berücksichtigt, berichten die Forscher. Für ihre Versuche liessen sie 13 Mütter an vollen Windeln des eigenen und eines fremden Kindes riechen und die Intensität ihres Widerwillens angeben. Obwohl die Frauen nicht wussten, welche Windel von wem stammte, bewerteten sie den Stuhl des eigenen Kindes als relativ angenehmer und weniger Übelkeit verursachend. Möglicherweise hätten sich die Mütter schlicht an den Geruch ihrer Kinder gewöhnt. Es sei jedoch auch denkbar, dass sie anhand des Geruchs den Verwandtschaftsgrad einschätzen könnten.

Ekel sei eine sehr starke Verhaltensanpassung, deren Vorteil in einem verringerten Infektionsrisiko liege. Das Gefühl warne vor verdorbenen, unhygienischen Stoffen und schütze so vor Infektionen durch Krankheitserregern, so die Theorie der Wissenschaftler. Allerdings müsse in manchen Situationen selbst der Ekel vor Kot abgeschwächt werden, etwa beim Pflegen naher Angehöriger. Dies trifft auf Mütter zu, die ihre Kleinkinder versorgen und ständig mit Reizauslösern wie Erbrochenem, Urin und Kot in Kontakt kommen. Aus einem evolutionären Blickwinkel, also wenn es um den Erhalt der eigenen Familie geht, ist es sinnvoll, dass Ekel gegenüber nahe stehenden Menschen oder Verwandten geringer ist als gegenüber Fremden.

Quelle: Case, T. I. et al.: Evolution and Human Behavior. DOI 10.1016/ j.evolhumbehav.2006.03.003

Stand: 06/06, BH