Mädchen fasst an einen Milchzahn
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„Gwagligi Milchzäh“  

Wackelnde Milchzähne können manchmal ein leidiges, langes Thema am Familientisch werden. Man hat den Eindruck, die Zähne seien jetzt schon seit einem halben Jahr locker und immer noch nicht ausgefallen. Was darf, was soll man tun?

Erfahrungsgemäss sind die Frontzähne „problematischer“ – das Abbeissen von Äpfeln, Brot usw. ist erschwert. Durchschnittsalter für den Wechsel dieser acht Frontzähne ist zwischen 6-8 Jahren. Abweichungen sind aber genauso normal, die Reihenfolge sollte in etwa stimmen.

Naturgemäss kann das Abbeissen mit einem wackligen Milchzahn etwas Schmerzen verursachen oder gar das Zahnfleisch zum Bluten bringen, weil durch das Beissen der Milchzahn jedes Mal ein bisschen mehr vom Zahnfleisch abgelöst wird, vor allem wenn der Zahn nur noch am Zahnfleisch hält und eigentlich gar keine Wurzel mehr hat. Kinder sind meist sehr beeindruckt, wenn sie sehen, dass sie bluten.

Solange das Zähneputzen genügend gut ist, kann der wacklige Milchzahn so belassen werden, bis er ganz heraus kommt, oder ev. nachts verschluckt oder verloren wurde.

Selten einmal wünscht ein Kind, dass der Milchzahn entfernt werden soll. Methoden mit Schnur und Türschletzen sind nicht empfehlenswert. Wenn der Zahn sehr wacklig ist, kann ihn Mutter oder Vater eventuell mit den Fingern und einem kleinen Stück Papiertaschentuch mit Drehbewegungen entfernen. Das über den Zahn gelegte Papiertaschentuch verhindert, dass die Finger auf dem speichelfeuchten Zahn ausrutschen. Einfacher hat es natürlich der Zahnarzt mit seinen passenden Instrumenten. Er kann auch etwas Oberflächenanästhetica aufs Zahnfleisch massieren, um dieses etwas unempfindlicher zu machen.

Sollte das Zahnputzen nicht mehr oder sehr schlecht möglich sein, muss ein Zahnarzt aufgesucht werden. Es gilt zu verhindern, dass die neuen Zähne vor lauter Belägen bereits schon beim Kommen ein Loch kriegen können.

Die unteren ersten bleibenden Zähne kommen oft zungenseitig der Milchzähne, wenn diese noch fest im Kiefer stehen. Sind die neuen Zähne nur 1-3 mm hinter den Milchzähnen darf zwei Wochen gewartet werden. Hat sich bis dann nichts verändert, sollte zur Sicherheit ein Zahnarzt aufgesucht werden, der die Situation beurteilt. Beruhigen Sie ihr Kind, man muss nicht immer gleich den Milchzahn „herausreissen“. Abgesehen davon werden die Zähne ohnehin nie „herausgerissen“, sondern nur vorsichtig herausgewackelt.

Wenn immer möglich, sollte dem Wunsch der Kinder entsprochen werden. Ein Ziehen des Milchzahnes nur auf Wunsch der Eltern ist erfahrungsgemäss nicht besonders förderlich für die zukünftige Beziehung Kind-Zahnarzt.

Bei den Backenzähnen, die im Alter zwischen 10 und 12 Jahren verloren gehen (auch hier können die Zeiten stark variieren), geht es oft einfacher. Meist sind die Kinder mutig genug, nach einer gewissen Zeit des Wackelns den Milchzahn herauszudrehen. Auch hier kann es sein, dass der bleibende durch einen hartnäckigen Milchzahn im Kommen gestört wird und allzu schräg herauswächst. Ein Zahnarztbesuch kann da nicht schaden. Nicht selten kann mit täglichem Fingerdruck die Schräglage behoben werden – aber bitte wirklich nur unter Anleitung einer Fachperson!

Und hier noch der Tipp beim unfreiwilligen Verlust der "neuen" Zähne: Ein ausgeschlagener Zahn  sollte rasch an seine Position im Mund zurückgesteckt werden. Dabei sollte er nur an der Zahnkrone und nie an der Wurzel angefasst werden, um die Wurzelhaut nicht zu verunreinigen. Ist ein Zurückstecken nicht möglich, sollte der Zahn auf dem Weg zum Zahnarzt in Kochsalzlösung oder H-Milch gelegt werden, da beide Flüssigkeiten keine Bakterien enthalten. Die Chance ist gross, dass der Zahn wieder anwächst. Ausgeschlagene Milchzähne werden nicht wieder eingesetzt. Trotzdem sollte auch in diesem Fall ein Zahnarzt aufgesucht werden. 

Newsticker

Endlich eine Zahnlücke! | 30.01.2019

Angst, Scham, Freude oder Stolz: Was fühlen Kinder, wenn sie ihren ersten Milchzahn verlieren? Rund 80 Prozent der befragten Eltern berichteten von positiven Emotionen bei ihrem Kind, wenn der erste Milchzahn ausfiel – eine für Eltern wie Zahnärzte gleichermassen beruhigende Nachricht. Als wichtigen Einflussfaktor machten die Forscher frühere Zahnarztbesuche aus. Mussten Kinder wegen Karies einen Zahnarzt aufsuchen, zeigten sie beim späteren Verlust des ersten Milchzahns weniger positive Emotionen. Liessen sich frühere Zahnarztbesuche hingegen auf einen Unfall und so auf ein unerwartetes und schmerzhaftes Ereignis zurückführen, erhöhte dies die Wahrscheinlichkeit positiver Gefühle. Dafür spricht auch, dass Kinder, die das Wackeln ihres Milchzahns über eine längere Zeit wahrnahmen, eher positive Gefühle zeigten: Je länger die Vorbereitungs- und Wartezeit, desto grösser die Erleichterung und der Stolz, wenn der Zahn endlich ausfällt. 

Newsticker

Milchzähne sind Platzhalter: Verliert ein Kind sehr früh einen Milchzahn, z.B. durch Unfall oder Karies, besteht die Gefahr, dass seine bleibenden Zähne später schief stehen, da die restlichen Milchzähne in die Zahnlücke rutschen und den Platz für den nachkommenden bleibenden Zahn besetzen. Die bleibenden Zähne müssen dann einen anderen Weg suchen und wachsen schief heraus. Hilfe bringt ein so genannter Lückenfüller, ein kleiner Bügel, der vom Zahnarzt in die Lücke des fehlenden Milchzahns gesetzt wird. (swissmom Newsticker 21.3.2013)

Letzte Aktualisierung : 31-05-16, CS

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