Dicke Kinder

Wenn das Kind zu dick ist

Etwa 14 Millionen Kinder in Europa haben Übergewicht, jedes Jahr werden es etwa 400 000 mehr. Auch Schweizer Kinder haben immer mehr Übergewicht. Jedes fünfte Kind bringt zu viele Kilo auf die Waage, sieben Prozent der Kinder sind sogar krankhaft übergewichtig.

Aber was tun, wenn der eigene Nachwuchs zu viele Pfunde auf die Waage bringt? Abnehmen ist für Kinder ohne konsequente Unterstützung in der Familie kaum zu schaffen. Da sich der Körper noch entwickelt, kommen herkömmliche Diäten nicht in Frage. Das Gewicht zu reduzieren gelingt nur mit einer konsequenten Umstellung der Ernährung – und mit viel Bewegung, denn diese zwei Faktoren (falsche Ernährung und Bewegungsmangel) sind verantwortlich für das Übergewicht. Forscher haben herausgefunden, dass Kinder, die sich im Alter von fünf Jahren besonders aktiv bewegen, im späteren Leben vor Übergewicht geschützt sind, selbst wenn sie dann keinen aktiven Sport mehr treiben. Vermutlich entwickeln aktive Kinder weniger Fettzellen und eine verbesserte Ansprache auf Insulin.

Doch wer sagt, wann ein Kind zu dick ist? Für Laien ist das oft schwierig und längst nicht jedes Kind ist ungesund, wenn es nicht der Norm entspricht. Dennoch: Wenn der optische Eindruck (Speckröllchen und Bauchansatz) bei einem unbekleideten Kind auch einem Laien ins Auge fällt, ist es sinnvoll, wenn der so genannte  Body Mass Index (BMI) exakt festgestellt wird und eine Fachperson beigezogen wird, um eine Gewichtsreduktion zu begleiten. Denn übergewichtige Kinder haben es nicht leicht. Nebst den Hänseleien, denen sie ausgesetzt sind, birgt Übergewicht im Kindsalter auch die Gefahr für spätere Krankheiten.

Was tun, wenn mein Kind zu dick ist? Ernährungstipps und vieles mehr...

Hilfe erhalten Sie auch bei den Mütterberatungsstellen. Sie bieten mit dem Projekt www.klemon.ch aktiv Unterstützung für Eltern.


Wissen

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Newsticker

Nicht zu lange still sitzen! | 26.09.2016

Schulkinder sitzen täglich eine lange Zeit: in der Schule, beim Erledigen der Hausaufgaben und beim Essen, oft sitzen sie zudem noch vor dem PC oder dem TV - doch langes Sitzen ist bekanntlich ungesund. Das Risiko für Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen steigt, die Knochendichte verringert sich. Deshalb ist es wichtig, das Sitzen zwischendurch zu unterbrechen oder möglichst ganz zu vermeiden. Zum Beispiel könnten Hausaufgaben auch im Stehen gemacht werden, wenn der Schreibtisch verstellbar ist. Auch ein Spiel, welches die Universität Bielefeld gemeinsam mit der Plattform für Ernährung und Bewegung entwickelt hat, soll zu Bewegung animieren. Wer sich am meisten bewegt, gewinnt. Es kann unter www.familienaufstand.de heruntergeladen werden.

Newsticker

Cholesterinwerte bei Kindern bestimmen: Herz-Kreislauf-Probleme und Schlaganfall betreffen in der Regel nur Erwachsene, doch werden die Grundlagen dafür oft schon in der Kindheit gelegt. Ein erhöhter Cholesterinwert ist dabei ein Risikofaktor für Gefässverkalkung. Der deutsche Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) rät deshalb, bei Kindern mit ungesunden Lebensgewohnheiten, Übergewicht, Zuckererkrankung oder Verwandten mit erhöhtem Cholesterinspiegel den Cholesterinwert zu testen, und zwar am besten zwischen 4 und 5 Jahren oder zwischen 9 und 10 Jahren. (swissmom Newsletter vom 14.5.2012) 

"Rund und gesund" stimmt nicht: In einer aktuellen Studie der Universität Leipzig zeigte sich bei übergewichtigen Kindern eine verminderte Aktivität des autonomen Nervensystems, wie sie bei Diabetikern zu finden ist, deren Nerven durch langfristig überhöhte Blutzuckerspiegel geschädigt sind. Wie es dazu kommt und ob die Symptome verschwinden, wenn der junge Patient wieder abnimmt, ist allerdings noch nicht klar. Das autonome Nervensystem reguliert z.B. Kreislauf, Verdauung, Atmung und Wärmehaushalt des Körpers. (swissmom Newsticker vom 13.4.2013)

Kopfschmerz hängt mit Gewicht zusammen: Übergewicht scheint Kopfschmerzen, und zwar sowohl Migräne als auch Spannungskopfschmerz, zu begünstigen - auch bei Kindern. Eine israelische Studie zeigt: Wie heftig die Schmerzattacken ausfallen, hängt mit dem Körpergewicht zusammen. Ausgewertet wurden die Daten von 181 Kindern und Jugendlichen, die wegen Kopfschmerzen untersucht und behandelt worden waren. 109 Kinder waren normalgewichtig, 48 an der Grenze zum Übergewicht und 24 übergewichtig. Eine Migräne wurde deutlich häufiger bei dicken (62,4 Prozent) Kindern festgestellt als bei normalgewichtigen (34 Prozent). (swissmom Newsticker, 17.9.2013)

Wenig Schlaf - mehr Gewicht: Neben Fast Food, Softdrinks und zu grossen Portionen, könnte auch Schlafmangel bei Kindern zu Übergewicht führen. An einer US-Studie nahmen 37 Kinder zwischen acht und elf Jahren teil. Etwa ein Viertel davon waren übergewichtig oder sogar fettleibig. In der ersten Woche sollten die Kinder ihr typisches Pensum schlafen. In der zweiten Woche wurden sie in zwei Gruppen eingeteilt: Die eine schliefen länger, die andere weniger als normalerweise. In der dritten Woche blieben die Kinder bei ihrem veränderten Schlafmuster. Kinder, die ihr Schlafpensum erhöhten, assen im Schnitt pro Tag 134 Kilokalorien weniger und nahmen auch ein halbes Kilo ab. Ausserdem hatten sie niedrigere Blutspiegel des appetitregulierenden Hormons Leptin. (swissmom Newsticker, 5.12.13)

Strenge Erziehung - dickes Kind: Wie dick ein Kind wird, hängt auch von der Erziehung ab. Dabei ist ein Erziehungsstil, bei der die Kinder autoritär erzogen werden, offenbar eher schlecht für die kindliche Figur. Untersucht wurden mehr als 37.000 kanadische Kinder bis elf Jahren. Ein Drittel weniger Fettleibige gab es beim sogenannten autoritativen Erziehungsstil. Eltern gehen dabei liebevoll auf ihre Kinder ein, geben ihnen aber gleichzeitig auch klare Regeln vor. Im Gegensatz zu Eltern mit einem autoritären Erziehungsstil lassen sie ihre Kinder mehr emotionale Wärme spüren und sind ihnen gegenüber gesprächsbereiter - das heisst, sie erklären auch, warum manche Dinge so und nicht anders laufen. (swissmom Newsticker, 30.3.14)

Gewicht und Knochen: Bisher ging man davon aus, dass Kinder mit höherem Body-Mass-Index (BMI) wegen der stärkeren Kräfte, die auf den Knochen wirken, ein höheres Risiko für Knochenfrakturen tragen als normalgewichtige Kinder. Eine kanadische Forschergruppe untersuchte dies jetzt bei 2213 Kindern zwischen 2 und 17 Jahren. Das erstaunliche Ergebnis: Das Gegenteil ist der Fall. Adipöse Kinder erleiden sogar etwas seltener einen Knochenbruch. Untergewicht dagegen scheint mit einem erhöhten Frakturrisiko einherzugehen. Insgesamt passierten die meisten Knochenbrüche bei Jungen zwischen fünf und zwölf Jahren. (swissmom Newsticker, 27.6.14)

Weniger dicke Kinder: Nach einer Studie der Ulmer Universitätsklinik ist die Zahl der übergewichtigen Kinder in den vergangenen 10 Jahren in vielen Industrieländern konstant geblieben und teilweise sogar gesunken, zum Beispiel in Deutschland, den USA, Schweiz, Frankreich und Australien. Der Grund: Zuckerhaltige Getränke und die TV-Konsum gehen zugunsten von Obst- und Gemüseverzehr und sportlichen Aktivitäten zurück. Die positive Entwicklung ist bei Mädchen ausgeprägter als bei Jungen und im Vorschulalter deutlicher als im Grundschulalter. Dennoch sind Kinder heutzutage dreimal so häufig übergewichtig wie in den 1980er Jahren und die Zahl der extrem übergewichtigen Jungen und Mädchen nimmt auch heute noch weiter zu (swissmom Newsticker, 17.7.14). 

Moppelchen in England und Irland: Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt Irland die Rangliste in 32 Ländern bei den übergewichtigen oder fettleibigen Kindern unter fünf Jahren mit einem Anteil von 27,5 Prozent an, gefolgt vom Grossbritannien und Albanien. Gesundheitsorganisationen dringen jetzt darauf, zuckerhaltige Getränke zu besteuern und Snackautomaten in Schulen sowie Lebensmittelwerbung für Kinder zu verbieten, wie das in Skandinavien erfolgreich praktiziert wird. Übergewicht ist nicht nur gesundheitlich schädlich, es schlägt sich auch in schlechten schulischen Leistungen nieder: Schwedische Wissenschaftler fanden heraus, dass nur 56 % der Kinder, die wegen Fettleibigkeit in Behandlung waren, volle zwölf Jahre zur Schule gingen. Bei normalgewichtigen Gleichaltrigen seien dies hingegen 76 %. (swissmom-Newsticker, 3.6.15)

Geschiedene Eltern – dicke Kinder? Kinder geschiedener Eltern sind eher gefährdet, übergewichtig zu werden als der Nachwuchs verheirateter Paare, und zwar unabhängig von Bildungsgrad, Herkunftsland und Wohnsitz der Mutter zu sein. Norwegische Wissenschaftler untersuchten bei knapp 3200 Acht- bis Neunjährigen den Zusammenhang zwischen Gewicht und Familienstand der Eltern. Übergewicht kommt etwa 1,5 mal häufiger vor bei Kindern Geschiedener vor als bei Kindern von Verheirateten und interessanterweise häufiger bei Söhnen als bei Töchtern. Die Forscher spekulieren, dass durch eine Scheidung weniger auf die Ernährung des Kindes geachtet wird (Fast Food), aber auch finanzielle Probleme eine ungesunde Ernährung fördern könnten. (swissmom Newsticker, 31.10.15)

Letzte Aktualisierung: 04.2016, VZ