Schwangere Frau bekommt eine Spritze
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Covid-19-Impfung in der Schwangerschaft

Werdende Eltern sind verunsichert: Einerseits können Folgen einer Ansteckung mit dem Coronavirus für Schwangere besonders schwerwiegend sein, andererseits gibt es offiziell noch keine ausdrückliche Empfehlung zur Impfung aller Schwangeren.

Wie sind die aktuellen Empfehlungen?

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG), die Eidgenössischen Impfkommission (Efik) und die Schweizerische Gynäkologengesellschaft (SGGG) empfehlen die Coronaimpfung allen Schwangeren mit Vorerkrankungen oder in speziellen Risikosituationen. Die Impfung darf erst im zweiten oder dritten Schwangerschaftstrimenon und nur mit einem mRNA-Impfstoff (Moderna bzw. BioNTech/Pfizer) durchgeführt werden.

  • Vorerkrankungen: Schwangere mit einer chronischen Krankheit haben bei Ansteckung mit Covid-19 häufiger einen schweren Verlauf. Vor allem sind dies Frauen mit Herz-Kreislauf-Krankheiten, Bluthochdruck, Diabetes, Lungen- und Atemwegserkrankungen, Krebserkrankungen usw.
  • Spezielle Risikosituationen: Wenn eine Schwangere häufigen Kontakt mit möglicherweise ansteckenden Menschen hat und die Hygieneregeln nicht optimal eingehalten werden können, ist das Risiko einer Ansteckung besonders hoch. Dies ist beispielsweise der Fall bei Gesundheitspersonal oder in Kita, Kindergarten und Schule.

Seit dem 28. Mai 2021 dürfen sich auch Schwangere ohne Vorerkrankungen oder besondere Risiken impfen lassen, wenn sie dies wünschen. Für die Covid-19-Impfung muss eine schriftliche Verordnung (Attest) durch eine Fachärztin/Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe vorliegen, ausserdem die ausdrückliche Einwilligung der Schwangeren. Damit kann sich die Schwangere direkt online in den kantonalen Impfanmeldungs-Webseiten registrieren. Der Termin für die Impfung wird durch die kantonalen Impfprioritäten festgelegt.

Für Kontaktpersonen von Schwangeren ist die Impfung sehr zu empfehlen.

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Wie sicher ist die Corona-Impfung für werdende Mütter?

Bisher sind in den USA über 200'000 schwangere Frauen mit den mRNA-Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 geimpft worden, ohne dass es unerwartete Nebenwirkungen auf Mutter und Kind gab. Laut dem „V-safe Pregnancy Register“ der USA gebe es keine Hinweise darauf, dass die Impfung bei Schwangeren zu Komplikationen führt. Und auch was die Verträglichkeit und Antikörperbildung angeht, gebe es derzeit keine Bedenken. Mehrere andere Länder wie Belgien, die USA, Israel und Grossbritannien empfehlen bereits nachdrücklich allen Schwangeren die Covid-19-Impfung.

Was ist, wenn versehentlich in den ersten Schwangerschaftswochen geimpft wurde?

In der Frühschwangerschaft, der sensibelsten Phase der embryonalen Entwicklung, wird grundsätzlich von Impfungen jeder Art abgeraten. Wenn eine mRNA-Impfung gegen COVID-19 unbeabsichtigt in der Frühschwangerschaft verabreicht wurde, z.B. weil die Schwangerschaft noch nicht bekannt war, besteht jedoch trotzdem kein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch. Es sind weder in Tierversuchen noch bei den bisher bekannten Fällen von Impfungen in der Frühschwangerschaft Schädigungen des Embryos oder vermehrte Fehlgeburten bekannt.

Ist die Impfung bei Kinderwunsch sinnvoll?

Frauen mit Kinderwunsch können gegen COVID-19 geimpft werden. Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass die COVID-19-Impfung einen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben könnte. Eine Corona-Impfung vermindert dagegen mögliche Risiken in einer Schwangerschaft.

Die Kinderwunschbehandlung sollte dann erst einige Tage nach der 2. Impfung (egal ob bei Mann oder Frau) beginnen, um Impfreaktionen abzuwarten. Wird versehentlich in der Frühschwangerschaft geimpft, wird trotzdem die zweite Dosis verabreicht.

Darf in der Stillzeit geimpft werden?

Nach bisherigem Kenntnisstand ist mit der Corona-Impfung während der Stillzeit kein erhöhtes Risiko für die Stillende oder den Säugling verbunden. Es besteht keine Notwendigkeit, die Impfung wegen des Stillbeginns zu verzögern, das Stillen wegen der Impfung zu unterbrechen oder gar den Säugling abzustillen.

Darf ich nach der Corona-Impfung Schmerzmittel nehmen?

Die Impfung gegen Covid-19 kann Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Schmerzen an der Einstichstelle verursachen. Vor allem Paracetamol dürfen auch werdende Mütter einnehmen, um solche Nebenwirkungen zu lindern.

Es wird zu Zeit noch kontrovers diskutiert, ob solche rezeptfrei erhältlichen Schmerzmittel die Wirksamkeit der Impfung schmälern könnten. Durch eine unterdrückte Immunreaktion könnte theoretisch die Antikörperbildung und somit die Wirkung der Impfung geschmälert werden. Es gibt einige Studien, die davon abraten, Schmerzmittel im Zusammenhang mit einer Impfung einzunehmen. Ebenso gibt es wissenschaftliche Arbeiten, die keine negativen Effekte für den Impferfolg gezeigt haben.

Von einer vorbeugenden Behandlung wird auf jeden Fall abgeraten. Schmerzmittel sollte man erst dann anwenden, wenn tatsächlich starke Beschwerden auftreten. 

Newsticker

Impfung in der Frühschwangerschaft | 30.05.2021

Beim neuartigen Coronavirus gab es bisher keine Anzeichen für ein erhöhtes Infektionsrisiko bei schwangeren Frauen. Die neuste Studienlage zeigt jedoch, dass ein schwerer Krankheitsverlauf und eine Frühgeburt wahrscheinlicher sind gegenüber Nicht-Schwangeren. Werdende Mütter sind deshalb als Risikogruppe eingestuft, und seit dem 28. Mai 2021 wird allen Schwangeren, auch solchen ohne Vorerkrankungen oder besondere Risiken, die Impfung gegen COVID angeboten. Allerdings - aus grundsätzlichen Überlegungen - erst im zweiten oder dritten Schwangerschaftstrimenon und nur mit einem mRNA-Impfstoff (Moderna oder Biontec). Was ist dann aber mit Frauen, die möglichst bald schwanger werden wollen, oder es vielleicht – unbekannterweise - schon gerade sind? Keine Sorge: Wenn eine mRNA-Impfung gegen COVID-19 versehentlich in der Frühschwangerschaft verabreicht wurde, wird trotzdem die zweite Dosis verabreicht. Es besteht kein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch. Weder aus Tierversuchen noch bei den bisher bekannten Fällen von Impfungen in der Frühschwangerschaft sind Schädigungen des Embryos bekannt. Es gibt zudem keinerlei Anzeichen dafür, dass die COVID-19-Impfung einen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben könnte. Sollte man den Kinderwunsch besser aufschieben? Dazu gibt es keinen Grund. Ist allerdings eine Kinderwunschbehandlung geplant, sollte diese erst einige Tage nach der 2. Impfung (egal ob bei Mann oder Frau) beginnen, um Impfreaktionen abzuwarten.

COVID-Impfung in der Schwangerschaft? | 29.05.2021

Schwangere gehören bezüglich des Coronavirus zur Risikogruppe. Denn bei einer Infektion sind bei Schwangeren schwere Krankheitsverläufe (z.B. mit Präeklampsie oder Thrombose) viermal häufiger als bei gleichaltrigen Frauen. Zudem bestehe ein bis zu 80 Prozent höheres Risiko einer Frühgeburt durch eine SARS-CoV-2-Infektion, und die Rate der Totgeburten sei mehr als doppelt so hoch.

Die deutschen gynäkologischen Fachgesellschaften haben sich Anfang Mai 2021 wegen der positiven Erfahrungen in anderen Ländern (Belgien, USA, Israel und Grossbritannien) dafür ausgesprochen, sie mit einem mRNA-basierten Corona-Impfstoff zu impfen. Schwangere sollten aufgrund des erhöhten Risikos für einen schweren Verlauf zudem priorisiert werden. Laut dem „V-safe Pregnancy Register“ der USA gebe es keine Hinweise darauf, dass die Impfung bei Schwangeren zu Komplikationen führt. Und auch was die Verträglichkeit und Antikörperbildung angeht, gebe es derzeit keine Bedenken. Die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert-Koch-Institut (RKI) zog am 18.5.21 nach und empfiehlt eine grosszügige Impfung von Schwangeren, da sie mit ihren Kontaktpersonen in Priorisierungsgruppe 2 fallen. Werdende Mütter können ein entsprechendes Schreiben beim Hausarzt oder im Impfzentrum vorzeigen, wenn der Frauenarzt die Impfung nicht selbst vornehme.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG), die Schweizerische Gynäkologengesellschaft (SGGG) und die Eidgenössischen Impfkommission (Efik) haben am 28. Mai 2021 nachgezogen und empfehlen weiterhin die Coronaimpfung für Schwangere mit Vorerkrankungen, wie beispielsweise Bluthochdruck, Übergewicht oder Diabetes, und unter erhöhter Ansteckungsgefahr (z.B. Gesundheitswesen) - neu können sich aber auch alle Schwangeren ohne Vorerkrankungen oder besondere Risiken impfen lassen. Voraussetzung ist eine ausführliche Aufklärung und ausdrückliche Einwilligung der Schwangeren. Für beide Gruppen gilt: erst im zweiten oder dritten Schwangerschaftstrimenon und mit einem mRNA-Impfstoff. Für stillende Mütter und Frauen mit Kinderwunsch gibt es hinsichtlich einer Impfung keine Einschränkungen.

 

Aktuelle Impfstudie | 02.04.2021

Bislang werden Schwangere und Stillende ohne Risikofaktoren aus Vorsichtsgründen noch nicht gegen COVID-19 geimpft, weil diese Gruppen in den Tests zur Zulassung der Corona-Impfstoffe ausgeschlossen waren. Jetzt gibt es aber eine neue Studie, die zeigt, dass mRNA-Impfstoffe (Pfizer/BioNTech oder Moderna) auch bei schwangeren und stillenden Frauen wirksam und sicher sind. Zudem werden schützende Antikörper während der Schwangerschaft und durch Stillen an die Babys weitergegeben. Insgesamt wurden 84 schwangere, 31 stillende und 16 nicht schwangere Frauen untersucht, die Ergebnisse wurden soeben in der renommierten Fachzeitschrift „American Journal of Obstetrics and Gynecology“ veröffentlicht. Alle drei Gruppen reagierten etwa gleich stark auf den Impfstoff, die Nebenwirkungen waren vergleichbar. Verglichen mit einer Covid-19-Infektion in der Schwangerschaft kam es durch die Impfung sogar zu höheren Antikörperspiegeln, vor allem in den Schleimhäuten von Nase, Mund und Augen – den Eintrittspforten des Coronavirus. Die Antikörper waren auch in allen Nabelschnurblut- und Muttermilchproben vorhanden, was beweist, dass sie von den Müttern an die Neugeborenen weitergegeben werden und so gleich zwei Menschen schützen.

Schmerzmittel für Schwangere | 11.01.2021

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde warnt vor der Einnahme von Schmerzmitteln wie Ibuprofen, Naproxen, Diclofenac und Celecoxib (sog. Nicht-Steroidale Anti-Rheumatika NSAR) in der zweiten Schwangerschaftshälfte. Diese können seltene, aber schwerwiegende Nierenprobleme beim ungeborenen Baby verursachen und dadurch einen Mangel an Fruchtwasser (Oligohydramnion) hervorrufen. In der zweiten Schwangerschaftshälfte wird das Fruchtwasser vorwiegend von der fetalen Niere produziert. Ist die Fruchtwassermenge dauerhaft zu gering, kann es beim Fetus zu Fehlbildungen an Schädel und Füssen oder Lungenproblemen kommen. Bisher wird ab der 30. SSW von NSAR abgeraten, weil die Medikamente Herzprobleme beim ungeborenen Kind hervorrufen können. Nun soll die Empfehlung schon ab der 20. SSW gelten. Ausnahmen sind die Verwendung von Schmerzmitteln am Auge sowie der Einsatz von niedrigdosierter Acetylsalicylsäure (ASS, 81 mg). Bei Schmerzen und Fieber empfiehlt die FDA Paracetamol als Mittel der ersten Wahl.

Letzte Aktualisierung : 01-07-21, BH

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