Alleingebären
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Die Alleingeburt (Freebirthing)

Die meisten Frauen entscheiden sich für eine Geburt im Spital, da sie hier im Notfall gleich medizinische Hilfe bekommen können. Im Geburtshaus oder Gebärhaus steht der werdenden Mutter eine erfahrene Hebamme zur Seite, welche die Geburt überwacht und begleitet. Dann gibt es noch die kleine Gruppe von Schwangeren, die eine Hausgeburt anstreben, bei der aber ebenfalls eine Hebamme anwesend ist.

Eine vierte, ganz neue Methode der Geburt macht jetzt als Trend von sich reden: Die Alleingeburt. Dabei bringt die Schwangere ihr Kind weitestgehend selbstbestimmt und ganz bewusst ohne die Hilfe von Hebamme oder Arzt in einer von ihr gewählten Umgebung zur Welt. Alleingebärende sind davon überzeugt, dass ihr Körper die Wehen und die Austreibungsperiode ganz allein bewältigen kann. Sie wollen Ihr Baby zu Hause, im Garten, im Wald oder sonstwo in der Natur bekommen - je nach Jahreszeit und Wetterverhältnissen. Der Partner und die älteren Kinder können anwesend sein, müssen es aber nicht.

Warum verzichten Frauen bewusst auf Schmerzmittel, Beistand und Fachwissen unter der Geburt? Laut Untersuchungen sind es entweder Mütter, die während der ersten oder zweiten Klinikgeburt traumatische Erfahrungen mit medizinischen Eingriffen gemacht haben oder es sind Frauen, die sich von vornherein nur auf ihr Körpergefühl verlassen wollen. Sie fühlen sich sicher, eine Geburt alleine bewältigen zu können, so lange ihr Körper die richtigen Signale aussendet, und befürchten, dass Hebammen oder Ärzte zu sehr in das Geburtsgeschehen eingreifen, den natürlichen Ablauf stören und es allein dadurch erst zu Komplikationen unter der Geburt kommt, wie z.B. künstliche Geburtseinleitung, Dammschnitte, Zangeneinsatz,Saugglockengeburt und Not-Kaiserschnitte.

Diese Art des Gebärens ist jedoch nicht ohne Risiko. Denn bekanntlich ist die Geburt die gefährlichste Stunde im Leben eines Menschen! Schon drei Minuten, in denen die Sauerstoffversorgung des kindlichen Gehirns unterbrochen ist, führen zu lebenslangen Schäden. Entscheidet sich eine Frau für das Freebirthing, so profitiert sie nicht nur von den Vorteilen, sondern muss im schlimmsten Fall die eventuellen Folgen zusammen mit ihrem Partner verantworten.

Mediziner raten deshalb grundsätzlich von einer Alleingeburt ab – auch wenn keine Komplikationen zu erwarten sind – und empfehlen anstatt dessen als Kompromiss eine begleitete Hausgeburt oder eine Entbindung im Geburtshaus. Und auch moderne Geburtskliniken bieten neben einer gemütlichen Atmosphäre alle erdenklichen Annehmlichkeiten für die werdenden Mütter und ihre Partner. Gebär-Seile, Gebärhocker, bequeme Entbindungsbetten und Gebärwannen stehen den zur Verfügung, verbunden mit personeller und apparativer Sicherheit.

Denn niemand weiss im Voraus, wie sich das Geburtsgeschehen entwickeln wird und welche Probleme völlig unvorhergesehen auftreten. Nicht alle Komplikationen kündigen sich schon während der Schwangerschaft an; manchmal sind ärztliche Hilfe und geburtshilfliche Erfahrung ganz plötzlich lebensnotwendig. Eine Lageanomalie des Kindes im Mutterleib kann beispielsweise den Geburtsvorgang erschweren oder eine Wehenschwäche kann auftreten. Das Baby kann die Nabelschnur um den Hals haben und zu ersticken drohen, seine Herztöne können plötzlich gefährlich absacken, es können schwere Blutungen auftreten und ganz selten kann es auch zu einer Fruchtwasserembolie kommen, welche in über der Hälfte der Fälle für die Mutter und/oder das Baby tödlich endet. Viele dieser Situationen können einen sofortigen Kaiserschnitt notwendig machen. Deshalb gehören die Herztonmessung des Ungeborenen und der Wehenschreiber (CTG) sowie wehenfördernde Mittel in jedem Gebärsaal zur Grundausstattung. Selbst bei der weitestgehend natürlichen Geburtshilfe im Geburtshaus werden technische Geräte eingesetzt.

Nicht zu unterschätzen ist zudem die fachliche Erfahrung in der Geburtshilfe: Eine routinierte Hebamme reagiert bei auftretenden Komplikationen blitzschnell und kann so meist noch rechtzeitig eingreifen, um schwere gesundheitliche Folgen oder sogar den Tod abzuwenden.

All dies fehlt bei einer Alleingeburt. Ärzte und Hebammen sind sich deshalb einig: Eine Geburt muss immer fachlich begleitet werden; zumindest sollte eine ausgebildete Hebamme in unmittelbarer Nähe sein.

Letzte Aktualisierung : 21-06-18, BH

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