Mutter mit Grosseltern und Baby
Beziehungen | Familie | Psychologie

Das Verhältnis zu den eigenen Eltern

Viele junge Eltern nehmen sich vor, die Kindererziehung anders zu gestalten, als ihre Eltern es gemacht haben, aber das gelingt den meisten nur in beschränktem Ausmass. Unsere Vorstellungen von Familienleben und Kindererziehung sind stark geprägt von dem, was wir selbst erlebt haben – und das kann man nicht einfach abschütteln. Meist intensiviert sich das Verhältnis der werdenden Eltern zu den zukünftigen Grosseltern während der Schwangerschaft. Das Verständnis für Ängste, Fehler und Unsicherheiten der eigenen Eltern wächst und führt oft zu einem ganz neuen, gleichberechtigten Verhältnis untereinander. 

Wenn die Eltern am gleichen Ort wohnen, können Sie eine grosse Hilfe für die junge Familie sein, bis hin zur Tagesbetreuung des Enkelkinds. Gleichzeitig ist Konfliktpotenzial da, denn vielen frisch gebackenen Grosseltern fällt es schwer, ihre eigenen Kinder plötzlich als Eltern wahrzunehmen und sie in dieser neuen Rolle ernst zu nehmen. Vielen erwachsenen Söhnen und Töchtern fällt es nicht immer leicht, sich vollständig von ihren Eltern abzunabeln, um selbstständig zu entscheiden und zu handeln; selbst jetzt nicht, wo sie ein eigenes Kind haben. Um Missverständnisse und Unbehagen zu vermeiden, sollte man Reizthemen nicht aus dem Wege gehen, sondern möglichst offen, fair und ehrlich miteinander reden.

Machen Sie sich klar, dass Sie Vater und Mutter Ihres Babys sind. Sie ganz allein tragen die Verantwortung für das kleine Wesen. Nehmen Sie dennoch ruhig den Rat Ihrer Mutter, Ihres Vaters an, wenn es Ihnen angebracht scheint. Fragen Sie, wie es war, als Sie selbst noch ein Baby waren, wie die Schwangerschaft damals erlebt wurde, wie die Geburt verlief. Viele Mütter von damals sind begeistert von den Möglichkeiten, die es heute gibt. Aus all diesen Themen können wunderschöne, vertraute Gespräche entstehen. Sie können Dinge über sich und Ihre Eltern erfahren, die Sie bisher noch nicht wussten und eine ganz neue Art von Nähe schaffen. Grossväter lassen sich heute meistens selbstverständlich und begeistert bei der Betreuung der Enkelkinder einspannen  – was sie bei ihren eigenen Kindern damals weit von sich gewiesen hätten...

Übrigens: Kinder können die grosselterliche Art der Erziehung, und sei es eine grenzenlose Verwöhnung, sehr gut vom Alltag mit den eigenen Eltern unterscheiden und für ihre Entwicklung sogar brauchen. Der Umgang mit den Grosseltern gibt Kindern einen Sinn für Zeit, Familiengeschichte, Herkunft und Erbe. Seien Sie also nicht allzu streng mit den Grosseltern. Dennoch: Wenn sie sich zu sehr einmischen, haben Sie den Mut zum Nein, auch wenn es zunächst Unstimmigkeiten gibt. Auf längere Sicht klärt es die Standpunkte und kann zu grösserem Verstehen führen.

Zum Weiterlesen:

www.grossmuetter.ch

Newsticker

Der Grosi-Effekt | 23.05.2017

Wer sich im Alter um andere kümmert, tut damit auch sich selbst etwas Gutes, denn soziale Kontakte und Kümmern wirkt sich positiv auf die eigene Lebenszeit aus. So leben Grosseltern, die ihre Enkelkinder betreuen (die Krippe Grosi), im Schnitt länger als Grosseltern, die das nicht tun. Dies konnte ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Universität Basel anhand von Überlebensanalysen von über 500 Menschen im Alter zwischen 70 und 103 Jahren zeigen. Die Hälfte der Grosseltern, die ihre Enkelkinder umsorgten oder ihre Kinder im Haushalt unterstützten, lebten noch etwa zehn Jahre nach dem ersten Interview 1990. Von denjenigen, die sich nicht engagierten, starb dagegen etwa die Hälfte innerhalb von fünf Jahren. Wichtig sei aber, so das Forscherteam, dass die Fürsorge nicht zur Last werde - dann ist sie nicht mehr Stimulanz, sondern Stress.

Letzte Aktualisierung : 02-05-16, AG

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